Andacht zur Woche


„HOSIANNA, GELOBT SEI, DER DA KOMMT,

DER KÖNIG, Im NAMEN DES HERRN!“

(LUKAS 19, 38)

 

Das Ende beginnt mit einem Aufbruch. Der Weg in die große, heilige Stadt Jerusalem. Vor den erschütternden Ereignissen der nächsten Tage flimmert ein Bild herauf. Glorreich, laut, froh, voller Erwartungen. Einzug in Jerusalem: Eine Stadt voll Leben, Menschentrauben, Rufen, staubiger Hitze. Eine Gruppe hebt sich heraus, eine begeisterte Menge, die schreit und ruft, singt und lacht. Wer schon mal bei einer Demo dabei war oder im Zug mit ein paar Fußballfans saß, der hat vielleicht eine Vorstellung davon, wie laut es werden kann, wenn eine Ansammlung von Menschen wirklich von etwas begeistert ist. 

 

»Hosianna, gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn!« 

 

Das singt das jüdische Volk zwischen römischen Soldaten, unter römischer Herrschaft, vor den geistlichen Führern der damaligen Zeit und unter den Augen des jüdischen Königs Herodes. Was für eine Provokation. Es scheint als würden sie rufen: Da zieht eine neue Zeit ein. Und wir sind dabei. Wer wollte da nicht singen? 

 

Jesus, der war anders als das bisher Gewesene. Sie haben von ihm gehört, von seinen Wundern, Taten und Worten. Er bricht die gesellschaftlichen und religiösen Konventionen auf. Nicht mehr „Wir“ und die „Anderen“, sondern ein inkludierendes Wir. Alle Menschen, Sünder und Heilige, Juden und Nichtjuden, arm und reich, krank und gesund. Da kommt etwas Neues, das ist deutlich zu spüren. Und viele im jüdischen Volk sehnen sich nach Neuem.

 

Aber da sind auch jene, die unbedingt das Alte bewahren wollen und ihre Deutungshoheit über das gesellschaftliche und religiöse Leben bedroht sehen. Das allumfassende „Wir“ ist eine Bedrohung. Es muss sie noch geben, die „Anderen“, sonst bricht das Machtgefälle zusammen. Allumfassender Frieden wird hier nicht als Ziel und Heil verstanden, sondern als Bedrohung des „Alten“ und „Bekannten“.

  

Und so nimmt die Geschichte der Karwoche an diesem Palmsonntag seinen Anfang. Voller Jubel, voller Freude, mit Palmenblättern wird Jesus in Empfang genommen in der heiligen Stadt. Und innerhalb weniger Tage werden die Jubelrufe zu Hetzgeschrei. „Kreuzige ihn, kreuzige ihn“, werden wir am Ende der Woche hören. Von den gleichen Menschen, die Jesus hier jubelnd empfangen. Was ist nur geschehen? 

 

In erster Linie wurden Erwartungen enttäuscht. Jesus hat Erwartungen enttäuscht. Heilen, speisen, friedlich und sanftmütig sein, das alles war nicht genug. Erwartet wurde mehr, oder vielleicht auch weniger, aber auf jeden Fall irgendwie etwas anderes von einem Messias. Befreiung von den herrschenden Römern, Bestrafung und Niederschlagung. Ein Kriegsheld vielleicht, blutige Rache. Zumindest wenigstens einer, der die Guten lobt und die Schlechten verwirft. Einer, der die Seinen kennt und bevorzugt. Nicht dieser Einheitsbrei. Ja, Erwartungen wurden enttäuscht und einer der engsten Vertrauten für den Verrat gewonnen. So nehmen die letzten Tage im Leben Jesu ihren Lauf. 

 

Die Geschichte vom Palmsonntag ist so aktuell wie nie. Menschen, die Erwartungen haben, die sich etwas Bestimmtes für die aktuelle Situation wünschen und Umbruchszeiten, die besonders anfällig sind für menschliches Scheitern.

 

Bewahrte Worte. Bewahrte Geschichte. Die Menschenwelt ist noch ganz dieselbe. Weiterentwickelt, aber die Menschen und ihre Leiden, ihre Hoffnungen, ihre Konflikte sind uns nicht fremd. Die Einzugsszene macht uns mit all dem vertraut. Mit einem Konflikt des Neuen gegen das Bewahrende, mit Umbrüchen, mit Uneindeutigkeit und Erwartungen, die nicht immer erfüllt werden.

 

Immer wieder stehen wir an Schwellen unseres Lebens, unserer Geschichte und immer wieder ruft Jesu seine Worte und Taten in unsere Herzen. Und ich glaube wir stehen auch heute wieder an solch einer Schwelle. Noch stehen wir am Anfang der aktuellen Epidemie und schon beginnen uns die Maßnahmen zu nerven, zu ärgern, die ja eigentlich Leben bewahren sollen. Aber ist es wirklich mein Leben, das hier in Gefahr ist? Für wen nehme ich diese Einschränkungen eigentlich in Kauf? Und will ich das noch länger hinnehmen? Das anfängliche Vertrauen in die Regierung bekommt Risse. In Gesprächen begegnen mir nun viel häufiger Frustration und Wut. Existenzen stehen auf dem Spiel, da ist es ja irgendwie auch verständlich. Die Situation ist schwer, für uns alle. Auch ich vermisse meine Familie, meine Freunde, den geregelten Alltag und die Arbeit, so wie ich sie kenne. 

 

Und dennoch, ich merke wie der Boden geebnet wird für Verschwörungstheorien, für das „Wir“ gegen die „Anderen“: „Übertrieben“, „Unnötig“, „Unverständlich“. Mit diesen Worten kommen die enttäuschten Erwartungen zur Sprache. „Ich hätte das anderes gemacht“. Und es gibt immer Menschen, die genau auf so instabile Situationen in der Gesellschaft warten und sie zu nutzen wissen.

 

Lassen wir sie diesmal nicht!

 

Spaltung, Angst, Wut werden uns heute nicht weiterhelfen, so wie damals auch nicht. Versuchen wir beieinander zu bleiben, geduldig und hoffnungsvoll, solidarisch und friedlich. Damit wir nicht am Ende unversehens mit einstimmen in das „Kreuzige Ihn“-Geschrei.

 

Die Karwoche beginnt. Wir nehmen das Leiden und Sterben Jesu verstärkt in den Blick, werden ihn ein Stück begleiten. Sanftmütig, friedlich, liebevoll, so hoffe ich. Jesus als Mittelpunkt unseres Lebens. Gerade in dieser Woche bitte ich besonders darum. Amen

Lied


Psalm


Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Mit Palmen bereiten wir dir den Weg, unsere Kleider liegen dir zu Füßen, damit die Güte einziehen kann in unser Leben.

 

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Du bist meine Hoffnung und stärkst mich mit deiner Liebe. Deine Güte überdauert die Zeit und lässt mich leben. Deine Gnade umspannt das Weltall und führt mich aus der Enge.

 

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Wenn wir stillstehen und auf der Stelle treten und nicht einen Schritt weiter kommen; nimmst du uns mit auf den Weg nach Jerusalem, wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen in Traum und Wirklichkeit.

 

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Denn jeder Tag, den Gott macht, ist gut: Wir wollen uns freuen, dass er noch immer die sucht, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten; dass er sich noch immer auf den Weg macht zu denen, die den Hunger nach Frieden noch nicht gestillt haben.

 

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Herr, du bist der Eckstein der Welt, die Hoffnung für verkrustete Seelen; deine Güte überdauert den Tag und deine Liebe überstrahlt die Schattenseiten unseres Lebens. Amen

 

(Psalm 118 - nach Uwe Seidel)


Alte Andachten


29. März 2020

 

„NUN ABER BLEIBEN GLAUBE, HOFFNUNG, LIEBE, DIESE DREI; ABER DIE LIEBE IST DIE GRÖSSTE UNTER IHNEN.“

(1. KORINTHER 13,13)

 

Das Hohelied der Liebe findet seinen Höhepunkt in diesem Satz. Glaube, Liebe und Hoffnung. Diese drei bleiben als Kern dessen, was uns als Christen ausmacht. Mögen die Zeiten auch noch so stürmisch sein, die Herausforderungen noch so groß und die Anfechtungen schier überwältigend, diese drei bilden unsere Grundlage, unser Sein, unsere Richtschnur für alles moralische Handeln. Wenn wir es denn wagen, uns auf sie zu besinnen, und nicht, was uns natürlich freisteht, sie über Bord zu werfen, wenn es schwierig wird. Denn allen dreien ist es, wenn es drauf ankommt, gar nicht so leicht, zu folgen.

 

Da ist die Hoffnung. Sie birgt so viel Kraft in sich. Sie kann Menschenmassen bewegen, die Geschichte verändern und durch die schwierigsten Zeiten tragen. So viel und noch mehr vermag die Hoffnung in uns zu tun. Deshalb baut unser Glaube so sehr auf ihr auf – wir glauben auf Hoffnung hin. Doch manchmal verlieren wir mit ihr das Ziel aus den Augen. Hoffnung ist so ein Energieträger, dass sie sich manchmal verrennt, verirrt, den falschen Weg einschlägt oder sich selbst genügt. Hoffnung ist und bleibt eine große Kraft, aber sie ist manchmal schwer aufrecht zu erhalten, wenn die Dunkelheit zu groß ist. 

 

Dann der Glaube. Er kann Berge versetzen. Die Bibel ist voll von Geschichten des Glaubens, der Unglaubliches geschafft hat. So viele Wunder und große Taten, von denen wir hören. Und  doch, die Jahreslosung für dieses Jahr macht es deutlich: „Ich glaube hilf meinem Unglauben.“ Manchmal machen sich Zweifel mit auf den Weg. Die Welt, wie sie ist, die Erfahrungen, die wir Menschen machen oder die wir bei anderen sehen, die lassen uns auch straucheln. Manchmal können Menschen nicht mehr glauben, nach großen Verlusten oder Umbrüchen und Verletzungen. Zu glauben, ist ein Geschenk und eine  große Kraft, doch immer auch Anfechtung in dieser Welt.

 

Und letztlich bleibt dann die Liebe. Sie ist die Größte unter ihnen. Nicht Hoffnung und auch nicht der Glaube, wie ja eigentlich im religiösen Kontext zu erwarten wären. Nein, die Liebe ist die Größte unter ihnen. Wenn wir lieben, dann hoffen wir immer auf das Beste und wir glauben an die Menschen und daran, dass mit ihnen alles gut werden wird. Weil Liebe nun mal immer an das Gute glaubt und nach ihrer Erfüllung strebt. Und damit zeigt sich die große Kunst der Liebe: Sie ist nie allein. Liebe braucht immer ein Gegenüber, einen Geber und einen Empfänger. Und wir Menschen sind immer beides in unserem Leben. Die Liebe bleibt und trägt letztlich alles moralische und ethische Handeln. Wo Hoffnung und Glaube fehl laufen können, missbraucht werden können, da steht die Liebe als Konstante da und hält beide anderen großen Grundlagen für uns zusammen.  An ihr orientiert, können wir alles tragen. Weil wir nicht allein sind. Im Idealfall haben wir Menschen um uns, die uns lieben und die sich um uns sorgen. Aber unter allen Umständen haben wir Gottes Liebe in unserem Leben. Diese Bindung reißt niemals ab. 

 

So bleibt uns für diese Zeit die Besinnung auf die drei Grundlagen. In der Hoffnung, dass sie uns tragen und erinnern an das, was uns ausmacht.

 

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;

aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ 

Lied


Psalm


Ich suche Gott auf den Bergen, wird er mir dort entgegen kommen? Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt von ihm, der nicht nur auf den Bergen wohnt, mein Gott hat Himmel und Welten geschaffen, und wenn ich ihn bitte, so ist er anwesend und hilft.

 

Ich suche Gott in der Natur, wird er mir dort begegnen? Woher kommt mir Hilfe?

Mein Hilfe kommt von ihm, der sich nicht nur um den Himmel sorgt, mein Gott sieht auch meine Schritte hier auf Erden, und wenn ich falle, so richtet er mich wieder auf.

 

Ich suche Gott im Himmel und auf Erden, wo werde ich ihn finden? Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt von ihm, der nicht schläft oder müde wird. Er kann mir meinen Weg zeigen. Mein Gott behütet mich Tag und Nacht, und wenn ich zum Leben keine Kraft mehr habe, spricht er mir neuen Mut zu.

 

Meine Hilfe kommt von Gott, den ich bitte, der mich tröstet, der mein Leben behütet, heute und in aller Zukunft. Amen

 

(Psalm 121 - nach Uwe Seidel)


22. März 2020

 

"ALLE EURE SORGE WERFT AUF IHN; 

DENN ER SORGT FÜR EUCH."

(1. PETRUS 5,7)

 

„Wie schwer ist ein Glas Wasser?“ Mit dieser Frage beginnen manchmal Stressbewältigungsseminare.  Den Teilnehmern wird ein gefülltes Glas mit Wasser gezeigt und dann können sie wild drauf los raten. 200-500 Gramm sind die meist genannten Antworten.

 

Dann kommt natürlich die Auflösung dieser Fangfrage. Das absolute Gewicht des Glases spielt gar keine Rolle für das Empfinden der Schwere. Wie schwer das Glas ist, hängt davon ab, wie lange man es halten muss. Hält man es eine Minute, ist es kein Problem. Hält man es für eine Stunde, wird man Schmerzen im Arm verspüren. Hält man es den ganzen Tag, wäre der Arm taub und bewegungsunfähig. Das Gewicht des Glases ändert sich nicht, aber umso länger man es hält, desto schwerer wird es.

 

Stress und Sorgen in unserem Leben sind wie dieses Glas mit Wasser. Denken wir eine kurze Zeit darüber nach, hinterlassen sie keine Spuren. Denken wir länger über sie nach, beginnen sie uns zu verletzten. Und wenn wir über unsere Sorgen den ganzen Tag nachdenken, dann werden wir uns irgendwann taub fühlen, Schmerzen haben und nicht mehr in der Lage sein, uns zu bewegen und irgendetwas zu tun.

 

Das absolute Gewicht, die Größe, die Schwere unserer Sorgen ist erstmal nicht relevant. Sicher, je nachdem wie groß sie sind, haben sie Auswirkungen auf unser Leben, aber selbst kleine Sorgen können uns lebensunfähig, bewegungsunfähig machen, wenn wir sie nicht loslassen. In Zeiten wie diesen ist das Glas natürlich randvoll gefüllt. Wir alle verfolgen die Nachrichten, lesen die Zahlen der Verstorbenen mit großer Sorge. Wir haben Angst um uns, unsere Kinder, unsere Eltern. Wir haben Angst, was das alles mit der Gesellschaft machen wird. Wird es so wie vorher? Was wird passieren? Ich stelle mir diese Fragen auch. Aber gerade wenn das Glas so voll mit Sorgen ist, wie momentan, müssen wir es manchmal abstellen, sonst brechen wir zusammen. 

 

Wenn wir alle unsere Sorgen auf Gott werfen sollen, dann damit genau das nicht passiert, damit wir nicht zusammenbrechen. Die Sorgen auf Gott werfen, heißt, lebensfähig bleiben, in der Lage bleiben, froh zu sein, hoffnungsvoll die Situation anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Ein kleiner „Grübelstopp“, der uns hier verhängt wird. Raus aus unserem Kopf. Raus mit all den Sorgen. Ablenken. Reden wir mit der Familie, die bei uns ist oder nehmen wir das Telefon und rufen Freunde an. Wir können auch rausgehen, frische Luft einatmen. Die Sonne kommt endlich raus und ich stelle mich mitten hinein in ihre Strahlen und lasse sie mich durchfluten. Mit dem nötigen Abstand, der Umsicht, die die Situation gerade erfordert, aber auch mit vollem Vertrauen im Herzen, dass alles gut werden wird. Ich werfe meine Sorgen auf den Herrn und lasse los.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen Gottes Segen!

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf

Lied


Psalm


Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst

Niemand ist da, der mir hilft in meiner Not.

 

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst

Niemand ist da, der mich erfüllt mit seinem Trost.

 

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst

Niemand ist da, der mich hält an seiner Hand.

 

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst

Niemand ist da, der mich leitet und begleitet

auf allen meinen Wegen – Tag und Nacht.

 

Sei gut behütet und beschützt.

 

(Psalm 21 - nach Uwe Seidel)

 


 15. März 2020

 

"GOTT HAT UNS NICHT GEGEBEN DEN GEIST DER FURCHT, SONDERN DER KRAFT, DER LIEBE UND DER BESONNENHEIT."

(2. TIMOTHEUS 1,7)

 

Liebe Gemeinden, Furcht ist in der Regel nichts Verkehrtes. Man stelle sich einmal vor, wir hätten von Menschengedenken her keine Angst gehabt. Dann wären wir nicht vor Säbelzahntigern geflohen, hätten uns von Mammuts zertreten lassen und gefährliche Situationen nicht erkannt. Es gäbe uns vermutlich gar nicht mehr. Also, es gibt Momente wo Angst Sinn macht, da sie uns zur Vorsicht mahnt. Aber in vielen anderen Situationen ist Angst kein guter Ratgeber. Warum? Diese „falsche“ Angst, wie ich sie gerne nenne, führt nicht zur Vorsicht, sondern zu Panik. Sie breitet sich uferlos in unserem Kopf aus und malt die schlimmsten Szenarien. Sie macht uns resistent gegen die Vernunft, weil dieses Gefühl so viel stärker ist, als alle Argumente oder Zahlen.

 

Und wenn wir panisch sind, dann werden wir gefährlich. Für uns selbst, für andere und für die Gesellschaft. Wir verfallen in Depressionen, können nicht mehr schlafen, malen uns die furchtbarsten Dinge aus. Oder werden aggressiv gegen jeden, der unsere Angst nicht versteht. Und auch gesellschaftlich kann Angst so wunderbar instrumentalisiert und damit unser größter Feind werden. Wenn die Angst nur groß genug ist, das Drama in meinem Kopf allen Raum einnimmt, dann bin ich anfällig für alles, was angeblich gegen diese Angst helfen kann. Dabei wird das rationale und soziale Denken gänzlich ausgeschaltet. 

 

Und so stellt Paulus in seinem Brief an Timotheus dem Geist der Furcht sehr bewusst den Geist der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit entgegen. Diese drei haben die Möglichkeit, die Angst zu kontrollieren, so dass sie nicht uns kontrolliert. Auch in der aktuellen Situation brauchen wir viel von all diesen drei Geistern. Die Besonnenheit, dass wir als Gesellschaft nicht panisch, aber auch nicht leichtsinnig sind. Die Liebe, um Solidarität mit all jenen zu zeigen, die den Virus nicht so leicht besiegen können, weil ihr Körper geschwächt ist, oder anfällig. Und wir brauchen Kraft, weil unser aller Alltag so sehr eingeschränkt ist. Unsere Sozialkontakte so sehr eingeschränkt sind. Selbst unser kirchliches Leben so sehr eingeschränkt ist. 

So kann ich heute Gott nur darum bitten, uns den Geist der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit zu schicken, damit wir beieinander bleiben, zuversichtlich, vertrauensvoll und gestärkt im Glauben und im Gebet. 

 

Gotte segne und behüte Sie.

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf 

Lied


Psalm


Ganz nahe spüre ich dich, Gott, 

so als gingen wir beide Hand in Hand.

Ich spüre die Wärme, mit der deine Hand die meine umschließt, ich merke die Kraft, die mir Sicherheit gibt. Niemand kann mir den Boden unter den Füßen wegziehen. Falle ich, falle ich in deine Hand,

Ganz nahe spüre ich dich, Gott,

so als gingen wir beide Hand in Hand.

Ganz nahe spüre ich dich, Gott, auch wenn es dunkel wird um mich. Ist kein Mensch nahe, bietest du mir deine Hand.

Du zeigst mir den Weg, wenn ich nicht mehr weiter weiß, mich nicht traue, weiterzugehen.

Ganz nahe spüre ich dich, Gott,

so als gingen wir beide Hand in Hand.

Du hältst deine Hand über mir wie ein schützendes Dach; verfolgt mich die Angst, kann ich mich darunter verkriechen, sind meine Kräfte erschöpft, bin ich geborgen.

Ganz nahe spüre ich dich, Gott,

so als gingen wir beide Hand in Hand.

Wunderbar sind deine Werke, das weiß ich wohl. Aber was denkst du, Gott? Ich kann deine Gedanken nicht verstehen oder zählen. Du aber kennst alle meine Fragen, du liest meine Gedanken.

Ganz nahe spüre ich dich, Gott,

so als gingen wir beide Hand in Hand.

 

(nach Psalm 139)