Andacht zur Woche


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Ihr seid das Salz der Erde.

(Mt 5,13a)


Kompliment, sagt Jesus, Du bist das Salz der Erde.

Salz ist ein ganz besonderes Gewürz;

schwierig und kompliziert zu gewinnen,

außerordentlich wertvoll.

Salz ist die Basis aller Gewürze. Es macht Speisen schmackhaft. Salz ist lebenswichtig, der Baustein allen Lebens. 

Salz wirkt heilend, es konserviert.

Kompliment, sagt Jesus, Du bist das Salz der Erde.

Du bist Salz! Du verleihst dieser Welt Pfiff und Geschmack. Du sorgst dafür, das das Leben nicht fade wird, sondern vollmundig, froh, erfüllt.

Du engagierst dich für andere;

du bleibst bei der Wahrheit;

du setzt dich für Gerechtigkeit ein;

du deutest nicht mit dem Finger auf andere, sondern kehrst vor der eigenen Haustüre;

du machst keine großen Sprüche, stellst dich nicht in den Vordergrund,

du langst zu, wo du gebraucht wirst.

Kompliment, sagt Jesus, Du bist das Salz der Erde.

Du bist es schon: Du bist kostbar, wichtig, besonders. Und jetzt sei auch, was du bist. Verleih dem Leben Würze mit alldem, was in dir steckt!

Trau dich! Entdecke deine Bestimmung, deine Begabung Misch Dich ein! Bring dich ein!

Du bist Salz der Erde! Das bleibt nicht unbemerkt. Damit eckst Du manchmal an. Das ist nicht nach jedermanns Geschmack.

Manchmal streust Du Salz in die Wunde. Wenn Du Dinge ansprichst, die unangenehm und schmerzhaft sind. Wenn Du nicht wegsiehst, nicht schweigst zu Ungerechtigkeit, zu Rassismus, zu Mobbing! Wenn Du klar Stellung beziehst.

Manchmal bist Du das Salz in der Suppe derer, die gleichgültig vor sich hinleben, die sich nur um sich selbst drehen in ihrer kleinen Welt, die sich selbst betäuben, die keine Lust auf Verantwortung haben, die an der Oberflächlichkeit schwimmen.

Du lässt dich als Gottes Streusalz in die Kälte der Welt streuen. Damit das Eis zwischen den Menschen taut, damit niemand Rutschen kommt oder fällt.

Du bist Salz der Erde, sagt Jesus. Du bist das, was diese Welt unbedingt braucht, auch wenn sie es selber nicht weiß! Du bist dafür auf der Welt, dass sie nicht verfault. Dass sie nicht zerbricht. Dass sie nicht verarmt und verödet.

Welch ein Ehrentitel, was für ein Kompliment: Salz der Erde zu sein!

 „Ein Christ ist in dieser Welt da, damit der Geschmack an Gott nicht verloren geht“, sagt Antoine Saint-Exupéry.

Salz wirkt. Es wirkt einfach durch seine Eigenschaften. Christen verändern diese Welt einfach dadurch, dass sie da sind. Sie kämpfen gegen die Verödung an. Sie heilen. Sie bewahren vor dem Verderben. Schmelzen das Eis.

Heinrich Böll hat gefragt, wie traurig es wohl in unserer Welt aussähe, wenn sich nicht Christen immer wieder für mehr Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einsetzen würden. Und weiter fragt er: Doch wie wäre es, wenn wir wirklich Jesus konsequent folgten – als Salz der Erde? Wir könnten das Antlitz der Welt verändern.

Bist du auf den Geschmack gekommen? Bereit, Salz der Erde zu sein?

 

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Gebet

Du Gott des Lebens,

durchwirke mich mit deiner Kraft,

damit ich sein kann was ich bin –

Salz der Erde!

Stärke mich mit deiner Kraft,

damit ich Salz bin, das trägt –

Stütze und tragender Grund für jene,

die Halt und Beistand brauchen.

Beflügle mich mit deiner Kraft,

damit ich Salz bin,

das dem Leben Geschmack gibt –

Würze und Ansporn im tristen Alltagsgrau,

wenn Hoffnung und Freude fehlen.

Belebe mich mit deiner Kraft,

damit ich Salz bin,

das Eis zum Schmelzen bringt –

Eisbrecher und Hoffnungsfunke dort,

wo menschliche Kälte Leben behindert.

Ermutige mich mit deiner Kraft,

damit ich Salz bin,

das sich einmischt –

Salz, das auch die wunden Punkte berührt

und so Heilung ermöglicht.

Amen.



Alte Andachten

Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist,

sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben.

(Johannes 6,27)

 Mit diesen Worten ist die Frage gestellt, was vergänglich ist und was bleibt.

 

Ich empfinde unsere Welt als orientiert an vergänglichen Dingen wie Genuss, Reisen oder Konsum.

Solange alles gut läuft.

Dann kam Corona. Und die Welt hielt den Atem an. Wir wurden leise, besorgt und ratlos. Wir erfuhren, dass nichts bleibend und sicher ist. Wir merkten, wie sehr wir als Menschen und als Gesellschaft verwundbar sind. Wir spürten das Vergängliche und Vorläufige unserer Existenz.

 

Zunächst schien es, als kämen wir ins Nachdenken. Aber dem war nicht so.

Nach relativ kurzer Zeit erwachten wir aus unserer Schockstarre, schüttelten uns und verjagten die Gedanken, die uns während des Corona-Shut-downs kamen, wie lästige Fliegen.

Es gab Corona-Parties, so als wäre Feiern die wichtigste Beschäftigung unseres Lebens. Und als die ersten Bierflaschen gegen Polizisten flogen und die ersten Schaufensterscheiben zu Bruch gingen, konnte ich es nicht fassen.

Gerade jährte sich das Unglück der Loveparade in Duisburg zum 10. Mal. Eine Katastrophe, die 21 Menschenleben und viele Verletzte forderte. Viele sind traumatisiert bis heute. Aus der Suche nach Vergnügen, oder drastisch formuliert, aus der Sucht nach Partyvergnügen und Feiern entstand Tod und Schmerz.

 

Was ist los mit unserer Welt, fragte ich mich. Und als sich in den Medien alles nur noch darum zu drehen begann, wohin wir denn jetzt in den Urlaub fahren können, da wurde ich traurig.

Nicht, dass ich mich nicht gerne vergnüge und Spaß habe. Nicht, dass ich nicht auch gerne an schöne Orte fahre, um mich zu erholen und Abstand vom Alltag zu bekommen. Aber wie kann es sein, dass wir dermaßen die Augen schließen? Denken wir wirklich, es könnte alles wieder genauso werden wie früher?

Wenn ich aus den vergangenen Monaten etwas gelernt habe, dann dieses: Wir können nicht so weiter machen!

Wir könnten damit anfangen, dass wir mal über Vergängliches und Bleibendes nachdenken.

 

Welche Gewohnheiten sollten wir vielleicht sein lassen? Wie setzen wir in Zukunft unsere Zeit und unser Geld ein, damit es uns und unseren Mitmenschen gut geht?

Vielleicht fangen wir an, uns weniger über Vergängliches zu definieren, sondern mehr über Bleibendes wie Solidarität, Kreativität und Füreinander da sein.

Wir entscheiden mit unserem Verhalten, in welcher Welt wir leben!

Die Welt in der wir leben, ist immer noch unheimlich vorlaut und geschwätzig. Solange alles glatt läuft und gut geht. Aber wenn es schwierig wird, in Katastrophen, Krankheit und Tod - da wird sie verlegen, unsere Welt, da weiß sie nichts mehr zu sagen. Genau an dem Punkt, wo die Welt schweigt, da schweigen wir Christen nicht.

Da richten wir die Botschaft von Jesus aus.

Selbst im arrogantesten Gelächter der lauten, geschwätzigen Welt sagen wir, dass der Mensch ein Ziel hat! Wir machen dort den Mund auf, wo alle andern nur die Achseln zucken.

Wir richten die Botschaft von Jesus aus.

 

Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben. (Johannes 6,27)

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Gebet


Herr, segne uns,

lass uns dir dankbar sein,

lass uns dich loben, solange wir leben,

und mit den Gaben, die du uns gegeben,

wollen wir tätig sein.

 

Herr, geh‘ mit uns

und lass uns nicht allein,

lass uns dein Wort

und dein Beispiel bewahren,

in der Gemeinde deine Kraft erfahren,

lass uns wie Schwestern

und Brüder sein.

 

Herr, sende uns,

lass uns dein Segen sein,

lass uns versuchen, zu helfen, zu heilen

und unser Leben wie das Brot zu teilen;

lass uns ein Segen sein.

(Aus: Lothar Zenetti, Texte der Zuversicht, München 1972, S. 293)


Alte Andachten


 „Groß sind die Werke des Herrn;

wer sie erforscht, hat Freude daran.“

(Psalm 111,2)

 

Keiner von uns konnte ahnen, dass dieser Sommer so ganz anders werden würde. Viele Urlaubspläne haben sich aufgrund von Corona in Luft aufgelöst. Und wenn wir dieses Jahr Urlaub machen, dann wird es wahrscheinlich ganz anders werden als sonst immer. Was macht das mit uns? Und wie gehen wir damit um?

Die Schriftstellerin Luise Rinser sagt: Krisen sind Angebote des Lebens, sich zu wandeln. Man braucht noch gar nicht zu wissen, was neu werden soll. Man muss nur bereit und zuversichtlich sein.

Statt auf das zu blicken, was nicht geht, sollten wir vielleicht unser Augenmerk auf das richten, was geht!

Auch wenn in diesem Jahr alles anders ist - es bleibt eine Zeit zum Seele baumeln lassen. Ich mag es, mir vorzustellen, wie meine Seele für ein paar Wochen faultiergleich an einem Ast baumelt.

 

Ich genieße es frei zu sein, mich innerlich wohl zu fühlen.

Ich habe jeden Morgen die Chance, neu anzufangen.

Dinge, die meinen Alltag sonst bestimmen, treten in den Hintergrund:

Probleme, mit denen ich mich herumschlage, geben für ein paar Momente nicht den Ton an.

Hektik gibt nicht den Takt vor.

Ich achte ganz bewusst auf die kleinen Dinge!

Ich genieße den Sommer, beobachte Vögel und Schmetterlinge, fühle den lauen Wind und die Sonnenstrahlen, ich rieche den Geruch des Sommers, ich lasse los und lasse mich ein, ich lasse zu, was mir begegnet, ich bin einfach da – gelassen –

Ich betrachte eine Blüte, sehe, wie fein sie strukturiert ist, wie ihre Blütenblätter angeordnet sind, wie einmalig und besonders ihre Farbe und ihr Duft ist.

Ich sehe ein Insekt, das auf der Blüte Platz nimmt, um Nektar aufzunehmen. Gleichzeitig bestäubt es die Blüte, so dass das leben weitergegeben wird.

Ich bewundere die Landschaft, ihre sanften Erhebungen, die sich abwechselnden Felder, einen Bach, der sich hindurchschlängelt.

Ich genieße das kurze Gespräch mit dem Nachbarn, freue mich an seiner freundlichen Geste, ich höre bewusst und dankbar die guten Worte meiner Mitmenschen. Ich kann nur staunen über alles, was mir auffällt, und je länger ich schaue und wahrnehme, umso mehr fällt mir auf!

Wie genial ist Gottes Schöpfung, wie herrlich ist die Welt, in der ich lebe, und wie wichtig ist es, all das ganz genau zu spüren. Wenn ich auf die vielen wunderbaren kleinen Dinge achte, dann geht mir auf, was das für ein Geschenk ist, das ich leben darf, dass ich all das erleben darf.

Nichts davon ist selbstverständlich.

„Groß sind die Werke des Herrn; wer sie erforscht, hat Freude daran.“

ich rieche den Geruch des Sommers, ich lasse los und lasse mich ein, ich lasse zu, was mir begegnet, ich bin einfach da – gelassen.

Ich wünsche Dir den Blick für die kleinen, und doch so besonderen Dinge. Ich wünsche Dir, dass du achtsam durch diesen Sommer gehst

und dass wir das Geschenk des Lebens miteinander feiern können!

 

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Segen


Ich wünsche dir,

dass es dir

von Zeit zu Zeit gelingt,

loszulassen und einfach

nur du selbst zu sein.

Einmal ein Mensch ohne Leistung

ohne Wenn und Aber

ohne Zeitdruck.

Vielleicht fällt es dir zuerst schwer

die Stille auszuhalten,

die dich plötzlich umgibt.

Möge es dir gelingen,

einfach nur zu sein

mit allem, was du bist,

und zu spüren:

Es ist gut so.



„Jesus sagt: Fürchte dich nicht! Du wirst von nun an keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.“ (Lukas 5,11)

 

Dieser Satz stammt aus dem Gleichnis vom Fischfang. Lukas erzählt in Kapitel 5, wie Jesus seine Freunde findet und beauftragt, mit ihm zusammen am Reich Gottes zu bauen. Mich berührt vieles an dieser Geschichte.

 

Sie beginnt mit Jesus und einer großen Menschenmenge auf der einen Seite. Und sie beginnt mit zwei leeren Booten auf der anderen Seite. Die Fischer am See Genezareth hatten die ganze Nacht hart gearbeitet und keinen einzigen Fisch gefangen. Die Boote sind leer.

 

Das stelle ich auch in den Kirchen meines Pfarrbereichs fest. Viele freie Plätze, nur wenige Menschen finden sich zusammen.

 

Müde sitzen die Fischer am Strand, frustriert und ausgelaugt von der Erfolglosigkeit ihres nächtlichen Tuns. Nun bleibt ihnen nur noch, mit den letzten Kräften, die ihnen geblieben sind, ihre Arbeit zu Ende zu bringen. Da kommt Jesus auf sie zu. Er gibt einen überraschenden Impuls: Nutzt eure Boote mal für etwas völlig anderes. Starrt nicht auf das, was nicht geht, sondern nehmt wahr, was gehen könnte! Durch seine Anregung ermutigt, wird eines der Fischerboote zur Kanzel, damit Jesus vom See aus zu den vielen Menschen sprechen kann, die sich versammelt haben.

 

Und dann noch ein Impuls, eine völlig widersinnige Idee: Fahrt jetzt noch einmal hinaus, wo es tief ist! Völlig aussichtslos, denken die Fischer. Das ist gegen jede Erfahrung. Das kann doch nichts bringen.

 

Genauso reagiere ich oft, wenn es darum geht, zu überlegen, was in unseren vielen Kirchen noch geschehen könnte. Das kann doch nichts werden! Das gab es noch nie!

 

Das geht nicht! Wo soll das hinführen?

 

"Weil du es sagst, will ich‘s tun", sagt Simon.

 

Ich höre heraus: ich selber muss nicht unbedingt einen Sinn in einer Idee erkennen. Ich kann einen Vorschlag für absolut daneben halten. Aber wenn ich Jesu Wort und Willen darin wahrnehme – dann will ich es auf sein Wort hin versuchen, so abstrus es mir auch vorkommt.

 

Tatsächlich: der Fang ist überreichlich. Die Netze reißen schier, die Fülle ist nicht zu bewältigen! Und dann kommen die Fischer im anderen Boot zu Hilfe.

 

Ob ich das im kirchlichen Alltag vergesse? Ob ich in der eigenen Gemeinde feststecke und gar nicht mehr sehe, dass da noch ganz viele andere unterwegs sind mit dem gleichen Ziel, Menschen für Jesus zu gewinnen. Da bin nicht nur ich auf dem Wasser, da sind noch so viele andere! Und es geht nicht darum, sie als Konkurrenten um die wenigen Fische zu sehen, sondern uns als Gemeinde und Gemeinschaft der Freunde Jesu zu erkennen, die sicher verschiedene Wege gehen, die aber einig sind in dem einen Ziel, die frohe Botschaft in die Welt zu senden, Menschen für Jesus zu gewinnen.

 

Ich bin nicht allein und du auch nicht! Wir sind Menschen, die für Jesus und seine Botschaft brennen! Und wir müssen es nicht allein schaffen! Da sind noch andere Boote unterwegs. Wir können winken, rufen, um Hilfe bitten, einladen.

 

Und wir können uns um Hilfe bitten lassen. Wir können mit anpacken. Wenn wir nur auf den eigenen Kirchturm starren, können wir die anderen nicht sehen. Wenn wir aber den Blick weiten, wenn wir uns öffnen füreinander, dann können wir alle nur gewinnen!

 

Und darum geht es Jesus: ums Gewinnen, nicht ums Fangen, nicht ums einheimsen, nicht ums Für sich selbst Behalten! „Fürchte dich nicht! Du wirst von nun an keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.“

 

Wer andere gewinnen will, der wird staunen über das, was möglich ist!

 

Kannst du noch staunen? Kannst du dich noch freuen über die tollen Ideen und Projekte in anderen Gemeinden? Bist du bereit, dein Boot in Bewegung zu setzen, um den anderen beizustehen?

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Psalm


Wie ein Traum wird es sein, wenn Gott uns befreit, wie in einem Traum.

 

Gerade noch haben wir Tränen geweint, doch jetzt sind wir überglücklich. Unser Mund kann wieder lachen, unsere Zunge wieder singen.

 

Wie ein Traum wird es sein, wenn Gott uns befreit, wie in einem Traum.

 

Überall erzählt man sich: Gott hat Großes getan. Ja Gott hat Großartiges getan, er hat unsere Traurigkeit in Freude verwandelt.

 

Wie ein Traum wird es sein, wenn Gott uns befreit, wie in einem Traum.

 

(nach Psalm 126)


„Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach:
Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
(1. Könige 19,7)

 

Elia hat schon einen langen Weg hinter sich. In diesem Moment, als er von dem Engel angesprochen wird, sitzt er in der Wüste und will sterben. Kurz zuvor hatte er Menschen einer anderen Religion getötet und nun wurde er deswegen verfolgt. Hinter ihm liegt eine Blutspur. Ein Wettstreit der Worte und der Machtbekundung endete in Gewalt und Elia war vorne mit dabei. Was ist da schiefgelaufen? Wo hat er die Ausfahrt verpasst? Er landet auf seiner Flucht in der Wüste, in der Einsamkeit. Er hat die Orientierung verloren. Er bittet um den Tod.

 

In dieser Situation schickt Gott einen Engel und richtet Elia wieder auf. Er schenkt ihm einen heilsamen Schlaf, Essen und Trinken und dann aufmunternde Worte: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!“ Elia bekommt eine Zukunft, Hoffnung und eine Perspektive.

 

Elia hat für Gott gekämpft und ist dabei zu weit gegangen. Er hat etwas gemacht, das eigentlich unverzeihlich ist. Aber Gott hat ihn für seine Arbeit auf der Welt gebraucht. Elia ist wie jeder Mensch: er macht sich schuldig, er bemerkt seine Schuld und leidet darunter, er ist nicht unbegrenzt belastbar. Elia hat Gott für einen kurzen Moment aus dem Blick verloren und sich gleich mit.

 

Auch wir machen uns Tag für Tag schuldig. Wir durchleben Wüstenzeiten, in denen wir nicht mehr wissen, wer wir sind, in denen wir einsam sind, wo wir die Orientierung verlieren. Eine Müdigkeit breitet sich dann aus, die in uns ist, die nichts mit unserem Alter zu tun hat. Manchmal haben wir Momente, in denen wir des Lebens Müde sind. Für manche geht diese Wüstenzeit bis zu dem Gedanken an den Tod. Ein Tod, der uns aus dieser Verzweiflung befreien könnte.

 

Aber es geht auch anders. Gott kennt unsere Schwächen und steht auf unserer Seite. Manchmal muss uns ein Engel wach rütteln und uns stärken, uns Kraft geben und eine Perspektive. Diese Perspektive kann uns Gott geben.

 

Krisenzeiten gibt es für uns alle. Manche Krisen betreffen uns persönlich, andere unsere ganze Gesellschaft. Auf wen vertrauen wir in einer Krise? Wie behalten wir unsere Kraft in einer Krise? Wie schaffen wir es, dass wir uns und andere in einer Krise stärken, Kraft geben und Orientierung? Wie müssen wir unser Zusammenleben gestalten, damit niemand auf der Strecke bleibt?

 

Gott gibt uns Antworten auf diese Fragen. Auf Gott zu vertrauen heißt, gestärkt, mit Kraft und Orientierung weiterzugehen, auch wenn eine Wüstenzeit hinter- oder vor uns liegt. So wünsche ich uns in unserer Krisenzeit ein besonnenes und geduldiges Herz.

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Gemeindepädagogin Sarah von Biela

Psalm



„Der Menschensohn ist gekommen,
zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“
(Lukas 19,10)

 

Wir alle machen Fehler. Eine Lüge führt zu nächsten. Eine Tat führt zur Nächsten. Etwas wird verschwiegen und das führt zu weiterem Schweigen. Wir haben die Wahl die Wahrheit zu sagen, eine Tat zu gestehen oder die Tatsachen auf den Tisch zu legen. Aber oft reden wir uns ein, dass wir diese Wahl nicht haben, dass es schlimmer wird, wenn wir diesen Kreislauf durchbrechen. Wir haben Angst, dass wir durch unser Handeln eine Freundschaft zerbrechen.

 

Was wäre, wenn wir es wagen würden? Wenn wir ehrlich wären, wenn wir das, was wir denken und fühlen, auf den Tisch legen würden?

 

Wir wären verletzlich, aber wir schenken unserem Gegenüber Vertrauen. Vertrauen in die Fähigkeit, Reue zu verstehen und zu vergeben.

 

Durch unsere Fehler fühlen sich Menschen verletzt, nicht wahrgenommen, hintergangen. Wir wollen durch Folgefehler versuchen diese Schuld zu verstecken. Wir haben Angst zuzugeben, dass wir eine Schuld auf uns geladen haben und dass wir für einen seelischen Schaden verantwortlich sind.

 

Was wäre, wenn wir den Fehler entdecken und nicht verstecken? Was wäre, wenn wir die Wahrheit sagen, die Tat gestehen und das Schweigen brechen? Was wäre, wenn wir ab heute das richtige tun?

 

Aber was ist, wenn wir uns verloren fühlen und keine Kraft haben, um das Richtige zu tun? Wir haben Angst vor Ablehnung und Rache.

 

In der Bibel steht: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Jesus ist für uns auf die Erde gekommen. Für jede*n von uns. Er will uns Kraft geben, uns den Rücken stärken und bei uns sein, wenn wir beschließen, anderen zu vertrauen und unseren Teufelskreis der Fehler zu durchbrechen.

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Gemeindepädagogin Sarah von Biela

Psalm



Gott sagt: Fürchte dich nicht! Ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein! (Jesaja 43,1)

 

Samuel Harfst hat ein Lied geschrieben, das mich tief berührt.
Die ersten Zeilen lauten:

 

Ist es nicht wunderbar, an diesem Tag zu sein?

Es ist ein Privileg, erachte es nicht als klein!

 

In der Tat: es ist ein Privileg, es ist wunderbar, zu sein, zu existieren. Und nicht nur das! Es ist ein Privileg, geliebt zu sein, gewollt zu sein, von Gott gesehen, von Gott geliebt zu sein. Die Alten nannten das Erwählung. Gott hat dich erwählt! Wir würden heute eher sagen: Gott hat dich ausgesucht. Du bist etwas ganz besonderes für ihn, so einzigartig und wunderbar, wie du bist.

 

Ist es nicht wunderbar, an diesem Tag zu sein?

Es ist ein Privileg, erachte es nicht als klein!

 

Dieses Privileg, von dem Samuel Harfst singt, ist unsere Menschenwürde. Sie macht uns aus. Sie zeichnet uns aus. Und sie ruft uns heraus: sie ruft uns heraus aus dem bloßen Existieren. Unsere Menschenwürde ist uns Auszeichnung und Verpflichtung!

 

Wenn ich als Mensch der Aufmerksamkeit Gottes würdig bin, wenn das meine Menschenwürde ist, dann ist völlig klar: Menschenwürde gilt nicht nur mir. Sie gilt jedem Menschen! Dem Flüchtlingskind, das unter menschenunwürdigen Bedingungen in einem Flüchtlingslager in der Türkei oder in Griechenland oder im Libanon oder in Lybien dahinvegetieren muss, ohne ausreichende Versorgung, voller Angst davor, ob es den nächsten Tag übersteht;

 

Menschenwürde gebührt dem jungen Schwarzen in Amerika, der sich nicht sicher sein kann, ob er gleich in eine Polizeikontrolle gerät, bloß weil seine Hautfarbe dunkel ist; und der Angst haben muss, von gewaltbereiten, rassistisch denkenden Polizisten um sein Leben gebracht zu werden;

 

Menschenwürde gebührt jedem Menschenkind auf dieser Welt, das gerade gequält, misshandelt, sexuell ausgebeutet wird und sich nicht dagegen wehren kann.

 

Menschenwürde – die Würde die Gott jedem Geschöpf auf dieser Erde gibt, einfach so aus seiner unendlichen großzügigen, weitherzigen Liebe heraus – gilt allen.

 

Das ist nicht bloße Theorie; das will konkret werden. Das ist ansteckend. Wenn ich von Gott so privilegiert bin, dann kann ich gar nicht anders. Ich muss das weitergeben.

 

Und deshalb bin ich aufgerufen, für die Menschenwürde einzutreten, für sie aufzustehen, für sie aktiv zu werden.

 

Es treibt mir die Schamesröte ins Gesicht, wie gleichgültig, wie behäbig wir sind! Ich kann nicht ruhig schlafen, mich macht es verrückt, wenn ich an all die getretenen, geplagten, vernachlässigten Menschen auf dieser Erde denke. Es dreht mir das Herz im Leib herum, auch wenn sie gerade keine Schlagzeile in den Medien wert zu sein scheinen – noch nicht einmal das!

 

Wenn es für mich ein Privileg ist, auf dieser Welt zu sein, dann ist es umso mehr mein Privileg, und meine verdammte Christenpflicht und Schuldigkeit, für die zu sprechen, deren Menschenwürde missachtet wird!

Das Wort aus dem Jesajabuch sagt mir: 'Gott glaubt an dich!' Und er tut auch heute noch Wunder, Stunde um Stunde, Tag für Tag!

Wo kannst du heute ein Wunder tun im Namen der Menschenwürde? Wo kannst du heute dafür sorgen, dass die nicht vergessen werden, die nicht für sich selber sprechen können?

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Glaubensbekenntnis


Ich glaube an Gott, der die Welt nicht fertig geschaffen hat wie ein Ding, das immer so bleiben muss;

der nicht nach ewigen Gesetzen regiert, die unabänderlich gelten

nicht nach natürlichen Ordnungen von Armen und Reichen,

Sachverständigen und Uninformierten,

Herrschenden und Ausgelieferten,

 

Ich glaube an Gott,

der den Widerspruch des Lebendigen will und die Veränderung aller Zustände, durch unsere Arbeit, durch unsere Politik.

 

Ich glaube an Jesus Christus, der recht hatte, als er - ein einzelner, der nichts machen kann - genau wie wir, an der Veränderung aller Zustände arbeitete, und darüber zugrunde ging.

An ihm messend erkenne ich, wie unsere Intelligenz verkrüppelt, unsere Phantasie erstickt, unsere Anstrengung vertan ist,

weil wir nicht leben wie er lebte!

 

Jeden Tag habe ich Angst, dass er umsonst gestorben ist, weil er in unseren Kirchen verscharrt ist, weil wir seine Revolution verraten haben in Gehorsam und Angst vor den Behörden.

Ich glaube an Jesus Christus, der aufersteht in unser Leben dass wir frei werden von Vorurteilen und Anmaßung, von Angst und Hass; und seine Revolution weitertreiben auf sein Reich hin!

 

Ich glaube an den Geist, der mit Jesus in die Welt gekommen ist, an die Gemeinschaft aller Völker, und unsere Verantwortung für das, was aus unserer Erde wird: ein Tal voll Jammer Hunger und Gewalt oder die Stadt Gottes;

 

Ich glaube an den gerechten Frieden, der herstellbar ist, an die Möglichkeit eines sinnvollen Lebens für alle Menschen, an die Zukunft dieser Welt Gottes. Amen

 

(von Dorothee Sölle)


"Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen."

(Apostelgeschichte 4, 32- 37)

 

Nächstenliebe, kaum ein anderes Thema wird so eng in Verbindung mit dem christlichen Glauben gebracht. Damit gehen oft Erwartungen einher, denen kaum jemand gerecht werden kann. Immer nett. Immer freundlich. Immer auf das Beste für den Nächsten bedacht. Wenn man nach Nächstenliebe im Internet sucht, lauten die ersten zwei Ergebnisse: „Was ist christliche Nächstenliebe?“ und „Was ist das Doppelgebot der Liebe?“ Selbst für Google und die Algorithmen des Internets ist Nächstenliebe eng mit dem Christentum verbunden.

 

Der heutige Predigttext beschreibt das Ideal der Nächstenliebe anhand der Gemeinschaft der ersten Christ*innen. Lukas schreibt in der Apostelgeschichte, dass die ersten Christ*innen „ein Herz und eine Seele“ waren. Hierbei kommt dem ein oder anderen vielleicht eine Fernsehserie in den Sinn, die von weniger Harmonie geprägt war, als es die Redewendung nahelegte. Lukas bleibt nicht bei diesem harmonischen Bild, sondern seine Beschreibung geht sogar soweit, dass klar wird: Die Christ*innen lebten in einer Gütergemeinschaft. Doch bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Sprichwörter haben auch immer einen wahren Kern. So kann ich der idyllischen Harmonie von Lukas auch nicht so recht trauen. Später ist in der Apostelgeschichte zu lesen, dass doch nicht immer alles so harmonisch verlief. Und durchgesetzt hat sich diese Art der Gemeinschaft auch nicht. Das hat sicher seine Gründe.

 

Doch was machen wir nun mit diesen krassen Anforderungen? Das Thema des heutigen Sonntags lautet „Der Glaube im Alltag“. Den Glauben durch Nächstenliebe sichtbar machen. So könnte die Konsequenz aus den Beobachtungen bis jetzt lauten. Aber endet das nicht in unserer Überforderung? Was ist, wenn ich mal nicht gut drauf bin? Gar unfreundlich zu meinem Nächsten? Was ist, wenn ich mich selbst nicht liebe(n kann), wie soll ich dann meinen Nächsten lieben? Vergesse ich bei der ganzen Nächstenliebe auch manchmal mich selbst zu lieben? Sigmund Freud griff genau diese Fragen auf und formulierte, dass die Nächstenliebe in dieser absoluten Form „die stärkste Abwehr der menschlichen Aggression [ist]. Das Gebot ist undurchführbar.“

 

Ich denke nicht, dass das Gebot undurchführbar ist und dass unbedingte Harmonie Ausdruck dieser Liebe sein muss. Die Bibel erzählt von Erfahrungen, die Menschen mit Gott machten. Menschen mit all ihren Fehlern. Menschen in ihrer Unvollkommenheit. Selbst Jesus war nicht immer harmonisch. Als er zu dem sinkenden Petrus sagt: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“, kann ich darin auch nicht nur das geringste Zeichen der Nächstenliebe entdecken. Und so ist es. Manchmal sind wir enttäuscht, traurig, wütend oder einfach nur schlecht drauf. Das macht uns nicht zu schlechten Christ*innen, sondern zu Menschen. Zu Menschen, die von Gott auch mit ihren Fehlern angenommen sind, denn „wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden“ (Röm 5,20).

 

Bleiben Sie behütet.

 

Gemeindepädagogin Ulrike Freihofer, Region Querfurt

Psalm


Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

 

Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

 

Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

 

Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

 

Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

 

Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.

 

Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

 

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.

 

Wohl dem, der auf ihn trauet!

 

Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!

 

Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

 

Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

 

Psalm 34, 2-11


"Gott ist die Liebe.

Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (1. Johannes 4,16)

 

Am Sonntag feiern wir Trinitatis, das Fest der Dreifaltigkeit Gottes. Warum tun wir das, und worum geht es bei diesem Fest? Für mich geht es um die Liebesgeschichte Gottes mit uns Menschen.

 

Gott liebt die Welt, sonst hätte er sie nicht geschaffen. Und er liebt die Menschen, also uns, dich und mich. Wir sind seine Geschöpfe. Als Schöpfer ist er Gott über mir.

 

Zugleich ist Gottes Liebe so groß, dass er in Jesus zur Welt kommt. In Jesus verschenkt er sich an uns, er hält nichts zurück, selbst das Leben seines Sohnes nicht. Als Liebender ist er Gott neben mir und mit mir.

 

Gottes Liebe ist noch größer, er sendet den Heiligen Geist. Weil er mit uns verbunden sein will. Weil er in unserer Nähe sein will. Als Heiliger Geist ist er Gott in mir.

 

Trinitatis bringt mich zum Staunen über diesen großen Gott! Er macht sich die Mühe, mich wichtig zu finden! Er macht sich die Mühe, mich zu beschenken mit seiner Liebe! Dieser unendliche große Gott nimmt sich meiner an, er sieht mich! Vor Gott bin ich jemand! Ich bin nicht nebensächlich im weiten Weltall, ich brauche mich niemals unter Wert zu verkaufen.

 

Ich habe eine Würde, weil der liebende Gott sich so um mich müht. Und das hat Folgen: ich behandele andere mit derselben Würde.

 

Die Liebe Gottes ist nicht bloße Theorie; sie ist eine begeisternde Praxis. Sie steckt an. Wenn ich ein geliebter Mensch Gottes bin, dann kann ich gar nicht anders, als diese Liebe weiter zu geben. Die Liebe begeistert mich, sie versetzt mich in Bewegung, in Schwung.

 

An Trinitatis feiere ich den von Liebe bewegten Gott, der mich zur Liebe bewegt. Dieser Gott, der die Liebe ist, ist alles andere als starr oder unbeweglich, oder festgefügt. Er ist dynamisch, er verändert sich, er will in Gemeinschaft und im Gespräch sein.

 

Gott will und kann nicht bei sich bleiben, sondern er will bei uns sein.

 

Wenn ich an den dreieinigen Gott glaube, dann macht das meinen Glauben ein Stück weit persönlicher. Es bringt mich Gott näher. Ich spüre den Vater, der mich liebt, der mir vergibt und der mich behütet. Ich spüre Jesus, der mich versteht, der mich kennt und der mich so liebt, wie ich bin. Ich spüre den liebenden Geist Gottes, der mich hoffen lässt, der mich stärkt, der mir Zuversicht gibt.

 

Ich bin nicht allein, ich stehe in der Gemeinschaft der Kirche, eine Gemeinschaft, die wichtiger ist, als es viele merken. Ich habe immer einen Ort und Menschen, wohin ich gehen kann.

 

Die Kirche ist vielfältig. Genau wie der christliche Glaube vielfältig ist und bunt und immer in Bewegung. Weil Gott selbst in sich bunt und lebendig und vielfältig ist.

 

Magst du dir Gottes Liebe schenken lassen? Und wem willst du sie weiterschenken?

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Psalm


Auf dich vertraue ich.

Ich habe es gehört: Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt! Harre des Herrn!

 

Du hörst mein Rufen. Du verstehst mein Seufzen.

Tief im Herzen weiß ich:

Dich suchen und dich finden, das ist es, was ich brauche.

 

Deine Stimme möchte ich hören,

von Angesicht zu Angesicht dir begegnen.

Nichts soll zwischen dir und mir sein.

 

Zeige mir den rechten Weg.

 

Ebne du die Straße durch diese Zeit.

Bewahre mich in den Engpässen und in den vielen Gefahren des Lebens.

 

Hätte ich keine Hoffnung, und wärest du nicht mein Ziel,

was bliebe mir dann?

Nun aber bin ich voll Zuversicht, deine Güte zu erleben.

 

Auf dich vertraue ich.

Ich habe es gehört: Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt! Harre des Herrn!

 

(nach Psalm 27)


"Alle Jünger wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt

und fingen an, in fremden Sprachen zu reden.

Die Menge kam zusammen. Fassungslos hörte jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden.

„Wie ist das möglich?“ riefen sie."

(Apostelgeschichte 2, 4-8)

 

Das klingt zu schön, um wahr zu sein: Menschen verstehen einander. Obwohl sie verschiedene Sprachen sprechen.

 

Meine Alltagserfahrung ist eine andere: obwohl wir dieselbe Sprache sprechen, reden wir doch häufig aneinander vorbei. Es gelingt mir nicht, den richtigen Ton zu treffen. Meine Worte kommen beim anderen nicht an. Dass wir die gleiche Sprache sprechen, heißt noch lange nicht, dass wir uns auch verstehen.

 

Viel zu oft bin ich im Gespräch abgelenkt und unkonzentriert, ich bin in Gedanken mit mir selbst beschäftigt, ich höre nur mit halbem Ohr zu und feile innerlich bereits an meinem nächsten Argument. Wenn meine Aufmerksamkeit nicht bei meinem Gesprächspartner ist, dann überhöre ich ganz schnell die Frage oder das Anliegen des anderen. Ich ziehe voreilige Schlüsse, ich reagiere zu schnell, will immer die passende Antwort parat haben, will unbedingt etwas loswerden. Missverständnisse häufen sich, wir reden aneinander vorbei, geraten vielleicht sogar in Streit.

 

Wir verstehen uns einfach nicht.

 

Kann es das geben, wovon die Pfingstgeschichte erzählt?

 

Gibt es eine Sprache, die wir lernen können, damit wir uns besser verstehen? Ich meine jetzt nicht Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Russisch. Es geht nicht um Vokabeltraining, sondern um die Art, wie wir miteinander sprechen.

 

Ich wünsche mir in jedem Gespräch, in jeder Diskussion ein Pfingstwunder! Einen anderen, einen neuen Geist, um so zu sprechen, dass andere mich verstehen.

 

Was müsste das für ein Geist sein? Jedenfalls kein überheblicher Geist, so nach dem Motto: ich weiß es besser, meine Idee ist die richtige, ich habe Recht!

 

Ich glaube, das Pfingstwunder beginnt da, wo ich dir auf Augenhöhe begegne. Der Geist von Pfingsten weht da, wo ich vor allem Sprechen erst einmal zuhöre, wo ich nicht gleich jedes Wort auf die Goldwaage lege, wo ich dir zuerst mein Wohlwollen und mein Verstehenwollen entgegen bringe.

 

Das Pfingstwunder beginnt mit meinem Willen, dich besser zu verstehen. Und diesen Willen schenkt mir Gott durch seinen Geist.

 

Ich bin sicher: Du verstehst mich, wir verstehen uns, wenn ich mich dir wirklich zuwende, wenn ich bereit bin, dir auch meine Schwäche zu zeigen, meine Verletzlichkeit, meine Sprachlosigkeit und mein Ringen um die richtigen Worte.

 

Pfingsten erzählt von gelingender Kommunikation. Es ist ein Wunder, wenn wir uns einander zuwenden, wenn wir aufmerksam und mitfühlend zuhören und uns wirklich verstehen.

 

Wen möchtest du heute verstehen? Wem wirst du dich heute achtsam zuwenden? Mit wem wirst du heute das Pfingstwunder neu erleben?

 

Es ist möglich, dass wir einander jeder in seiner eigenen Sprache reden hören und verstehen. Ich wünsche dir dein Pfingstwunder!

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Psalm


Gott ist der Gedanke, der mir neue Hoffnung gibt.

 

Gott ist der Ort, an dem ich in meiner Angst geborgen bin.

 

Gott ist die Kraft, die mich in meiner Furcht nicht fallen lässt.

 

Gott ist der gute Geist, mit einem Blick durchschaut er uns Menschen.

 

Gott ist der Gerechte, mit einem Fingerzeig trennt er die Guten von den Bösen.

 

Gott ist der Herr, seine Gerechtigkeit breitet sich aus über die ganze Erde.

 

(Psalm 11 nach Hüsch/ Seidel)


"GOTT SAGT: ICH WILL MEIN GESETZ IN IHN HERZ GEBEN UND IN IHREN SINN SCHREIBEN, UND SIE SOLLEN MEIN VOLK SEIN, UND ICH WILL IHR GOTT SEIN."

(Jeremia 31,33)

 

Fehlt dir Gott? Viele sagen heute: Nö - der fehlt mir nicht. Den kenn ich nicht. Gibt’s den überhaupt? Ist der nicht nur ein Hirngespinst?

 

Was fehlt dir? Dazu fällt vielen Menschen eine Menge ein: Ich bin einsam, ich fühle mich allein, ich habe niemanden zum Reden. Das Gefühl kennen viele von uns. Mein Freund, meine Freundin ist ausgezogen. Mit den Worten „Ich liebe dich nicht mehr“ ist die Tür ins Schloss gefallen und ich bin allein.

Oder ein geliebter Mensch ist gestorben. Der Platz, wo er immer gesessen hat, ist leer. Jeder Gegenstand, den er oder sie einmal berührt hat, erinnert mich an ihn oder an sie.

Die Düsternis, die sich manchmal im Leben ausbreitet, hat viele Namen.

Schicksalsschläge, Enttäuschungen, das sind Erfahrungen, die weh tun, und ich verstehe gut, wenn manch einer sagt: Jetzt fühle ich von Gott und der Welt verlassen. Ich nenne es meine Wüstenzeiten, wenn ich mich so fühle.

Manchmal kommt Gott einem so unverständlich vor. So fern. So abgehoben von der Realität. Und für viel zu viele ist Gott sowieso schon längst unbekannt verzogen. Keine Ahnung, wo er wohnt, sagen sie. Wie er heißt. Was er tut. Was er will.

 

Aber auch das andere gibt es. Wo ist und wer ist Gott? fragen Menschen. Sie suchen. Manchmal wissen sie gar nicht genau, was. Sie suchen. Wir suchen. Etwas, das einem den Sinn erklärt.

Da ist eine Sehnsucht tief in uns Menschen, ich bin sicher. Eine Sehnsucht, die Bruchstücke unseres Lebens wieder zusammenzufügen zu einem guten Ganzen.

Der Prophet Jeremia kennt diese Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Sinn. Die Sehnsucht nach dem nächsten Schritt. Die Sehnsucht nach etwas Neuem. Von einem neuen Bund spricht Jeremia. Und er meint keine Buchstaben, keine Vorschriften, nichts Eingetrichtertes. Er meint etwas, das im Herzen passiert.

 

Ich will mein Gesetz in euer Herz geben und in euren Sinn schreiben, und ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

 

Gott will, dass du lebst!

Gott will bei dir wohnen, ganz nah, in deinem Herzen, bei dir.

Das Gesetz im Herzen! Geboren aus der Liebe zwischen Gott und Mensch. Und diese Liebe umfasst alles: das Unglückliche, das Kaputte, genauso wie das Glückliche, Schöne.

 

Gott will, dass du lebst!

Er bindet dich ein in seine Liebe und lässt dich deshalb los. Zärtlich liebt sich Gott in dein Herz hinein, damit du in die Welt hinaus gehen kannst. Stark. Damit du Bündnisse für das Leben schließt. Für das Leben und gegen den ganzen Irrsinn der tobenden Welt. Für das Leben, für die Schöpfung, für eine Welt, die niemandem gehört, für die aber jeder verantwortlich ist!

 

Gott will, dass du lebst!

Er macht dich achtsam dafür, wie du mitten im Durcheinander neue Anfänge finden kannst.

Gott liebt sich in dein Herz, damit du in die Welt gehst und Bündnisse für das Leben kreierst. Bündnisse mit Perspektive und Horizont. Damit kein Mensch mehr sagen muss: Gott fehlt. Mir. In dieser Stadt. In diesem Land. In dieser Welt.

 

Sondern, im Gegenteil, wo das Herz erkennt: Gott wohnt hier. Mitten unter uns.

 

Gott will, dass du lebst!

Er liebt sich in dein Herz. Das bringt dich in Bewegung.

 

Wo finde ich, wo findest du Bündnispartner für das Leben? Wo kann ich, wo kannst du heute anfangen, für die Schöpfung und für den Frieden zu arbeiten?

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

PSALM


Halte uns fest, Herr. Denn wir halten fest an dir.

 

Du hast dich zu uns geneigt, und wir kennen nichts Besseres als dich.

 

Einige hören auf dich. Auf sie wollen wir achten.

 

Andere nennen deinen Namen, aber sie meinen sich selbst.

 

Das verschließt uns den Mund: Wir können von ihnen nichts lernen.

 

Der Herr ist unser bestes Teil. Er gibt uns, was wir brauchen.

 

Vor ihm wollen wir fröhlich sein.

 

Er sprach uns frei. Tagsüber lobt ihn unser Lied und des Nachts der Schlag unserer Herzen.

 

Wir haben ihn stets vor Augen. Er steht uns bei. Wir kommen nicht zu Fall.

 

Unsere Straße führt in offenes Land, in welchem die Freude lacht.

 

Du zeigst uns den Weg zum Leben.

 

(Psalm 16)


"SIE ALLE HIELTEN EINMÜTIG FEST AM GEBET"

(Apostelgeschichte 1, 14a)

 

Vor 156 Tagen feierten wir die Geburt von Jesus Christus. Ein wichtiger Tag in unserem Leben. Einer der wichtigsten. Ein Tag der Familie und der Geschenke, denn Gott schenkte uns seinen Sohn. Aber dieser Tag ist nur der Anfang. Der Anfang unserer Erlösung.

 

Vor 42 Tagen erlebten wir den Kreuzweg Jesu mit, bis hin zur Kreuzigung und dem Tod von Jesus Christus. Ein Tag der Trauer, vor allem für seine Freunde, die dabei waren. Alles schien verloren. Ihr Retter, der Messias, war tot und mit ihm gingen unsere Sünden.

 

Vor 40 Tagen dann das Wunder. Ostern. Der Herr, Jesus Christus, ist auferstanden. Mit der Auferstehung schenkte uns Gott unsere Erlösung. Wir brauchen keine Angst zu haben vor dem Tod. Die Jünger konnten es kaum glauben.

 

Seit dieser Zeit begegnete Jesus seinen Freunden immer wieder. Dann wussten sie: Jesus lebt. Er ist bei uns. Sie erlebten eine intensive österliche Zeit der Freude, weil sie Zeugen waren, von dem Wunder der Auferstehung Jesu.

 

Und heute feiern wir Jesu Himmelfahrt. Ein fröhlicher Tag, weil Jesus zu seinem Vater in den Himmel zurückkehren kann. Ein trauriger Tag für die Jünger, denn sie verlieren Jesus schon wieder, obwohl sie gerade so guter Stimmung waren, weil er den Tod besiegt hatte und bei ihnen war.

 

Abschied nehmen … das fällt vielen Menschen schwer.

 

Oft geben wir uns das Versprechen, dass wir uns wiedersehen, um den Schmerz zu lindern. Und auch Jesus gab den Jüngern ein Versprechen: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen!

 

Wir küssen und umarmen uns zum Abschied, um uns unsere Zuneigung und Liebe zu zeigen, um den Abschied leichter zu machen. Auch Jesus verabschiedet sich mit dem Zeichen seiner Liebe. Er segnet die Jünger, bevor er auffährt in den Himmel.

 

Und wir versichern uns, dass wir aneinander denken wollen, während wir uns nicht sehen, wir wollen uns oft schreiben oder telefonieren und von unseren Erlebnissen erzählen. Und auch Jesus gibt den Jüngern den Auftrag zu erzählen von dem, was sie mit ihm erlebt haben.

 

Und so sehen sie zu, wie Jesus vor ihren Augen auffährt in den Himmel. Und wieder beginnt für sie eine unsichere Zeit des Wartens. Jesus hat ihnen versprochen den Heiligen Geist zu schicken. Nun warten sie darauf. Sie blieben in dieser unsicheren Zeit zusammen und sie alle hielten einmütig fest am Gebet.

 

Jesu Himmelfahrt ist der Anfang der Apostelgeschichte und sie ist der Anfang der christlichen Gemeinschaft. Der Anfang beginnt mit einem Abschied und Warten. Wir wissen, dass wir in 10 Tagen Pfingsten feiern werden, dass das Warten an diesem Tag für die Jünger Jesu endet. Deshalb können wir heute feiern!

 

Und wir alle halten einmütig fest am Gebet. Amen.

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Gemeindepädagogin Sarah von Biela

Segen


Gottes Himmel geht über uns auf.

 

Gottes Himmel geht auf uns über.

 

Gottes Himmel ist immer und überall da.

 

Er ist in mir.

 

Er ist um mich herum.

 

Er ist unter mir.

 

Er ist über mir.

 

Gottes Himmel ist immer und überall da.

 

Amen.


"DER HERR IST MEIN LICHT UND MEIN HEIL, VOR WEM SOLLTE ICH MICH FÜRCHTEN?"

(Psalm 27)

 

Da denke ich sofort an Gottes erstes Schöpfungswort: „Es werde Licht!“ Gott hat das Licht geschaffen. Ohne Licht wäre ein Leben auf unserem Planeten nicht möglich. Dieser Tatsache sind wir uns nur selten bewusst.

 

Ich denke an meine so geliebte Ostermorgenandacht um 6 Uhr. Wenn ich in der Kirche ankomme ist es dunkel, duster, grau, verhangen. Wenn wir das Osterlicht hereinholen und einander das Licht weitergeben, wird es immer heller, immer klarer um uns herum. Aus Schatten werden Menschen in deren freundliche, strahlende Gesichter ich schauen kann.

 

Eine meiner tiefsten Erfahrungen machte ich in einem Museum in den Niederlanden, das Blinde für Sehende eingerichtet haben. Sie nahmen uns an der Hand und führten uns ins Dunkel. Wir sahen nicht einmal mehr die sprichwörtliche Hand vor Augen. Nichts. Alles Schwarz. Mich überfiel totale Unsicherheit. Ich tappte und tastete. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich Vertrauen fasste. Ich hörte die Stimme meiner Begleiterin neben mir. Sie machte mich aufmerksam auf Geräusche. Sie wies mich auf unterschiedliche Bodenbeläge hin. Eine ganz neue Welt der Wahrnehmung tat sich mir auf. Und doch war ich unendlich froh, als ich wieder im Licht war. Es ist so selbstverständlich geworden, dass wir jeder Zeit und überall Licht haben. Der Griff zum Lichtschalter reicht, damit es hell wird und auf den Straßen leuchten so viele Lichter, dass die Sterne am Himmel kaum noch eine Chance haben, gesehen und bewundert zu werden. Ich werde die Erfahrung in dem Museum nie vergessen, wie hilflos ich ohne Licht im Dunkeln war.

 

Der Herr ist mein Licht und mein Heil.

 

Mir fällt ein, was Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ An Jesus können wir in der Welt Gottes Licht erkennen. In Jesu Reden und Handeln, scheint das Licht Gottes in die Welt hinein. Er erzählt von Gottes Liebe, die auch denen gilt, die Schuld auf sich geladen haben. Er heilt Kranke und eröffnet ihnen damit eine neue Zukunft. Er kann sich sogar dem Tod in den Weg stellen. Wer sein Leben an ihm orientiert, der tappt nicht mehr im Dunkeln, sondern hat das Licht des Lebens und das ist zum Weitergeben. Göttliches Licht überträgt sich. Wer sich von Gottes Licht erleuchtet weiß, strahlt selber. Und solche Lichtgestalten, die machen es in meinem Leben hell. Ich bin dankbar dafür, wenn ich das erlebe, wenn so etwas Helles aufblitzt: ein Lächeln, ein paar freundliche Worte von den Nachbarn gegenüber, ein Scherz der Kassiererin im Supermarkt. Da nimmt mich einer Wahr. Da hat ein Mensch Verständnis für mich. Da ist einer freundlich zu mir. Da strahlt eine einfach gute Laune aus. Und es berührt mich. Es lässt ein warmes Gefühl in meiner Seele zurück. Das Leben wird für einen Moment heller.

 

Ihr seid das Licht der Welt.

 

Das traut Jesus uns zu. Wo kann ich, wo kannst du heute mutig sein? Hoffnung ausstrahlen, jemanden stärken. Wo kann ich, wo kannst du der kleine Funke Hoffnung sein?

 

Ein Funke, kaum zu seh´n, entfacht doch helle Flammen. Und die im Dunkeln steh´n, die ruft der Schein zusammen. Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt, da wird die Welt von Licht erhellt. Da bleibt nichts, was uns trennt.

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

LIED


PSALM


Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

 

Der Herr ist meines Lebens Kraft;

vor wem sollte mir grauen?

 

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu betrachten.

 

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.

 

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und erhöre mich!

 

Mein Herz hält dir vor dein Wort:

»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

 

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf.

 

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde

die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

 

Harre des Herrn!

 

Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

 

(aus Psalm 27)


"SINGET DEM HERRN EIN NEUES LIED, DENN ER TUT WUNDER." (PSALM 98,1) 

 

Singet dem Herrn ein neues Lied. 

 

Heute feiern wir den Sonntag Kantate. „Singet“ so fordert diese Überschrift. Aber wir dürfen nicht. Zumindest nicht gemeinsam in unseren Gottesdiensten. Natürlich aus gutem Grund und doch ist es komisch. Dort, wo ab heute wieder Gottesdienst gefeiert wird, da passiert das unter strikten Auflagen. So haben wir noch nie gefeiert. Dieser Sonntag steht für die Freude an Gottes guter Schöpfung. Für den Dank für seine wunderbare Welt. Normalerweise wird das groß gefeiert – viel besungen. Alle Chöre sind auf den Beinen. Einer der fröhlichsten Gottesdienste im Kirchenjahr. Und dieses Jahr?

 

Singet dem Herrn ein neues Lied.

 

Die Welt war schon immer eine gebrochene, aber auch immer eine gerettete Welt, voller Wunder und Liebe, voller Freude und Hoffnung. Vielleicht heißt Danken und Loben gerade nicht nur Danken und Loben, wenn alles gut ist. Dieses Jahr mischt sich in das Lob Sorge, Ohnmacht und Ungewissheit. Da wird auch Klage sein im Gottesdienst, im Gebet zu Hause. Da werden Fragen stehen bleiben und der Mund sich nicht zum Gesang öffnen.

 

Und doch glaube ich, dass wir singen können. Neue Lieder, auf eine neue Art und Weise. Singen und loben, in all dem Lärm der Zeit mit ganz sanften Tönen, lautlos und doch voller Kraft. Anders, jeder auf seine eigene Art und Weise. Aber ja, lasst uns singen – in uns drin – in die Welt – heute singt das Herz, voll Vertrauen auf Gottes Wunder. Voller Dank dafür, was wir schon geschafft haben mit seiner Hilfe. Und wir haben viel geschafft. Lasst uns weiter machen, weiter glauben, weiter hoffen, weiter beten, weiter singen! 

 

Singet dem Herrn ein neues Lied.

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf

Lied


Psalm


Neue Lieder sollen wir singen, feiern das Fest der Befreiung. Gute Worte sollen wir finden, feiern das Fest der Erlösung.  Gelöste Tänze sollen wir tanzen, feiern das Fest der Errettung.

 

Der Herr unser Gott, hat an seinen Kindern Gefallen gefunden; denn sie stehen auf der Seite der Unterdrückten. Der Herr, unser Gott, hat an euch Gefallen gefunden, denn ihr sorgt für eine menschliche Zukunft.

 

Lobt den Herrn von den Enden der Erde;

lobt ihn aus eurer Einsamkeit,

lobt ihn aus eurer Ohnmacht,

lobt ihn aus eurer Freude.

 

Lobt ihn au eurer überschwänglichen Liebe, lobt Gott, den Herrn, von der Erde bis zum Himmel; denn er ist Mensch geworden und zu uns hinabgestiegen, herunter gekommen zu uns, damit die Finsternis hell werde.

 

Lobt Gott in der Dunkelheit mit euren kleinen und großen Lichtern in der Welt. Lobt ihn mit alten Klängen und neuen Tönen, lobt ihn, mit allem, was ihr seid.

 

(Psalm 33 - nach Uwe Seidel)


„DEN FRIEDEN LASSE ICH EUCH, MEINEN FRIEDEN GEBE ICH EUCH. NICHT GEBE ICH EUCH, WIE DIE WELT GIBT.

EUER HERZ ERSCHRECKE NICHT UND FÜRCHTE SICH NICHT.“

(JOHANNES 14,27)

 

Ich bin 34 Jahre alt und als ich 1985 geboren wurde, lebte ich im damaligen „Westdeutschland“. Ich wuchs behütet auf, von den damaligen Konflikten bekam ich nicht viel mit, dafür war ich zu jung. In meiner Kindheit und Jugend fühlte ich mich sicher. Um mich war Frieden. Im Privaten und auch im größeren Kontext um mich herum. Ich durfte also die typischen Kindheits- und Jugenderfahrungen machen. Die Welt erforschen und verstehen. Spielen, lernen, lieben, geliebt werden. Erwachsen werden, Fehler machen, zu mir selbst finden. Wie schön, dass ich dafür Zeit hatte, weil Friede war.

 

Frieden. Ganz klassisch meint dieser Begriff, die Abwesenheit von Krieg. Der Friedensbegriff kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutete ursprünglich Schutz, Sicherheit. Frieden entlässt Gewalt und Waffen und schafft Heimat. 

 

Dieser Frieden ist aber nur die äußerliche Hülle von dem Frieden, den wir in der Bibel finden. Es ist nur die äußere Hülle von dem, was in mir Frieden schafft. „Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.“ So sagt es Jesus. Sein Frieden, den er verspricht, der ist ein anderer. Der ist mehr.  

 

So ist auch der Frieden, auf den ich als Christin warte, mehr als die Abwesenheit von Krieg. Im Moment erlebe ich Angst um den Frieden. Den äußeren Frieden, aber auch den Frieden in mir drin. Wir sind jetzt in einer komischen Übergangszeit angekommen. Nach Wochen der Isolation und des Rückzugs geht es nun weiter. Langsam, etwas ungeordnet und unterschiedlich an verschiedenen Orten in unserem Land. Wir können uns wieder bewegen, aber der Virus ist noch nicht besiegt. Wir müssen weiterhin vorsichtig sein. Rücksicht aufeinander nehmen. Und das wird nun mehr als vorher in der eigenen Verantwortung liegen. Da gibt es Streit und unterschiedliche Meinungen. Da wird es härter im Ton. Der Zusammenhalt wackelt.

 

Auch in den Kirchen. Wir dürfen wieder Gottesdienste feiern, aber mit strikten Auflagen. Aus gutem Grund. Manche verzichten dann lieber auf die Formate vor Ort, bleiben digital, im Gebet, in Gedanken verbunden. Andere wollen unbedingt wieder zusammenkommen, planen und versuchen, allen Vorsichtsmaßnahmen gerecht zu werden. Wieder anderen ist das alles zu viel und unnötig. Unterschiedlicher Umgang mit der Öffnung, mit der Verantwortung. Wer hat Recht, wer hat Unrecht? 

 

Ich glaube, gerade gibt es darauf keine Antwort. Um Frieden zu wahren, müssen wir uns in all der Unterschiedlichkeit annehmen und zusammenbleiben. Darauf hören, was entschieden wird, im Vertrauen darauf, dass es aus den richtigen Gründen entschieden wurde.  Nicht aufeinander wütend werden und uns beschweren. Sondern Zusammenhalt üben und Vertrauen. 

 

In den nächsten Wochen werden die Bundesländer unterschiedliche Regelungen haben, Kirchgemeinden unterschiedliche Angebote machen. Menschen unterschiedlich auf die wiedergewonnenen Freiheiten reagieren. Solange wir dabei mit Rücksicht aufeinander agieren, ist die Unterschiedlichkeit einfach ein Ausdruck davon, wie kompliziert es im Moment ist. Und es ist kompliziert. 

 

Ich glaube, den äußeren Frieden finden wir nur durch Wohlwollen und Akzeptanz in der Unterschiedlichkeit. Unterschiedlichkeit, die wohlgemerkt dem Leben und den Menschen, der Solidarität untereinander folgt. 

 

Den inneren Frieden finden wir aber nicht in Zeitungen, in Nachrichten, nicht in Verordnungen, nicht in Worten, nicht in Kirchen. Wir finden ihn in uns. Dort, wo Gott lebt. In unserem Herzen. Dort zu allererst. Und diese Begegnung ist auch in Corona Zeiten immer möglich gewesen. Nie abgebrochen, nie verboten gewesen. Dieser Ort ist immer zugänglich, ganz ohne Hygienemaßnahmen und Schutzvorschriften. 

 

So hoffe ich, dass wir diesen Ort aufsuchen in der nächsten Zeit. Um dort Frieden zu finden und diesen dann weiter geben zu können. Denn das Frieden wird, liegt auch an uns. Und wir brauchen ihn so dringend.

 

Daher bitte ich dich Gott: Verleih uns Frieden gnädiglich. Amen

 

Ihre Pfrn. Jennifer Scherf

Psalm


Ich stehe unter Gottes Schutz.

Er lässt mich nicht ins Leere laufen und macht aus mir keinen Kriegsknecht. Sondern so wie ich bin, bin ich sein Mensch. Ich suchen den Frieden und will mich nicht ausruhen. Die Erde ist nicht hohl, sondern Gottes Herz.

 

Ich stehe unter Gottes Schutz.

Ich bin sein Fleisch und Blut und meine Tage sind von ihm gezählt. Er lehrt mich, den zu umarmen, dessen Tage ebenfalls gezählt sind und alle in die Arme zu nehmen. Weil wir die Trauer und die Freude teilen wollen, dass beide wie Leib und Seele zusammen sind

 

Ich stehe unter Gottes Schutz.

Ich weiß das seit geraumer Zeit. Er nahm den Gram und das Bittere aus meinem Wesen und machte mich fröhlich. Ich will hingehen alle anzustecken mit Freude und Freundlichkeit, auf dass die Erde Heimat wird für alle Welt. Durch seinen Frieden. Durch unseren Glauben.

 

Schalom (Frieden) in Dorf und Stadt!

 

(Nach Psalm 18 - Uwe Seidel)


26. April 2020

"DER HERR IST MEIN HIRTE, MIR WIRD NICHTS MANGELN."

(PSALM 23,1)

 

Dieser Vers ist wohl der bekannteste innerhalb der biblischen Psalmen. Psalm 23. Gerade die älteren Menschen können den Psalm fast alle auswendig, war er doch schließlich mal Auswendiglern-Repertoire in ihrer Konfirmandenzeit. Doch auch die Jüngeren wählen ihn immer gern mal wieder für Taufen aus, oder zu ihrer Konfirmation. Das tröstende Hirtenbild ist so vertraut. Jesus mit Lamm auf der Schulter oder mit Hirtenstab in der Hand. Auch das Wort „Pastor“ bedeutet „Hirte“ und ist damit mit einem bestimmten Leit- und Erwartungsbild verknüpft. Einem freundlichen, hilfsbereiten. Doch was ist es eigentlich, was diesen Begriff so positiv besetzt?

 

In der Bibel wird der gute Hirte als jemand beschrieben, der sich ganz mit seiner Aufgabe identifiziert. Das Wohl der Schafe, der Schutzbefohlenen bedeutet ihm alles. Gott selbst wird in Psalm 23 als guter Hirte beschrieben. Auch Jesus bezeichnet sich selbst als guter Hirte. Im Alten Testament erscheint der Begriff des Hirten bei vielen bekannte Personen. Jakob, Mose und viele Andere. Zunächst sind sie Schafhirten im eigentlichen Sinne, letztlich aber alle Hirten von Menschen - und sie alle erfüllen ihr Amt mit Liebe und Fürsorge. 

 

Mir ist aufgefallen, dass ich beim guten Hirten auch nicht an einen Berufsstand denke. Hirten kenne ich nämlich nicht einen, zumindest nicht im klassischen Sinn. Ich denke an Gott und ich denke dabei an viele Menschen. Menschen, die ich als „gute Hirten“, „gute Hirtin“ bezeichnen würde.  Menschen, die ich mit Bewunderung betrachte, die das, was sie tun, mit Begeisterung tun, mit aller nötigen Konsequenz, mit Herzblut. Menschen, die Fürsorge und Verantwortung tragen für das, was sie tun und mit wem sie es tun. Die nicht danach fragen, was das Leichteste ist, sondern was das Richtige ist.

 

Der Hirtenbegriff wird von Gott und Jesus selbst verwendet. Es ist also eine Zusage darin. Eine, die Vertrauen schaffen kann, Hoffnung und Kraft, wenn wir sie denn glauben können. Doch der Hirtenbegriff ist noch mehr. Eine Zusage und eine Aufgabe. Guter Hirte, gute Hirtin zu sein, liegt nämlich auch in meiner Hand. Schutzbefohlene, gerade heute gibt es so viele davon, überall. In unterschiedlichen Ländern, an unterschiedlichen Orten, mit unterschiedlichen Problemen und Anforderungen. Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen: Hunger, Schutz, Heilung, Heimat, aber auch einfach Einsame, Ängstliche und Kranke.

 

Das Hirtenamt ist nicht Fernes. Das ist nicht nur die Pfarrerin von nebenan. Das Hirtenamt führt meines Erachtens nach jeder und jede einzelne von uns aus. So wie jede/r einzelne von uns manchmal auch Schutzbefohlene/r ist. Jede/r trägt Fürsorge für andere, jede/r geht einer Tätigkeit nach, sei es als Mutter oder Vater, als Bruder oder Schwester, als Ärztin oder Pfleger, als Verkäufer oder Lehrerin, Musikerin oder Künstler, als Freund oder Freundin. 

 

Vielleicht ist heute ein Tag, an dem ich einen Hirten oder eine Hirtin in meinem Leben brauche. Vielleicht bin ich heute sogar schon einem solchen Menschen begegnet. Vielleicht ist heute aber auch ein Tag, an dem ich ein Hirte oder eine Hirtin für andere sein kann. Möglichkeiten haben wir ja im Moment viele. Ich kann mich also auf den Weg machen voller Zuversicht. Denn ich weiß ja,  „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf

Psalm


Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit

werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben

im Hause des HERRN immerdar.

 

(Psalm 23)


20. April 2020

„ALLES HAT SEINE ZEIT“

(KOHELET 3,1)

 

Die Tage werden wieder länger, die Blumen beginnen zu blühen. Die ersten weißen Schneeglöckchen, Tulpen und Narzissen – und die Bäume sind wieder grün. Es wird bunt, ich sehe und rieche es. Ein Wechsel findet statt: die Sonne kommt heraus und das ganze Gemüt freut sich und wird leichter. Zeit für den Frühling mit Blick Richtung Sommer. Eine schöne Zeit: hell, bunt, fröhlich. 

 

Und das während dieser so verrückten Zeit in unserem Leben. Alles stagniert, alles ist anders als gewohnt. Die Geschäfte sind geschlossen, die Kindergärten und Schulen zu. Die meisten arbeiten von zu Hause aus, oder zumindest anders als bisher. Manch einer kann gar nicht mehr arbeiten. In den Kirchen gibt es keine Veranstaltungen mehr, nicht mal Gottesdienste. 

 

Stagnation in unserem Alltag. Und um uns herum wächst und blüht das Leben. Was für ein Widerspruch. Das scheint so unpassend.

 

Und doch ich spüre, wie es mich mitreißt, dieses Wachsen und Blühen. Die Ängste und Sorgen sind nur halb so groß, wenn die Sonne scheint, mich Wärme umgibt und soviel Farbe zu sehen ist. 

 

So ist das manchmal mit unserem Leben und den Zeiten darin. Zeiten liegen oft nicht nur nebeneinander, nein, sie liegen aufeinander, übereinander. Freude und Leid ganz nah zusammen, Neues und Altes nicht steril getrennt, sondern gemischt. Angst und Hoffnung, Trauer und Frohsinn, Sorge und Leichtigkeit. Manchmal fühlen wir alles auf einmal. Und das ist erschreckend und doch auch gut so. 

 

„Alles hat seine Zeit." Meistens hören wir diese Worte ja zu Unzeiten in unserem Leben. Wenn irgendetwas Schlimmes versucht wird, zu verstehen, oder wenn wir in Trauer sind. Dann sagt uns jemand diese Worte oder wir denken sie selbst. Ich spreche diese Worte oft bei Beerdigungen aber nie bei einer Taufe oder einer Trauung. Warum eigentlich? „Alles hat seine Zeit“ ist ja gar nichts Negatives. Es ist vielmehr eine Tatsache, an der wir nicht rütteln können. Aber das bedeutet eben auch, dass es die schönen Seiten des Lebens gibt, Zeiten voller Liebe, Zuwendung und Leben. Und das heißt manchmal auch, dass es verrückte Zeiten gibt, in denen plötzlich alle Gefühle auf einmal da sind. So wie jetzt.

 

Vieles stirbt täglich in unserem Leben - und vieles wird täglich neu in unserem Leben. Und gerade geschehen dieser Tod und diese Auferstehung zeitgleich. 

 

„Alles hat seine Zeit.“ Ich fülle diesen Satz heute mit Hoffnung. Und ich weiß, dass der Frühling, der mich umgibt, das Leben mit sich bringt. Ich spüre weiterhin diese sorgenvollen Gefühle in mir, doch ich spüre auch etwas anderes. Ich sehe mich um und sehe Gemeinschaft trotz Distanz, Vertrauen trotz Veränderung, Hoffnung trotz der Ängste, Zusammenhalt trotz der Streitigkeiten. Gott sei Dank. „Alles hat seine Zeit“. 

 

Gott segne uns alle. Amen

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf

Lied


Psalm


Du, Herr, kommst uns entgegen aus dem Tod zum Leben.

 

Du ist bei uns alle Tage und hilfst und in allen Zeiten. Ein Mensch den Menschen, ein König den Herrschenden. Ein Leidender den Kranken, ein Träumender den Hoffenden.

 

Du, Herr, kommst uns entgegen aus dem Tod zum Leben.

 

Die Unmündigen berührst du und sie tun ihren Mund auf gegen den Tod. Wir rufen, und du hilfst uns Tag und Nacht, wir schreien und du lässt uns nicht im Stich. Ein Mensch den Menschen, ein König den Herrschenden. Ein Leidender den Kranken, ein Träumender den Hoffenden.

 

Du, Herr, kommst uns entgegen aus dem Tod zum Leben.

 

(Psalm 21 - nach Uwe Seidel)


OSTERSONNTAG 12.04.2020

Küss mir den Tau vom müden Auge

Der Ostermorgen ist da

Die Tränen von Zorn und Wut 

und Ohnmacht und Schmerz,

sie sind dem Schlaf gewichen.

Dem kalte Hauch des Todes gleich

Angehalten - ausgehalten eine Nacht -

birgt nun hoffnungsvoll den Tau des Lebens.

Und nun küss ihn mir ab, den Tau voller Lichter,

dann kann mein Auge sehen.

Zeit und Stunde zu erleben,

in der Christus von den Toten erstanden ist.

Gott, küss uns die müden Augen wach!

 

Auferstehung das findet bis heute statt, jeden Tag. Ostern setzt uns auf den Weg. Erinnert uns, dass nach Tod Leben möglich ist. Im übertragenen Sinne und im wörtlichen, das glaube ich als Christ/In. Ostern, das heißt aufbrechen, aufstehen, auferstehen, weggehen, loslassen, aber auch einkehren, heimkehren, finden und hoffen.

 

Tod findet statt nach dem Leben und manchmal auch mitten im Leben. Lebendig, aber als sei ein Leichentuch über das Leben gelegt. Begraben unter Sorgen, Trauer, Krankheit. Tod nach dem Leben und manchmal auch mitten im Leben.

 

Und dann: Auferstehung findet statt, nach dem Tod und manchmal mitten im Leben. Neue Sicht, neue Freude, neue Menschen, neue Hände die mir gereicht werden. Ein Lied. Eine Hoffnung. Eine Gewissheit. Auferstehung findet statt, nach dem Tod und manchmal mitten im Leben.

 

Mit der Osterbotschaft verlassen wir den statischen und sicheren Standpunkt des Glaubens und begeben uns in einen dynamischen Prozess des Glaubens hinein. Ein Unterwegssein, ein suchen, ein Glauben auf Hoffnung hin. In dieses stete Suchen mischt sich Freude und Furcht. Wie bei den Frauen, die zu Jesu Grab kamen und ihn nicht fanden. Angst und Furcht: Denn es ist unerhört/unglaublich was da geschieht und wundervoll. 

 

Wir müssen keine Totenwächter eines leeren Grabes bleiben, wir können Zeugen der Auferstehung und der österlichen Sonne werden. 

 

Küss mir den Tau vom müden Auge

Der Ostermorgen ist da. Halleluja