Andacht zur Woche


„Ost und West erfüllst du mit Jubel"

(Psalm 65,9) 

Ost und West erfüllst du mit Jubel – diese Worte aus Psalm 65 scheinen mir wie geschaffen für die Ereignisse, die vor 30 Jahren zum Fall der Mauer und zur Deutschen Einheit führten.

In den Achtzigerjahren war die Kirche für Viele in der DDR zum Sprachraum der Freiheit geworden. Gespräche, Diskussionen, Andachten, Friedensgebete wurden eine Quelle der Ermutigung, den Widerstand nicht nur heimlich hinter verschlossenen Türen zu äußern, sondern auf die Straße hinauszutragen.

Christian Führer, damals Pfarrer an der Leipziger Nikolaikirche, beschrieb es so: „9. Oktober 1989, Leipzig. Keine Gewalt. Ein Wunder biblischen Ausmaßes. Und wir sind dabei gewesen!“

Ost und West erfüllst du mit Jubel! Ich war von Jubel erfüllt, ich konnte es kaum fassen, dass dieses Wunder wirklich geschah. Als am 3. Oktober 1990 die Einheit beschlossen wurde, kannte mein Jubel keine Grenzen. Jetzt war es zu Ende, dieses Unrechtsregime, mit seiner Schikane und Kontrolle, mit der Dauerüberwachung durch die Stasi, mit der Gewalt gegen Andersdenkende.

Es schien wirklich Grund zum Jubeln in Ost und West. Die Mächtigen schienen für einen Moment das Krieg führen verlernt zu haben. Bis hin zum Stasioffizier, der gesagt haben soll: „Auf alles waren wir vorbereitet nur nicht auf Kerzen und Gebete.“

Was den Jubel zwischen Ost und West in mir dämpft, was mich wirklich traurig macht, ist, dass wir in der Kirche es nicht vermocht haben, diesen Sprachraum der Freiheit offen zu halten. Weite Teile unserer Bevölkerung sind dauerhaft entkirchlicht. Das schmerzt!

Ost und West erfüllst du mit Jubel! Der Psalmvers sieht Gott als Hoffnung aller Völker. Alles, was unter uns gewachsen ist, verdankt sich ihm und nicht unserer menschlichen Mühe, unserem Machen oder Entscheiden. Nicht wir haben es verdient, errungen, erarbeitet, sondern es ist uns geschenkt worden. Wenn ich so denke und bete, dann blicke ich über mich selbst hinaus. Aber ohne blind zu sein für das, was um mich herum geschieht. Wenn ich so denke und bete, nehme ich mit meinem eigenen Leben Platz bei Gott.

Wenn Gott nicht präsent ist in meinem Leben, wird es dunkel am Horizont. Denn dann kann ich nichts über mein eigenes Leben hinaus erwarten. Hier und jetzt muss es gut gehen. Und wenn es nicht gut geht, dann versumpfe ich in der Klage über das, was fehlt. Ernüchterung macht sich breit, unzufrieden beschwere und beklage ich mich.

Ost und West erfüllst du mit Jubel! Gott macht fröhlich! Er ist der Muntermacher meines Lebens. Er macht mich zum „unverbesserlichen Optimisten“, wie Bonhoeffer sagt. 

Der Jubel, den Gott in mir weckt, mündet immer in Arbeit! Es bleibt genug zu tun, damit der Jubel sich ausbreiten, wachsen, Herzen froh und hell machen kann! Deshalb liegt auch die Einheit Deutschlands niemals hinter uns, sondern immer vor uns: in Deutschland, in Europa, ja in der ganzen Welt.

Es sind immer noch Grenzen zu überwinden, Flüchtlinge aufzunehmen, gerechte Verhältnisse zu schaffen, es sind Mauern einzureißen! Der Frieden, die Freiheit ist wieder gefährdet. Die Demokratie ist und bleibt eine mühsame Frucht.

Ost und West erfüllst du mit Jubel

Das könnte in diesen Tagen unser Gebet sein: Erfülle uns doch wieder mit Jubel in Ost und West. Erinnere uns doch an die Macht der Liebe. Lass Frieden und Freiheit groß werden in uns und um uns. Mach den Glauben stark in uns.

Der brasilianische Befreiungstheologe Hélder Câmara sagt: „Wenn einer alleine träumt ist es nur ein Traum, wenn viele diesen Traum miteinander träumen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“

 

Einen gesegneten Sonntag und eine behütete Woche wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Psalm 65 nach Peter Spangenberg

Im Gottesdienst bedeutet mir die Stille besonders viel.

Dann weiß ich: Gott hört, was wir beten.

Wir bringen viel mit, was uns quält,

und unsere Fehler machen uns

schwer zu schaffen.

Es ist dann eine Wohltat,

vor dem Altar zu sitzen,

nach innen zu horchen

und zu spüren, wie sehr Gott uns liebt.

Das macht innerlich reich

und gibt neuen Mut.

Gott nimmt in sich auf,

was wir ihm sagen.

Er gibt uns Erholung.

Das wissen und feiern Menschen

rund um den Erdball

von der Wüste bis an Meer.

Er hat die Entwicklung des Weltalls bestimmt,

hat Gebirge wachsen lassen,

hat das Spiel von Ebbe und Flut entworfen.

In allen Himmelsrichtungen gibt es Menschen,

die sich vor der Größe seiner Macht erschrecken

und gleichzeitig staunen über sein Werk.

Er krönt das Jahr mit seinem Gut,

und seine Spuren triefen von Segen.

Von Saat bis Ernte:

Alles trinkt von seinen Gaben,

alles wächst durch seinen Segen.

Er hat sich unserem Land zugewandt

und es mit seinen Gaben überschüttet.

Unsere gute Erde gibt her,

was er erlaubt und reich sind die Erträge, dass die Menschen singen

und tanzen vor Glück und Dank! 



Alte Andachten

„Darum setzt alles daran, dass zu eurem Glauben Charakterfestigkeit hinzukommt und zur Charakterfestigkeit Erkenntnis, zur Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Ehrfurcht vor Gott, zur Ehrfurcht vor Gott Liebe zu den Glaubensgeschwistern und darüber hinaus Liebe ´zu allen Menschen`.“

(2 Petr 1,5-7)

 

Liebe Gemeinden, nun ist es schon ein halbes Jahr, dass wir in dieser neuen und unbekannten Zeit leben. Eine Zeit der Pandemie. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas mal erlebe. Aber nun stecke ich mitten drin. Nun stecken wir mitten drin. Und es hört nicht auf. Als im März alles anders wurde, dachte ich, in drei Monaten ist es vorbei, dann kehren wir zurück zum Alltag, zur Arbeit, zu normalen Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen…

 

Nun, so ist es nicht gekommen. Diese neue Welt wird noch eine Weile neu bleiben und unbekannt und verrückt. So schnell kommt die Normalität nicht zurück. So schnell lässt sich der Virus nicht erforschen, nicht besiegen. Er lässt sich auch nicht ignorieren. Und ich werde ungeduldig. Ungeduld, das begegnet mir gerade so oft, in so vielen Gesprächen, in so vielen Gesichtern. Wann geht es wieder los? Wann sehen wir uns wieder? Wann endlich kein Abstand mehr? Einsamkeit, Wut, Angst vor dem Unbekannten, Ungewissheit. So viele dieser Gefühle begegnen mir jeden Tag. Und auch in mir spüre ich diese Unruhe. Ungeduld. 

 

Und dann kommt so ein Bibelwort wie aus dem 2. Petrusbrief gerade Recht. Ich habe es so dringend nötig. Manchmal brauche ich ein tröstendes Wort, manchmal einfach Ruhe und manchmal brauche ich ganz dringenden einen Appell, der mich daran erinnert, was mir guttut und was ich tun kann.

 

Unser Glaube steht nicht im luftleeren Raum und die Worte der Bibel entstanden selten in frohen und sicheren Zeiten. Sie sind im Gegenteil in Zeiten wie diesen entstanden. In Umbruchszeiten, voller Sorge und Ungewissheit. Und sie erinnern mich gerade deshalb daran, dass unser Glaube nicht alleine steht. Er besteht nicht nur aus gemeinsamen Gebeten und Gesang, nicht nur aus Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen. Er besteht nicht aus Pfarrerinnen und Pfarrern, die wir gern sehen wollen. Unser Glaube lebt und bewegt sich in uns. Und in Zeiten wie diesen gibt er diesen wunderbaren Fahrplan vor. Mein Glaube führt zur Charakterfestigkeit, wenn ich ihn ernst nehme. Dann suche ich den richtigen Weg und nicht nur den leichten. Dann lasse ich die Erkenntnis zu, dass es mir immer noch gut geht und Mäßigkeit mir vielleicht gerade gut anstehen würde. Vor allem bei den Bildern aus Moria, oder den Schiffen auf dem Mittelmeer, die überfüllt sind und keinen Hafen finden. Bei den Zahlen aus den Nachbarländern, wo so viele Menschen an Covid-19 sterben. Mäßigkeit, Trost, für die, die krank sind und an den Folgen der Pandemie leiden und ein Blick dafür, was gerade in unserem Land gelingt, in all der Not. Und dann spüre ich Dankbarkeit treten an diese Stelle der Unruhe und die schenkt mit Geduld. Geduld, um diese Situation, die ich nicht ändern kann, anzunehmen und sie positiv mitzugestalten, so gut es mir gelingen kann. Zu helfen, wo es mir möglich ist. Zusammenhalt zu stärken, Mitmenschlickeit und Solidarität zu verteidigen. Und das bedeutet auch manchmal Dinge auszuhalten, die uns unsinnig erscheinen, weil sie so unterschiedlich gehandhabt werden, in Sportvereinen und auf Arbeitsplätzen, in Kirchen und Gemeinden, in Familien und Freundeskreisen, in Geschäften und Schulen und Kindergärten. 

 

Es ist neu und verrückt und unbekannt. Natürlich ist nicht alles perfekt organisiert, nicht immer alles nachvollziehbar und nicht alles überall gleich. Aber wir versuchen es. Und solange wir versuchen, uns dabei von den Grundpfeilern unseres Glaubens tragen zu lassen, nämlich von der Suche nach Frieden und getragen von der Liebe, möchte ich glauben, dass es uns gelingt. Langsam und Schritt für Schritt. 

 

So schenke uns Gott das nötige Vertrauen und die Geduld, die wir brauchen.

 

Ihre Pfrn. Jennifer Scherf

Psalm


Wir machen uns auf den Weg

(Nach Psalm 84)

 

Bei dir lässt sich leben, mein Gott!

 

Meine Seele suchte eine Wohnung und fand sie nicht. Die Vögel unter dem Himmel haben Nester für ihre Jungen, die Lilien auf dem Felde ihren Ort, an dem sie Wurzel schlagen, aber du bist in den Kirchen nicht zu finden.

 

So habe ich mich auf den Weg gemacht, bin durch Einöden und trostlose Länder gezogen, habe die Menschen und fremde Welten erlebt. Und auf dem Weg zu dir, Gott, bei den geringsten meiner Brüder und Schwestern, bei den Ärmsten der Armen, bei den Ruhe- und Rastlosen, mitten unter ihnen habe ich dich gefunden.

 

Du schaffst Menschlichkeit, wo Unmenschen regieren, du zeigst Liebe, wo Gleichgültigkeit den Tag lähmt, du wohnst bei den Ärmsten und schläfst bei den Geschändeten. Deine Liebe ist grenzenlos.

 

Der Sonne schenkt, wo Schatten ist, erleuchte uns mit deinem Geist. der uns erwärmt, wo Kälte klirrt, taue uns auf mit deiner Güte. Der uns bewegt, wo wir erstarrt, bring uns auf dem Weg zum Leben. 



„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost,

ich habe die Welt überwunden.“

(Johannes 16, 33)

Keine Angst – das wird schon! Beruhigend gemeinte Worte, die mir aber gar nicht helfen, wenn ich so richtig Angst habe.

Vieles ist beängstigend: die Angst vor einer schlimmen Diagnose, die Angst davor, den Arbeitsplatz zu verlieren, die Angst zu versagen. Beängstigend ist die Ausbreitung von Antisemitismus, Rassismus und Populismus auf unserer Welt. Die rasanten globalen Veränderungen machen uns Angst, wir haben Angst vor einem neuen Wettrüsten, vor dem Einsatz von Atomwaffen, vor Krieg, vor Terrorismus, Immer bedrohlicher empfinden wir die Erdüberhitzung und die Sorge wächst, dass sich das nicht eindämmen lässt, dass Dürrekatastrophen drohen.

Seit ein kleines Virus namens Covid 19 unsere ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt, sind wir zutiefst verunsichert. Uns wird bewusst, wie viel wir zu verlieren haben. Und dauernd müssen wir Entscheidungen treffen: Was stimmt? Was ist richtig? Was hilft?

Was rät Jesus?

1. Er stellt nüchtern fest: In der Welt habt ihr Angst! Angst gehört zum Leben! Es ist normal Angst zu haben. Es ist kein Zeichen von Schwäche! Steh zu deiner Angst, sprich darüber. Du wirst dich wundern, wie dadurch andere Menschen ermutigt werden, von ihren Ängsten zu erzählen.

2. Er empfiehlt: Seid getrost! Seid mutig! Steht nicht nur passiv vor euren Ängsten! Geht aktiv mit ihnen um! Ihr werdet daran wachsen, ihr werdet stärker, ihr wachst über eure Angst hinaus.

Pflegt nicht ein Katastrophendenken, macht euch nicht verrückt, hört auf, euch auszumalen, wie schlimm alles wird. Damit reißt ihr nur euch selbst und andere immer tiefer in der Strudel der Angst hinein.

3. Er verspricht: Ich habe die Welt überwunden!

Jesus hat die Welt und damit die Ängste überwunden, indem er den Tod, den größten Angstmacher, ein für allemal besiegt hat. Daraus ergibt sich ein neues Lebensgefühl. Eine neue Haltung zum Leben: voller Hoffnung und Zuversicht.

Weil Jesus überwunden hat, was uns klein macht, was uns lähmt, was Leben verhindert, kann ich mich meiner Angst stellen, ich kann sie mir bewusst machen und so besiegen. Jeder kleine Sieg über die Angst ist ein Schritt Jesus hinterher. Denn Jesus möchte, dass wir mit Freude und positiver Energie leben. Er möchte, dass wir dankbar sind für das, was wir haben und dass wir miteinander teilen, einander helfen und unterstützen. Denn durch Jesus trennt uns nichts mehr von der Liebe Gottes!

"Fürchtet euch nicht!" heißt es 365 Mal in der Bibel!

365 Dosen Ermutigung, für jeden Tag des Jahres. Eine Beruhigung, die ich mir nicht selbst zusprechen kann, sondern mir sagen lassen muss.

Vielleicht nimmst du dir für nächste Woche vor, was Papst Johannes XXIII. so ausdrückt: „Nur für heute werde ich keine Angst haben ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist – und ich werde an die Güte glauben.“

 

Einen gesegneten Sonntag und eine mutige Woche wünscht Ihnen Ihre

Pfarrerin Antje Böhme

Text

Spar deinen Wein nicht auf für morgen

 

Spar deinen Wein nicht auf für morgen

Sind Freunde da, so schenke ein

Leg, was du hast, in ihre Mitte

Durchs Schenken wird man reich allein

 

Spar nicht mit deinen guten Worten

Wo man was totschweigt,

schweige nicht

Und wo nur leeres Stroh gedroschen

Da hat dein gutes Wort Gewicht

 

Spar deine Liebe nicht am Tage

Für paar Minuten in der Nacht

Hol sie aus ihrer Dunkelkammer

Dann zeigt sie ihre Blütenpracht

 

Spar deinen Mut nicht auf für später

Wenn du mal was ganz Großes bist

Dein kleiner Mut hilft allen weiter

Weil täglich Mut vonnöten ist

 

Spar deinen Wein nicht auf für morgen

Sind Freunde da, so schenke ein

Leg, was du hast, in ihre Mitte

Durchs Schenken wird man reich allein

 (Gerhard Schöne)


 „Ja, Gott war es,
der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“

(2.Kor 5,19)

 

Versöhnung – ein schönes Wort für einen positiven Prozess.

 

Nach einem Streit oder einer Auseinandersetzung haben wir uns versöhnt. Wir haben das, was zwischen uns steht, besprochen und uns geeinigt. Hier wird völlig klar: Versöhnung geht immer nur von beiden Seiten. Selbst wenn klar ist, dass ich Schuld habe an einem Umstand, so ist es keine Versöhnung, wenn ich um Entschuldigung bitte und diese nicht angenommen wird.

 

Aber in der Monatslosung steht, dass Gott die Welt mit sich versöhnt. Nicht der schuldige Mensch kommt zu Gott, sondern Gott räumt, von sich aus, die Sünden weg und lädt die Welt ein, diese Versöhnung anzunehmen.

 

Sünde – ein großes Wort. Da schwingt viel mit und doch ist es immer wieder ungreifbar. Sünde ist etwas, das uns alle betrifft. Als Kind habe ich gelernt, dass es dann Sünde ist, wenn man böse Dinge tut, z.B. Lügen oder Stehlen. Aber Sünde ist so viel mehr. Sünde ist mit sich selbst nicht zufrieden zu sein, an sich zweifeln, mit sich nicht im Reinen sein, mit sich selbst nicht und mit Gott nicht.

 

Ich denke da an mich: ich bin Unvollkommen, mache Fehler, habe jemanden durch Worte verletzt, will am Liebsten Dinge ungeschehen machen. Meine Gedanken kreisen um mich, meine Unvollkommenheit und meine Fehler und ich geißele mich in Gedanken selbst dafür. Ich bin fixiert auf mich und lasse oft Gott und andere Menschen nicht an mich heran.

 

Und nun kommt Gott und räumt meine Sünden weg. Er zeigt mir einen Weg da raus: Er nimmt mich und auch dich an, genau so, wie wir sind, mit unseren Fehlern. Die Sünde, die wir angehäuft haben, schaufelt ER aus dem Weg, sodass wir froh und frei leben können. Frei von Selbstzweifel und frei von Unvollkommenheit.

 

Mit dieser Freiheit können wir Menschen begegnen und uns mit ihnen versöhnen. Versöhnung ist eines von den Dingen, die sich vermehrt, wenn man sie teilt.

 

„Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Gemeindepädagogin Sarah von Biela

Segen


Wunsch nach Frieden

 

Den tiefen Frieden im Rauschen der Wellen wünsche ich dir.

 

Den tiefen Frieden im schmeichelnden Wind wünsche ich dir.

 

Den tiefen Frieden über dem stillen Land wünsche ich dir.

 

Den tiefen Frieden unter den leuchtenden Sternen wünsche ich dir.

 

Den tiefen Frieden vom Sohn des Friedens wünsche ich dir.

 

(aus Irland)

 


Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich. (Römer 11,18)

Dieser Sonntag heißt Israel-Sonntag. Warum ist das gerade heute wichtig?

Seit dem 16. Jahrhundert wird er in der evangelischen Kirche gefeiert; zunächst: als Gedenktag an die Zerstörungen des Jerusalemer Tempels.

Zwischen Christen und dem Volk Israel war das Verhältnis von Anfang an kompliziert. Paulus quält sich im Römerbrief immerhin drei ganze Kapitel mit der Frage herum, warum das Volk Israel nicht an Jesus glaubt. Schon zu neutestamentlichen Zeiten dachten viele Christen, Israel sei von Gott verworfen und die christliche Gemeinde an seine Stelle getreten.

Wir alle haben unbewusst antijüdische Gedanken im Konfirmationsunterricht oder Religionsunterricht mitbekommen. Schon die Bezeichnung „Altes Testament“ führt unser Denken in die verkehrte Richtung: als wären die Texte dort weniger von Bedeutung, als wären sie veraltet und nebensächlich gegenüber den Geschichten, Texten und Briefen, die von Jesus handeln. Richtig muss es heißen: das Erste Testament, oder die Hebräische Bibel. So ehren wir den umfangreichsten und absolut gleichwertigen Teil unserer Bibel. Bis heute hören wir in Bibelarbeiten und Predigten Klischees über das Judentum, oder die Pharisäer. Hartnäckig hält sich bei uns bis heute die Vorstellung, die Juden hätten Jesus ermordet. Dabei wurde er von der römischen Besatzungsmacht hingerichtet!

Gehen wir bei Paulus in die Schule und lernen von ihm: Er beantwortet die schwierige Frage so: Es ist ein Geheimnis! Gott hat das Volk Israel von Anfang an zu seinem geliebten Volk gemacht und das bleibt bis zum Ende aller Zeiten! Dass das Volk Israel nicht an Jesus als den Erlöser glaubt, geschieht uns später Geborenen zugute! Damit wir alle zum Glauben finden, darum ist Israel so widerständig. Das Nein Israels zu Jesus ist von Gott gewollt und unendlich wertvoll für uns, damit wir zum Glauben kommen!

Wer Christ wird und sich taufen lässt, wird Teilnehmer der Bundesgeschichte Gottes mit Israel, die lange vor Christi Geburt begann. Deshalb darf sich kein Christ über Israel erheben, weder mit Worten noch mit den Fäusten!

Das Heil kommt von den Juden!

Wir Christen haben, was wir sind, Israel zu verdanken. Wir leben vom Heiland, dem Juden Jesus; wir leben aus den Verheißungen, die Gott dem Volk Israel gab; wir leben von ihren Psalmen und Gebeten; wir leben von ihren Geboten der Gottes- und der Nächstenliebe, die wir aus der Hebräischen Bibel lernen.

Am Israelsonntag gedenken wir voller Trauer des Unrechts, das den Juden über Jahrhunderte von Christen angetan  wurde von den Pogromen während der Kreuzzüge bis zur Vernichtung des europäischen Judentums in Nazi-Deutschland. Über diesem Sonntag steht der Feuerrauch von Birkenau, stehen die Gewehrkugeln, Schläge, Misshandlungen in den KZs. Und die angeschossene, zersplitterte, aber der Zerstörung widerstehende Synagogentür von Halle.

Wir feiern heute unsere gemeinsame Glaubenstradition mit Israel. Gerade heute, mitten im Hass, Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit bitten wir um die rebellische Energie der biblischen Propheten. Wir bitten um die sanftmütige Kraft Jesu, die Menschen verwandelt und stärkt.

»Ob Jesus der Messias ist – das hängt von euch ab«, hat der jüdische Theologe Michael Wyshogrod gesagt: Von Deinem/meinem Leben und Handeln hängt also ab, ob die Jesus-Geschichte, die Wirkung des Evangeliums unter den Völkern auch Israel zugutekommt. Ob Israel inmitten der Völker ohne Angst leben kann. Von Dir und mir hängt ab, ob wir das, was sich in unseren Köpfen unbewusst verfestigt hat, bearbeiten und auflösen, ob wir neu denken.

Uns Christen darf Israel keine Ruhe lassen. Wenn wir unsere Wurzeln vergessen, dann vergessen wir unsere Verantwortung.

Welche Denkblockaden gibt es bei dir? Bist du wachsam genug, was den aufkeimenden Antisemitismus in Deutschland anbelangt? Bist du bereit, Stellung zu beziehen und nicht zu schweigen?

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen Ihre

Pfarrerin Antje Böhme

 

Psalm 122

Ein Segenswunsch für Jerusalem 

Betet für den Frieden Jerusalems!

Wer dich liebt, dem soll es gut ergehen!

Wie sehr habe ich mich gefreut,

als man zu mir sagte:

»Komm mit, wir gehen zum

Haus des HERRN!«

Nun sind wir endlich am Ziel! Wir haben Jerusalems Tore durchschritten.

O Jerusalem, du herrliche Stadt,

wie unbezwingbar bist du gebaut!

Betet für den Frieden Jerusalems! Wer dich liebt, dem soll es gut ergehen!

Zu dir ziehen alle Stämme des HERRN hinauf,

ganz Israel will ihn dort preisen,

so wie er es befahl.

Jerusalem, in dir regiert Davids Königshaus,

in dir spricht der König das Recht.

Hinter deinen festen Mauern

soll Frieden herrschen,

und in deinen Palästen

soll man sicher wohnen!

Weil mir meine Verwandten

und Freunde am Herzen liegen, wünsche ich dir, Jerusalem,

Frieden und Glück.

Betet für den Frieden Jerusalems!

Wer dich liebt, dem soll es gut ergehen! 


„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

(Matthäus 24,39)

Freiheit – ist das einzige, was zählt, singt Marius Müller-Westernhagen. War es das, was am vergangenen Samstag Tausende Menschen in Berlin auf die Straße trieb? Oder ging es eher um meine Freiheit, die die Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz und ohne Einhalten von Abstandsregeln auf die Straße gehen ließ?

Was ist das für eine Freiheit? Die Freiheit: alle anderen sind mir egal, solange ich tun kann, was ich will? Was bringt es mir, wenn ich mein Recht durchsetze ohne Rücksichtnahme, ohne Anstand, ohne (Verzeihung!) Verstand?

Was ist das eigentlich – Freiheit? Wo beginnt, und wo endet sie? Ganz naiv könnte ich sagen: Frei ist, wer jederzeit tun kann, was er will. Davon, zu tun, was wir wollen, können uns nur äußere Einflüsse abhalten. Das sind zum Beispiel gesellschaftliche Regeln.

Der Philosoph Isaiah Berlin sprach von negativer und positiver Freiheit. Negative Freiheit war für ihn die Freiheit von äußeren Einschränkungen; als positive Freiheit bezeichnete er die Freiheit über sich selbst zu bestimmen. Er meinte, es hängt vom Grad der menschlichen Verantwortung ab, was wir als Einschränkung unserer negativen Freiheit empfinden. Auf die Corona-Demonstrationen bezogen: Wer seine Freiheit durch die Abstandregeln und das Tragen einer Schutzmaske so extrem eingeschränkt empfindet, der fühlt sich einfach nicht mehr verantwortlich für die Gesundheit seiner Mitmenschen, sondern stellt sein eigenes Wohlbefinden an die erste Stelle. Man kann dem folgend sagen, es gibt die „Freiheit von“ und die „Freiheit zu“. Fragt sich also: Ist die Freiheit meines Mitmenschen eine Grenze, eine Beschränkung meiner eigenen Freiheit oder ist sie eine Chance, die sich meiner eigenen Freiheit bietet? Jean Paul Sartre verfolgt genau diesen Gedanken, wenn er sagt, man könne nicht die eigene Freiheit anstreben, ohne gleichzeitig die Freiheit des anderen anzustreben. Der andere ist also nicht zwangsläufig eine Grenze meiner Freiheit. Ganz im Gegenteil, seine Freiheit ist eine Chance für meine eigene Freiheit, eine Chance, sich gegenseitig zu beschenken. Wenn Freiheit jedoch etwas Zwischenmenschliches ist, dürfen wir bei dem Versuch, die eigene Freiheit zu verwirklichen, die Freiheit des anderen nicht außer Acht lassen Wenn wir diesen Gedanken weiterdenken, kommen wir zu dem Schluss, dass Freiheit etwas mit Verbundenheit zu tun hat. So hat es Martin Buber gesehen: Freiheit ist für ihn ein Mittel, ein Weg, eine Chance zur Herstellung von Verbundenheit. Sie ist wie eine Brücke, über die man geht, auf der man jedoch nicht wohnt. Die anderen sind also keineswegs eine Grenze meiner Freiheit. Die anderen sind von Beginn an eine Verpflichtung und Erfüllung meiner Freiheit. In der Bibel lese ich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Jesus erspart uns die Verantwortung nicht! Sie gehört zu unserem Menschsein. Weil jeder Mensch eine einzigartige Würde hat und ein kostbares Ebenbild Gottes ist. Martin Buber übersetzt den Satz Jesu so: „Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du.“ Für mich heißt das: Sieh in dem Menschen, der dir begegnet, ein Bild Gottes und respektiere ihn. Wer immer dir begegnet, behandle ihn mit Achtung. Sieh in ihm oder ihr nicht nur eine Arbeitskraft, einen Widerstand, einen Störfaktor, einen Gegner, ein Ärgernis. Sieh in Deinem Gegenüber ein einzigartiges und unverwechselbares Bild Gottes. Und: Behandle keinen Menschen als Mittel zum Zweck! Lass den Menschen, der jetzt vor Dir steht, den wichtigsten auf der Welt sein. Meine Freiheit findet also ihre Grenze immer an der Freiheit des anderen. Aber diese Grenze bedeutet keine Einschränkung sondern ist eine Chance! Die Chance zur Verbundenheit und Mitmenschlichkeit. Oder sollte Marius Müller-Westernhagen doch recht behalten mit seiner Befürchtung „Freiheit – ist das einzige, was fehlt“? Das wäre wirklich schade!

Lied

Psalm 36

Herr, du bist so freundlich!

Der Himmel ist voll von deiner Freundlichkeit. Gott, auf dich kann ich mich verlassen.

Deine Treue reicht bis zu den Wolken.

Du bist gerecht.

Fest und stabil wie Berge ist

deine Gerechtigkeit.

Dein Recht ist so tief wie der Ozean.

Du hilfst Menschen und Tieren

Deine Freundlichkeit, Gott, ist großartig. Menschen finden Schutz bei dir.

Wir werden satt von deiner Großzügigkeit.

Du lässt uns Menschen von deiner Freude kosten. Wir tanzen vor Glück und Freude.

Wir trinken sie wie Wasser

aus einen frischen Bach.

Gott, aus dir sprudelt das Leben.

Wie aus einer Wasserquelle.

Du bist die Quelle – alles Leben strömt aus dir.                

In deinem Licht sehen wir das wahre Licht.

Bleib bei uns mit deiner Liebe und Großzügigkeit.

Bleib bei uns wie ein Freund, auf den wir uns unbedingt verlassen.

 


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Ihr seid das Salz der Erde.

(Mt 5,13a)

Kompliment, sagt Jesus, Du bist das Salz der Erde.

Salz ist ein ganz besonderes Gewürz;

schwierig und kompliziert zu gewinnen,

außerordentlich wertvoll.

Salz ist die Basis aller Gewürze. Es macht Speisen schmackhaft. Salz ist lebenswichtig, der Baustein allen Lebens. 

Salz wirkt heilend, es konserviert.

Kompliment, sagt Jesus, Du bist das Salz der Erde.

Du bist Salz! Du verleihst dieser Welt Pfiff und Geschmack. Du sorgst dafür, das das Leben nicht fade wird, sondern vollmundig, froh, erfüllt.

Du engagierst dich für andere;

du bleibst bei der Wahrheit;

du setzt dich für Gerechtigkeit ein;

du deutest nicht mit dem Finger auf andere, sondern kehrst vor der eigenen Haustüre;

du machst keine großen Sprüche, stellst dich nicht in den Vordergrund,

du langst zu, wo du gebraucht wirst.

Kompliment, sagt Jesus, Du bist das Salz der Erde.

Du bist es schon: Du bist kostbar, wichtig, besonders. Und jetzt sei auch, was du bist. Verleih dem Leben Würze mit alldem, was in dir steckt!

Trau dich! Entdecke deine Bestimmung, deine Begabung Misch Dich ein! Bring dich ein!

Du bist Salz der Erde! Das bleibt nicht unbemerkt. Damit eckst Du manchmal an. Das ist nicht nach jedermanns Geschmack.

Manchmal streust Du Salz in die Wunde. Wenn Du Dinge ansprichst, die unangenehm und schmerzhaft sind. Wenn Du nicht wegsiehst, nicht schweigst zu Ungerechtigkeit, zu Rassismus, zu Mobbing! Wenn Du klar Stellung beziehst.

Manchmal bist Du das Salz in der Suppe derer, die gleichgültig vor sich hinleben, die sich nur um sich selbst drehen in ihrer kleinen Welt, die sich selbst betäuben, die keine Lust auf Verantwortung haben, die an der Oberflächlichkeit schwimmen.

Du lässt dich als Gottes Streusalz in die Kälte der Welt streuen. Damit das Eis zwischen den Menschen taut, damit niemand Rutschen kommt oder fällt.

Du bist Salz der Erde, sagt Jesus. Du bist das, was diese Welt unbedingt braucht, auch wenn sie es selber nicht weiß! Du bist dafür auf der Welt, dass sie nicht verfault. Dass sie nicht zerbricht. Dass sie nicht verarmt und verödet.

Welch ein Ehrentitel, was für ein Kompliment: Salz der Erde zu sein!

 „Ein Christ ist in dieser Welt da, damit der Geschmack an Gott nicht verloren geht“, sagt Antoine Saint-Exupéry.

Salz wirkt. Es wirkt einfach durch seine Eigenschaften. Christen verändern diese Welt einfach dadurch, dass sie da sind. Sie kämpfen gegen die Verödung an. Sie heilen. Sie bewahren vor dem Verderben. Schmelzen das Eis.

Heinrich Böll hat gefragt, wie traurig es wohl in unserer Welt aussähe, wenn sich nicht Christen immer wieder für mehr Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einsetzen würden. Und weiter fragt er: Doch wie wäre es, wenn wir wirklich Jesus konsequent folgten – als Salz der Erde? Wir könnten das Antlitz der Welt verändern.

Bist du auf den Geschmack gekommen? Bereit, Salz der Erde zu sein?

 

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Gebet

Du Gott des Lebens,

durchwirke mich mit deiner Kraft,

damit ich sein kann was ich bin –

Salz der Erde!

Stärke mich mit deiner Kraft,

damit ich Salz bin, das trägt –

Stütze und tragender Grund für jene,

die Halt und Beistand brauchen.

Beflügle mich mit deiner Kraft,

damit ich Salz bin,

das dem Leben Geschmack gibt –

Würze und Ansporn im tristen Alltagsgrau,

wenn Hoffnung und Freude fehlen.

Belebe mich mit deiner Kraft,

damit ich Salz bin,

das Eis zum Schmelzen bringt –

Eisbrecher und Hoffnungsfunke dort,

wo menschliche Kälte Leben behindert.

Ermutige mich mit deiner Kraft,

damit ich Salz bin,

das sich einmischt –

Salz, das auch die wunden Punkte berührt

und so Heilung ermöglicht.

Amen.


Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist,

sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben.

(Johannes 6,27)

 Mit diesen Worten ist die Frage gestellt, was vergänglich ist und was bleibt.

 

Ich empfinde unsere Welt als orientiert an vergänglichen Dingen wie Genuss, Reisen oder Konsum.

Solange alles gut läuft.

Dann kam Corona. Und die Welt hielt den Atem an. Wir wurden leise, besorgt und ratlos. Wir erfuhren, dass nichts bleibend und sicher ist. Wir merkten, wie sehr wir als Menschen und als Gesellschaft verwundbar sind. Wir spürten das Vergängliche und Vorläufige unserer Existenz.

 

Zunächst schien es, als kämen wir ins Nachdenken. Aber dem war nicht so.

Nach relativ kurzer Zeit erwachten wir aus unserer Schockstarre, schüttelten uns und verjagten die Gedanken, die uns während des Corona-Shut-downs kamen, wie lästige Fliegen.

Es gab Corona-Parties, so als wäre Feiern die wichtigste Beschäftigung unseres Lebens. Und als die ersten Bierflaschen gegen Polizisten flogen und die ersten Schaufensterscheiben zu Bruch gingen, konnte ich es nicht fassen.

Gerade jährte sich das Unglück der Loveparade in Duisburg zum 10. Mal. Eine Katastrophe, die 21 Menschenleben und viele Verletzte forderte. Viele sind traumatisiert bis heute. Aus der Suche nach Vergnügen, oder drastisch formuliert, aus der Sucht nach Partyvergnügen und Feiern entstand Tod und Schmerz.

 

Was ist los mit unserer Welt, fragte ich mich. Und als sich in den Medien alles nur noch darum zu drehen begann, wohin wir denn jetzt in den Urlaub fahren können, da wurde ich traurig.

Nicht, dass ich mich nicht gerne vergnüge und Spaß habe. Nicht, dass ich nicht auch gerne an schöne Orte fahre, um mich zu erholen und Abstand vom Alltag zu bekommen. Aber wie kann es sein, dass wir dermaßen die Augen schließen? Denken wir wirklich, es könnte alles wieder genauso werden wie früher?

Wenn ich aus den vergangenen Monaten etwas gelernt habe, dann dieses: Wir können nicht so weiter machen!

Wir könnten damit anfangen, dass wir mal über Vergängliches und Bleibendes nachdenken.

 

Welche Gewohnheiten sollten wir vielleicht sein lassen? Wie setzen wir in Zukunft unsere Zeit und unser Geld ein, damit es uns und unseren Mitmenschen gut geht?

Vielleicht fangen wir an, uns weniger über Vergängliches zu definieren, sondern mehr über Bleibendes wie Solidarität, Kreativität und Füreinander da sein.

Wir entscheiden mit unserem Verhalten, in welcher Welt wir leben!

Die Welt in der wir leben, ist immer noch unheimlich vorlaut und geschwätzig. Solange alles glatt läuft und gut geht. Aber wenn es schwierig wird, in Katastrophen, Krankheit und Tod - da wird sie verlegen, unsere Welt, da weiß sie nichts mehr zu sagen. Genau an dem Punkt, wo die Welt schweigt, da schweigen wir Christen nicht.

Da richten wir die Botschaft von Jesus aus.

Selbst im arrogantesten Gelächter der lauten, geschwätzigen Welt sagen wir, dass der Mensch ein Ziel hat! Wir machen dort den Mund auf, wo alle andern nur die Achseln zucken.

Wir richten die Botschaft von Jesus aus.

 

Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben. (Johannes 6,27)

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Gebet


Herr, segne uns,

lass uns dir dankbar sein,

lass uns dich loben, solange wir leben,

und mit den Gaben, die du uns gegeben,

wollen wir tätig sein.

 

Herr, geh‘ mit uns

und lass uns nicht allein,

lass uns dein Wort

und dein Beispiel bewahren,

in der Gemeinde deine Kraft erfahren,

lass uns wie Schwestern

und Brüder sein.

 

Herr, sende uns,

lass uns dein Segen sein,

lass uns versuchen, zu helfen, zu heilen

und unser Leben wie das Brot zu teilen;

lass uns ein Segen sein.

(Aus: Lothar Zenetti, Texte der Zuversicht, München 1972, S. 293)


 „Groß sind die Werke des Herrn;

wer sie erforscht, hat Freude daran.“

(Psalm 111,2)

 

Keiner von uns konnte ahnen, dass dieser Sommer so ganz anders werden würde. Viele Urlaubspläne haben sich aufgrund von Corona in Luft aufgelöst. Und wenn wir dieses Jahr Urlaub machen, dann wird es wahrscheinlich ganz anders werden als sonst immer. Was macht das mit uns? Und wie gehen wir damit um?

Die Schriftstellerin Luise Rinser sagt: Krisen sind Angebote des Lebens, sich zu wandeln. Man braucht noch gar nicht zu wissen, was neu werden soll. Man muss nur bereit und zuversichtlich sein.

Statt auf das zu blicken, was nicht geht, sollten wir vielleicht unser Augenmerk auf das richten, was geht!

Auch wenn in diesem Jahr alles anders ist - es bleibt eine Zeit zum Seele baumeln lassen. Ich mag es, mir vorzustellen, wie meine Seele für ein paar Wochen faultiergleich an einem Ast baumelt.

 

Ich genieße es frei zu sein, mich innerlich wohl zu fühlen.

Ich habe jeden Morgen die Chance, neu anzufangen.

Dinge, die meinen Alltag sonst bestimmen, treten in den Hintergrund:

Probleme, mit denen ich mich herumschlage, geben für ein paar Momente nicht den Ton an.

Hektik gibt nicht den Takt vor.

Ich achte ganz bewusst auf die kleinen Dinge!

Ich genieße den Sommer, beobachte Vögel und Schmetterlinge, fühle den lauen Wind und die Sonnenstrahlen, ich rieche den Geruch des Sommers, ich lasse los und lasse mich ein, ich lasse zu, was mir begegnet, ich bin einfach da – gelassen –

Ich betrachte eine Blüte, sehe, wie fein sie strukturiert ist, wie ihre Blütenblätter angeordnet sind, wie einmalig und besonders ihre Farbe und ihr Duft ist.

Ich sehe ein Insekt, das auf der Blüte Platz nimmt, um Nektar aufzunehmen. Gleichzeitig bestäubt es die Blüte, so dass das leben weitergegeben wird.

Ich bewundere die Landschaft, ihre sanften Erhebungen, die sich abwechselnden Felder, einen Bach, der sich hindurchschlängelt.

Ich genieße das kurze Gespräch mit dem Nachbarn, freue mich an seiner freundlichen Geste, ich höre bewusst und dankbar die guten Worte meiner Mitmenschen. Ich kann nur staunen über alles, was mir auffällt, und je länger ich schaue und wahrnehme, umso mehr fällt mir auf!

Wie genial ist Gottes Schöpfung, wie herrlich ist die Welt, in der ich lebe, und wie wichtig ist es, all das ganz genau zu spüren. Wenn ich auf die vielen wunderbaren kleinen Dinge achte, dann geht mir auf, was das für ein Geschenk ist, das ich leben darf, dass ich all das erleben darf.

Nichts davon ist selbstverständlich.

„Groß sind die Werke des Herrn; wer sie erforscht, hat Freude daran.“

ich rieche den Geruch des Sommers, ich lasse los und lasse mich ein, ich lasse zu, was mir begegnet, ich bin einfach da – gelassen.

Ich wünsche Dir den Blick für die kleinen, und doch so besonderen Dinge. Ich wünsche Dir, dass du achtsam durch diesen Sommer gehst

und dass wir das Geschenk des Lebens miteinander feiern können!

 

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Segen


Ich wünsche dir,

dass es dir

von Zeit zu Zeit gelingt,

loszulassen und einfach

nur du selbst zu sein.

Einmal ein Mensch ohne Leistung

ohne Wenn und Aber

ohne Zeitdruck.

Vielleicht fällt es dir zuerst schwer

die Stille auszuhalten,

die dich plötzlich umgibt.

Möge es dir gelingen,

einfach nur zu sein

mit allem, was du bist,

und zu spüren:

Es ist gut so.


„Jesus sagt: Fürchte dich nicht! Du wirst von nun an keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.“ (Lukas 5,11)

 

Dieser Satz stammt aus dem Gleichnis vom Fischfang. Lukas erzählt in Kapitel 5, wie Jesus seine Freunde findet und beauftragt, mit ihm zusammen am Reich Gottes zu bauen. Mich berührt vieles an dieser Geschichte.

 

Sie beginnt mit Jesus und einer großen Menschenmenge auf der einen Seite. Und sie beginnt mit zwei leeren Booten auf der anderen Seite. Die Fischer am See Genezareth hatten die ganze Nacht hart gearbeitet und keinen einzigen Fisch gefangen. Die Boote sind leer.

 

Das stelle ich auch in den Kirchen meines Pfarrbereichs fest. Viele freie Plätze, nur wenige Menschen finden sich zusammen.

 

Müde sitzen die Fischer am Strand, frustriert und ausgelaugt von der Erfolglosigkeit ihres nächtlichen Tuns. Nun bleibt ihnen nur noch, mit den letzten Kräften, die ihnen geblieben sind, ihre Arbeit zu Ende zu bringen. Da kommt Jesus auf sie zu. Er gibt einen überraschenden Impuls: Nutzt eure Boote mal für etwas völlig anderes. Starrt nicht auf das, was nicht geht, sondern nehmt wahr, was gehen könnte! Durch seine Anregung ermutigt, wird eines der Fischerboote zur Kanzel, damit Jesus vom See aus zu den vielen Menschen sprechen kann, die sich versammelt haben.

 

Und dann noch ein Impuls, eine völlig widersinnige Idee: Fahrt jetzt noch einmal hinaus, wo es tief ist! Völlig aussichtslos, denken die Fischer. Das ist gegen jede Erfahrung. Das kann doch nichts bringen.

 

Genauso reagiere ich oft, wenn es darum geht, zu überlegen, was in unseren vielen Kirchen noch geschehen könnte. Das kann doch nichts werden! Das gab es noch nie!

 

Das geht nicht! Wo soll das hinführen?

 

"Weil du es sagst, will ich‘s tun", sagt Simon.

 

Ich höre heraus: ich selber muss nicht unbedingt einen Sinn in einer Idee erkennen. Ich kann einen Vorschlag für absolut daneben halten. Aber wenn ich Jesu Wort und Willen darin wahrnehme – dann will ich es auf sein Wort hin versuchen, so abstrus es mir auch vorkommt.

 

Tatsächlich: der Fang ist überreichlich. Die Netze reißen schier, die Fülle ist nicht zu bewältigen! Und dann kommen die Fischer im anderen Boot zu Hilfe.

 

Ob ich das im kirchlichen Alltag vergesse? Ob ich in der eigenen Gemeinde feststecke und gar nicht mehr sehe, dass da noch ganz viele andere unterwegs sind mit dem gleichen Ziel, Menschen für Jesus zu gewinnen. Da bin nicht nur ich auf dem Wasser, da sind noch so viele andere! Und es geht nicht darum, sie als Konkurrenten um die wenigen Fische zu sehen, sondern uns als Gemeinde und Gemeinschaft der Freunde Jesu zu erkennen, die sicher verschiedene Wege gehen, die aber einig sind in dem einen Ziel, die frohe Botschaft in die Welt zu senden, Menschen für Jesus zu gewinnen.

 

Ich bin nicht allein und du auch nicht! Wir sind Menschen, die für Jesus und seine Botschaft brennen! Und wir müssen es nicht allein schaffen! Da sind noch andere Boote unterwegs. Wir können winken, rufen, um Hilfe bitten, einladen.

 

Und wir können uns um Hilfe bitten lassen. Wir können mit anpacken. Wenn wir nur auf den eigenen Kirchturm starren, können wir die anderen nicht sehen. Wenn wir aber den Blick weiten, wenn wir uns öffnen füreinander, dann können wir alle nur gewinnen!

 

Und darum geht es Jesus: ums Gewinnen, nicht ums Fangen, nicht ums einheimsen, nicht ums Für sich selbst Behalten! „Fürchte dich nicht! Du wirst von nun an keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.“

 

Wer andere gewinnen will, der wird staunen über das, was möglich ist!

 

Kannst du noch staunen? Kannst du dich noch freuen über die tollen Ideen und Projekte in anderen Gemeinden? Bist du bereit, dein Boot in Bewegung zu setzen, um den anderen beizustehen?

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Psalm


Wie ein Traum wird es sein, wenn Gott uns befreit, wie in einem Traum.

 

Gerade noch haben wir Tränen geweint, doch jetzt sind wir überglücklich. Unser Mund kann wieder lachen, unsere Zunge wieder singen.

 

Wie ein Traum wird es sein, wenn Gott uns befreit, wie in einem Traum.

 

Überall erzählt man sich: Gott hat Großes getan. Ja Gott hat Großartiges getan, er hat unsere Traurigkeit in Freude verwandelt.

 

Wie ein Traum wird es sein, wenn Gott uns befreit, wie in einem Traum.

 

(nach Psalm 126)


„Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach:
Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
(1. Könige 19,7)

 

Elia hat schon einen langen Weg hinter sich. In diesem Moment, als er von dem Engel angesprochen wird, sitzt er in der Wüste und will sterben. Kurz zuvor hatte er Menschen einer anderen Religion getötet und nun wurde er deswegen verfolgt. Hinter ihm liegt eine Blutspur. Ein Wettstreit der Worte und der Machtbekundung endete in Gewalt und Elia war vorne mit dabei. Was ist da schiefgelaufen? Wo hat er die Ausfahrt verpasst? Er landet auf seiner Flucht in der Wüste, in der Einsamkeit. Er hat die Orientierung verloren. Er bittet um den Tod.

 

In dieser Situation schickt Gott einen Engel und richtet Elia wieder auf. Er schenkt ihm einen heilsamen Schlaf, Essen und Trinken und dann aufmunternde Worte: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!“ Elia bekommt eine Zukunft, Hoffnung und eine Perspektive.

 

Elia hat für Gott gekämpft und ist dabei zu weit gegangen. Er hat etwas gemacht, das eigentlich unverzeihlich ist. Aber Gott hat ihn für seine Arbeit auf der Welt gebraucht. Elia ist wie jeder Mensch: er macht sich schuldig, er bemerkt seine Schuld und leidet darunter, er ist nicht unbegrenzt belastbar. Elia hat Gott für einen kurzen Moment aus dem Blick verloren und sich gleich mit.

 

Auch wir machen uns Tag für Tag schuldig. Wir durchleben Wüstenzeiten, in denen wir nicht mehr wissen, wer wir sind, in denen wir einsam sind, wo wir die Orientierung verlieren. Eine Müdigkeit breitet sich dann aus, die in uns ist, die nichts mit unserem Alter zu tun hat. Manchmal haben wir Momente, in denen wir des Lebens Müde sind. Für manche geht diese Wüstenzeit bis zu dem Gedanken an den Tod. Ein Tod, der uns aus dieser Verzweiflung befreien könnte.

 

Aber es geht auch anders. Gott kennt unsere Schwächen und steht auf unserer Seite. Manchmal muss uns ein Engel wach rütteln und uns stärken, uns Kraft geben und eine Perspektive. Diese Perspektive kann uns Gott geben.

 

Krisenzeiten gibt es für uns alle. Manche Krisen betreffen uns persönlich, andere unsere ganze Gesellschaft. Auf wen vertrauen wir in einer Krise? Wie behalten wir unsere Kraft in einer Krise? Wie schaffen wir es, dass wir uns und andere in einer Krise stärken, Kraft geben und Orientierung? Wie müssen wir unser Zusammenleben gestalten, damit niemand auf der Strecke bleibt?

 

Gott gibt uns Antworten auf diese Fragen. Auf Gott zu vertrauen heißt, gestärkt, mit Kraft und Orientierung weiterzugehen, auch wenn eine Wüstenzeit hinter- oder vor uns liegt. So wünsche ich uns in unserer Krisenzeit ein besonnenes und geduldiges Herz.

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Gemeindepädagogin Sarah von Biela

Psalm



„Der Menschensohn ist gekommen,
zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“
(Lukas 19,10)

 

Wir alle machen Fehler. Eine Lüge führt zu nächsten. Eine Tat führt zur Nächsten. Etwas wird verschwiegen und das führt zu weiterem Schweigen. Wir haben die Wahl die Wahrheit zu sagen, eine Tat zu gestehen oder die Tatsachen auf den Tisch zu legen. Aber oft reden wir uns ein, dass wir diese Wahl nicht haben, dass es schlimmer wird, wenn wir diesen Kreislauf durchbrechen. Wir haben Angst, dass wir durch unser Handeln eine Freundschaft zerbrechen.

 

Was wäre, wenn wir es wagen würden? Wenn wir ehrlich wären, wenn wir das, was wir denken und fühlen, auf den Tisch legen würden?

 

Wir wären verletzlich, aber wir schenken unserem Gegenüber Vertrauen. Vertrauen in die Fähigkeit, Reue zu verstehen und zu vergeben.

 

Durch unsere Fehler fühlen sich Menschen verletzt, nicht wahrgenommen, hintergangen. Wir wollen durch Folgefehler versuchen diese Schuld zu verstecken. Wir haben Angst zuzugeben, dass wir eine Schuld auf uns geladen haben und dass wir für einen seelischen Schaden verantwortlich sind.

 

Was wäre, wenn wir den Fehler entdecken und nicht verstecken? Was wäre, wenn wir die Wahrheit sagen, die Tat gestehen und das Schweigen brechen? Was wäre, wenn wir ab heute das richtige tun?

 

Aber was ist, wenn wir uns verloren fühlen und keine Kraft haben, um das Richtige zu tun? Wir haben Angst vor Ablehnung und Rache.

 

In der Bibel steht: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Jesus ist für uns auf die Erde gekommen. Für jede*n von uns. Er will uns Kraft geben, uns den Rücken stärken und bei uns sein, wenn wir beschließen, anderen zu vertrauen und unseren Teufelskreis der Fehler zu durchbrechen.

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Gemeindepädagogin Sarah von Biela

Psalm



Gott sagt: Fürchte dich nicht! Ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein! (Jesaja 43,1)

 

Samuel Harfst hat ein Lied geschrieben, das mich tief berührt.
Die ersten Zeilen lauten:

 

Ist es nicht wunderbar, an diesem Tag zu sein?

Es ist ein Privileg, erachte es nicht als klein!

 

In der Tat: es ist ein Privileg, es ist wunderbar, zu sein, zu existieren. Und nicht nur das! Es ist ein Privileg, geliebt zu sein, gewollt zu sein, von Gott gesehen, von Gott geliebt zu sein. Die Alten nannten das Erwählung. Gott hat dich erwählt! Wir würden heute eher sagen: Gott hat dich ausgesucht. Du bist etwas ganz besonderes für ihn, so einzigartig und wunderbar, wie du bist.

 

Ist es nicht wunderbar, an diesem Tag zu sein?

Es ist ein Privileg, erachte es nicht als klein!

 

Dieses Privileg, von dem Samuel Harfst singt, ist unsere Menschenwürde. Sie macht uns aus. Sie zeichnet uns aus. Und sie ruft uns heraus: sie ruft uns heraus aus dem bloßen Existieren. Unsere Menschenwürde ist uns Auszeichnung und Verpflichtung!

 

Wenn ich als Mensch der Aufmerksamkeit Gottes würdig bin, wenn das meine Menschenwürde ist, dann ist völlig klar: Menschenwürde gilt nicht nur mir. Sie gilt jedem Menschen! Dem Flüchtlingskind, das unter menschenunwürdigen Bedingungen in einem Flüchtlingslager in der Türkei oder in Griechenland oder im Libanon oder in Lybien dahinvegetieren muss, ohne ausreichende Versorgung, voller Angst davor, ob es den nächsten Tag übersteht;

 

Menschenwürde gebührt dem jungen Schwarzen in Amerika, der sich nicht sicher sein kann, ob er gleich in eine Polizeikontrolle gerät, bloß weil seine Hautfarbe dunkel ist; und der Angst haben muss, von gewaltbereiten, rassistisch denkenden Polizisten um sein Leben gebracht zu werden;

 

Menschenwürde gebührt jedem Menschenkind auf dieser Welt, das gerade gequält, misshandelt, sexuell ausgebeutet wird und sich nicht dagegen wehren kann.

 

Menschenwürde – die Würde die Gott jedem Geschöpf auf dieser Erde gibt, einfach so aus seiner unendlichen großzügigen, weitherzigen Liebe heraus – gilt allen.

 

Das ist nicht bloße Theorie; das will konkret werden. Das ist ansteckend. Wenn ich von Gott so privilegiert bin, dann kann ich gar nicht anders. Ich muss das weitergeben.

 

Und deshalb bin ich aufgerufen, für die Menschenwürde einzutreten, für sie aufzustehen, für sie aktiv zu werden.

 

Es treibt mir die Schamesröte ins Gesicht, wie gleichgültig, wie behäbig wir sind! Ich kann nicht ruhig schlafen, mich macht es verrückt, wenn ich an all die getretenen, geplagten, vernachlässigten Menschen auf dieser Erde denke. Es dreht mir das Herz im Leib herum, auch wenn sie gerade keine Schlagzeile in den Medien wert zu sein scheinen – noch nicht einmal das!

 

Wenn es für mich ein Privileg ist, auf dieser Welt zu sein, dann ist es umso mehr mein Privileg, und meine verdammte Christenpflicht und Schuldigkeit, für die zu sprechen, deren Menschenwürde missachtet wird!

Das Wort aus dem Jesajabuch sagt mir: 'Gott glaubt an dich!' Und er tut auch heute noch Wunder, Stunde um Stunde, Tag für Tag!

Wo kannst du heute ein Wunder tun im Namen der Menschenwürde? Wo kannst du heute dafür sorgen, dass die nicht vergessen werden, die nicht für sich selber sprechen können?

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Glaubensbekenntnis


Ich glaube an Gott, der die Welt nicht fertig geschaffen hat wie ein Ding, das immer so bleiben muss;

der nicht nach ewigen Gesetzen regiert, die unabänderlich gelten

nicht nach natürlichen Ordnungen von Armen und Reichen,

Sachverständigen und Uninformierten,

Herrschenden und Ausgelieferten,

 

Ich glaube an Gott,

der den Widerspruch des Lebendigen will und die Veränderung aller Zustände, durch unsere Arbeit, durch unsere Politik.

 

Ich glaube an Jesus Christus, der recht hatte, als er - ein einzelner, der nichts machen kann - genau wie wir, an der Veränderung aller Zustände arbeitete, und darüber zugrunde ging.

An ihm messend erkenne ich, wie unsere Intelligenz verkrüppelt, unsere Phantasie erstickt, unsere Anstrengung vertan ist,

weil wir nicht leben wie er lebte!

 

Jeden Tag habe ich Angst, dass er umsonst gestorben ist, weil er in unseren Kirchen verscharrt ist, weil wir seine Revolution verraten haben in Gehorsam und Angst vor den Behörden.

Ich glaube an Jesus Christus, der aufersteht in unser Leben dass wir frei werden von Vorurteilen und Anmaßung, von Angst und Hass; und seine Revolution weitertreiben auf sein Reich hin!

 

Ich glaube an den Geist, der mit Jesus in die Welt gekommen ist, an die Gemeinschaft aller Völker, und unsere Verantwortung für das, was aus unserer Erde wird: ein Tal voll Jammer Hunger und Gewalt oder die Stadt Gottes;

 

Ich glaube an den gerechten Frieden, der herstellbar ist, an die Möglichkeit eines sinnvollen Lebens für alle Menschen, an die Zukunft dieser Welt Gottes. Amen

 

(von Dorothee Sölle)


"Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen."

(Apostelgeschichte 4, 32- 37)

 

Nächstenliebe, kaum ein anderes Thema wird so eng in Verbindung mit dem christlichen Glauben gebracht. Damit gehen oft Erwartungen einher, denen kaum jemand gerecht werden kann. Immer nett. Immer freundlich. Immer auf das Beste für den Nächsten bedacht. Wenn man nach Nächstenliebe im Internet sucht, lauten die ersten zwei Ergebnisse: „Was ist christliche Nächstenliebe?“ und „Was ist das Doppelgebot der Liebe?“ Selbst für Google und die Algorithmen des Internets ist Nächstenliebe eng mit dem Christentum verbunden.

 

Der heutige Predigttext beschreibt das Ideal der Nächstenliebe anhand der Gemeinschaft der ersten Christ*innen. Lukas schreibt in der Apostelgeschichte, dass die ersten Christ*innen „ein Herz und eine Seele“ waren. Hierbei kommt dem ein oder anderen vielleicht eine Fernsehserie in den Sinn, die von weniger Harmonie geprägt war, als es die Redewendung nahelegte. Lukas bleibt nicht bei diesem harmonischen Bild, sondern seine Beschreibung geht sogar soweit, dass klar wird: Die Christ*innen lebten in einer Gütergemeinschaft. Doch bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Sprichwörter haben auch immer einen wahren Kern. So kann ich der idyllischen Harmonie von Lukas auch nicht so recht trauen. Später ist in der Apostelgeschichte zu lesen, dass doch nicht immer alles so harmonisch verlief. Und durchgesetzt hat sich diese Art der Gemeinschaft auch nicht. Das hat sicher seine Gründe.

 

Doch was machen wir nun mit diesen krassen Anforderungen? Das Thema des heutigen Sonntags lautet „Der Glaube im Alltag“. Den Glauben durch Nächstenliebe sichtbar machen. So könnte die Konsequenz aus den Beobachtungen bis jetzt lauten. Aber endet das nicht in unserer Überforderung? Was ist, wenn ich mal nicht gut drauf bin? Gar unfreundlich zu meinem Nächsten? Was ist, wenn ich mich selbst nicht liebe(n kann), wie soll ich dann meinen Nächsten lieben? Vergesse ich bei der ganzen Nächstenliebe auch manchmal mich selbst zu lieben? Sigmund Freud griff genau diese Fragen auf und formulierte, dass die Nächstenliebe in dieser absoluten Form „die stärkste Abwehr der menschlichen Aggression [ist]. Das Gebot ist undurchführbar.“

 

Ich denke nicht, dass das Gebot undurchführbar ist und dass unbedingte Harmonie Ausdruck dieser Liebe sein muss. Die Bibel erzählt von Erfahrungen, die Menschen mit Gott machten. Menschen mit all ihren Fehlern. Menschen in ihrer Unvollkommenheit. Selbst Jesus war nicht immer harmonisch. Als er zu dem sinkenden Petrus sagt: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“, kann ich darin auch nicht nur das geringste Zeichen der Nächstenliebe entdecken. Und so ist es. Manchmal sind wir enttäuscht, traurig, wütend oder einfach nur schlecht drauf. Das macht uns nicht zu schlechten Christ*innen, sondern zu Menschen. Zu Menschen, die von Gott auch mit ihren Fehlern angenommen sind, denn „wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden“ (Röm 5,20).

 

Bleiben Sie behütet.

 

Gemeindepädagogin Ulrike Freihofer, Region Querfurt

Psalm


Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

 

Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

 

Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

 

Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

 

Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

 

Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.

 

Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

 

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.

 

Wohl dem, der auf ihn trauet!

 

Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!

 

Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

 

Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

 

Psalm 34, 2-11


"Gott ist die Liebe.

Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (1. Johannes 4,16)

 

Am Sonntag feiern wir Trinitatis, das Fest der Dreifaltigkeit Gottes. Warum tun wir das, und worum geht es bei diesem Fest? Für mich geht es um die Liebesgeschichte Gottes mit uns Menschen.

 

Gott liebt die Welt, sonst hätte er sie nicht geschaffen. Und er liebt die Menschen, also uns, dich und mich. Wir sind seine Geschöpfe. Als Schöpfer ist er Gott über mir.

 

Zugleich ist Gottes Liebe so groß, dass er in Jesus zur Welt kommt. In Jesus verschenkt er sich an uns, er hält nichts zurück, selbst das Leben seines Sohnes nicht. Als Liebender ist er Gott neben mir und mit mir.

 

Gottes Liebe ist noch größer, er sendet den Heiligen Geist. Weil er mit uns verbunden sein will. Weil er in unserer Nähe sein will. Als Heiliger Geist ist er Gott in mir.

 

Trinitatis bringt mich zum Staunen über diesen großen Gott! Er macht sich die Mühe, mich wichtig zu finden! Er macht sich die Mühe, mich zu beschenken mit seiner Liebe! Dieser unendliche große Gott nimmt sich meiner an, er sieht mich! Vor Gott bin ich jemand! Ich bin nicht nebensächlich im weiten Weltall, ich brauche mich niemals unter Wert zu verkaufen.

 

Ich habe eine Würde, weil der liebende Gott sich so um mich müht. Und das hat Folgen: ich behandele andere mit derselben Würde.

 

Die Liebe Gottes ist nicht bloße Theorie; sie ist eine begeisternde Praxis. Sie steckt an. Wenn ich ein geliebter Mensch Gottes bin, dann kann ich gar nicht anders, als diese Liebe weiter zu geben. Die Liebe begeistert mich, sie versetzt mich in Bewegung, in Schwung.

 

An Trinitatis feiere ich den von Liebe bewegten Gott, der mich zur Liebe bewegt. Dieser Gott, der die Liebe ist, ist alles andere als starr oder unbeweglich, oder festgefügt. Er ist dynamisch, er verändert sich, er will in Gemeinschaft und im Gespräch sein.

 

Gott will und kann nicht bei sich bleiben, sondern er will bei uns sein.

 

Wenn ich an den dreieinigen Gott glaube, dann macht das meinen Glauben ein Stück weit persönlicher. Es bringt mich Gott näher. Ich spüre den Vater, der mich liebt, der mir vergibt und der mich behütet. Ich spüre Jesus, der mich versteht, der mich kennt und der mich so liebt, wie ich bin. Ich spüre den liebenden Geist Gottes, der mich hoffen lässt, der mich stärkt, der mir Zuversicht gibt.

 

Ich bin nicht allein, ich stehe in der Gemeinschaft der Kirche, eine Gemeinschaft, die wichtiger ist, als es viele merken. Ich habe immer einen Ort und Menschen, wohin ich gehen kann.

 

Die Kirche ist vielfältig. Genau wie der christliche Glaube vielfältig ist und bunt und immer in Bewegung. Weil Gott selbst in sich bunt und lebendig und vielfältig ist.

 

Magst du dir Gottes Liebe schenken lassen? Und wem willst du sie weiterschenken?

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Psalm


Auf dich vertraue ich.

Ich habe es gehört: Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt! Harre des Herrn!

 

Du hörst mein Rufen. Du verstehst mein Seufzen.

Tief im Herzen weiß ich:

Dich suchen und dich finden, das ist es, was ich brauche.

 

Deine Stimme möchte ich hören,

von Angesicht zu Angesicht dir begegnen.

Nichts soll zwischen dir und mir sein.

 

Zeige mir den rechten Weg.

 

Ebne du die Straße durch diese Zeit.

Bewahre mich in den Engpässen und in den vielen Gefahren des Lebens.

 

Hätte ich keine Hoffnung, und wärest du nicht mein Ziel,

was bliebe mir dann?

Nun aber bin ich voll Zuversicht, deine Güte zu erleben.

 

Auf dich vertraue ich.

Ich habe es gehört: Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt! Harre des Herrn!

 

(nach Psalm 27)


"Alle Jünger wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt

und fingen an, in fremden Sprachen zu reden.

Die Menge kam zusammen. Fassungslos hörte jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden.

„Wie ist das möglich?“ riefen sie."

(Apostelgeschichte 2, 4-8)

 

Das klingt zu schön, um wahr zu sein: Menschen verstehen einander. Obwohl sie verschiedene Sprachen sprechen.

 

Meine Alltagserfahrung ist eine andere: obwohl wir dieselbe Sprache sprechen, reden wir doch häufig aneinander vorbei. Es gelingt mir nicht, den richtigen Ton zu treffen. Meine Worte kommen beim anderen nicht an. Dass wir die gleiche Sprache sprechen, heißt noch lange nicht, dass wir uns auch verstehen.

 

Viel zu oft bin ich im Gespräch abgelenkt und unkonzentriert, ich bin in Gedanken mit mir selbst beschäftigt, ich höre nur mit halbem Ohr zu und feile innerlich bereits an meinem nächsten Argument. Wenn meine Aufmerksamkeit nicht bei meinem Gesprächspartner ist, dann überhöre ich ganz schnell die Frage oder das Anliegen des anderen. Ich ziehe voreilige Schlüsse, ich reagiere zu schnell, will immer die passende Antwort parat haben, will unbedingt etwas loswerden. Missverständnisse häufen sich, wir reden aneinander vorbei, geraten vielleicht sogar in Streit.

 

Wir verstehen uns einfach nicht.

 

Kann es das geben, wovon die Pfingstgeschichte erzählt?

 

Gibt es eine Sprache, die wir lernen können, damit wir uns besser verstehen? Ich meine jetzt nicht Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Russisch. Es geht nicht um Vokabeltraining, sondern um die Art, wie wir miteinander sprechen.

 

Ich wünsche mir in jedem Gespräch, in jeder Diskussion ein Pfingstwunder! Einen anderen, einen neuen Geist, um so zu sprechen, dass andere mich verstehen.

 

Was müsste das für ein Geist sein? Jedenfalls kein überheblicher Geist, so nach dem Motto: ich weiß es besser, meine Idee ist die richtige, ich habe Recht!

 

Ich glaube, das Pfingstwunder beginnt da, wo ich dir auf Augenhöhe begegne. Der Geist von Pfingsten weht da, wo ich vor allem Sprechen erst einmal zuhöre, wo ich nicht gleich jedes Wort auf die Goldwaage lege, wo ich dir zuerst mein Wohlwollen und mein Verstehenwollen entgegen bringe.

 

Das Pfingstwunder beginnt mit meinem Willen, dich besser zu verstehen. Und diesen Willen schenkt mir Gott durch seinen Geist.

 

Ich bin sicher: Du verstehst mich, wir verstehen uns, wenn ich mich dir wirklich zuwende, wenn ich bereit bin, dir auch meine Schwäche zu zeigen, meine Verletzlichkeit, meine Sprachlosigkeit und mein Ringen um die richtigen Worte.

 

Pfingsten erzählt von gelingender Kommunikation. Es ist ein Wunder, wenn wir uns einander zuwenden, wenn wir aufmerksam und mitfühlend zuhören und uns wirklich verstehen.

 

Wen möchtest du heute verstehen? Wem wirst du dich heute achtsam zuwenden? Mit wem wirst du heute das Pfingstwunder neu erleben?

 

Es ist möglich, dass wir einander jeder in seiner eigenen Sprache reden hören und verstehen. Ich wünsche dir dein Pfingstwunder!

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

Psalm


Gott ist der Gedanke, der mir neue Hoffnung gibt.

 

Gott ist der Ort, an dem ich in meiner Angst geborgen bin.

 

Gott ist die Kraft, die mich in meiner Furcht nicht fallen lässt.

 

Gott ist der gute Geist, mit einem Blick durchschaut er uns Menschen.

 

Gott ist der Gerechte, mit einem Fingerzeig trennt er die Guten von den Bösen.

 

Gott ist der Herr, seine Gerechtigkeit breitet sich aus über die ganze Erde.

 

(Psalm 11 nach Hüsch/ Seidel)


"GOTT SAGT: ICH WILL MEIN GESETZ IN IHN HERZ GEBEN UND IN IHREN SINN SCHREIBEN, UND SIE SOLLEN MEIN VOLK SEIN, UND ICH WILL IHR GOTT SEIN."

(Jeremia 31,33)

 

Fehlt dir Gott? Viele sagen heute: Nö - der fehlt mir nicht. Den kenn ich nicht. Gibt’s den überhaupt? Ist der nicht nur ein Hirngespinst?

 

Was fehlt dir? Dazu fällt vielen Menschen eine Menge ein: Ich bin einsam, ich fühle mich allein, ich habe niemanden zum Reden. Das Gefühl kennen viele von uns. Mein Freund, meine Freundin ist ausgezogen. Mit den Worten „Ich liebe dich nicht mehr“ ist die Tür ins Schloss gefallen und ich bin allein.

Oder ein geliebter Mensch ist gestorben. Der Platz, wo er immer gesessen hat, ist leer. Jeder Gegenstand, den er oder sie einmal berührt hat, erinnert mich an ihn oder an sie.

Die Düsternis, die sich manchmal im Leben ausbreitet, hat viele Namen.

Schicksalsschläge, Enttäuschungen, das sind Erfahrungen, die weh tun, und ich verstehe gut, wenn manch einer sagt: Jetzt fühle ich von Gott und der Welt verlassen. Ich nenne es meine Wüstenzeiten, wenn ich mich so fühle.

Manchmal kommt Gott einem so unverständlich vor. So fern. So abgehoben von der Realität. Und für viel zu viele ist Gott sowieso schon längst unbekannt verzogen. Keine Ahnung, wo er wohnt, sagen sie. Wie er heißt. Was er tut. Was er will.

 

Aber auch das andere gibt es. Wo ist und wer ist Gott? fragen Menschen. Sie suchen. Manchmal wissen sie gar nicht genau, was. Sie suchen. Wir suchen. Etwas, das einem den Sinn erklärt.

Da ist eine Sehnsucht tief in uns Menschen, ich bin sicher. Eine Sehnsucht, die Bruchstücke unseres Lebens wieder zusammenzufügen zu einem guten Ganzen.

Der Prophet Jeremia kennt diese Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Sinn. Die Sehnsucht nach dem nächsten Schritt. Die Sehnsucht nach etwas Neuem. Von einem neuen Bund spricht Jeremia. Und er meint keine Buchstaben, keine Vorschriften, nichts Eingetrichtertes. Er meint etwas, das im Herzen passiert.

 

Ich will mein Gesetz in euer Herz geben und in euren Sinn schreiben, und ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

 

Gott will, dass du lebst!

Gott will bei dir wohnen, ganz nah, in deinem Herzen, bei dir.

Das Gesetz im Herzen! Geboren aus der Liebe zwischen Gott und Mensch. Und diese Liebe umfasst alles: das Unglückliche, das Kaputte, genauso wie das Glückliche, Schöne.

 

Gott will, dass du lebst!

Er bindet dich ein in seine Liebe und lässt dich deshalb los. Zärtlich liebt sich Gott in dein Herz hinein, damit du in die Welt hinaus gehen kannst. Stark. Damit du Bündnisse für das Leben schließt. Für das Leben und gegen den ganzen Irrsinn der tobenden Welt. Für das Leben, für die Schöpfung, für eine Welt, die niemandem gehört, für die aber jeder verantwortlich ist!

 

Gott will, dass du lebst!

Er macht dich achtsam dafür, wie du mitten im Durcheinander neue Anfänge finden kannst.

Gott liebt sich in dein Herz, damit du in die Welt gehst und Bündnisse für das Leben kreierst. Bündnisse mit Perspektive und Horizont. Damit kein Mensch mehr sagen muss: Gott fehlt. Mir. In dieser Stadt. In diesem Land. In dieser Welt.

 

Sondern, im Gegenteil, wo das Herz erkennt: Gott wohnt hier. Mitten unter uns.

 

Gott will, dass du lebst!

Er liebt sich in dein Herz. Das bringt dich in Bewegung.

 

Wo finde ich, wo findest du Bündnispartner für das Leben? Wo kann ich, wo kannst du heute anfangen, für die Schöpfung und für den Frieden zu arbeiten?

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

PSALM


Halte uns fest, Herr. Denn wir halten fest an dir.

 

Du hast dich zu uns geneigt, und wir kennen nichts Besseres als dich.

 

Einige hören auf dich. Auf sie wollen wir achten.

 

Andere nennen deinen Namen, aber sie meinen sich selbst.

 

Das verschließt uns den Mund: Wir können von ihnen nichts lernen.

 

Der Herr ist unser bestes Teil. Er gibt uns, was wir brauchen.

 

Vor ihm wollen wir fröhlich sein.

 

Er sprach uns frei. Tagsüber lobt ihn unser Lied und des Nachts der Schlag unserer Herzen.

 

Wir haben ihn stets vor Augen. Er steht uns bei. Wir kommen nicht zu Fall.

 

Unsere Straße führt in offenes Land, in welchem die Freude lacht.

 

Du zeigst uns den Weg zum Leben.

 

(Psalm 16)