Andacht zur Woche


"GOTT SAGT: ICH WILL MEIN GESETZ IN IHN HERZ GEBEN UND IN IHREN SINN SCHREIBEN, UND SIE SOLLEN MEIN VOLK SEIN, UND ICH WILL IHR GOTT SEIN."

(Jeremia 31,33)

 

Fehlt dir Gott? Viele sagen heute: Nö - der fehlt mir nicht. Den kenn ich nicht. Gibt’s den überhaupt? Ist der nicht nur ein Hirngespinst?

 

Was fehlt dir? Dazu fällt vielen Menschen eine Menge ein: Ich bin einsam, ich fühle mich allein, ich habe niemanden zum Reden. Das Gefühl kennen viele von uns. Mein Freund, meine Freundin ist ausgezogen. Mit den Worten „Ich liebe dich nicht mehr“ ist die Tür ins Schloss gefallen und ich bin allein.

Oder ein geliebter Mensch ist gestorben. Der Platz, wo er immer gesessen hat, ist leer. Jeder Gegenstand, den er oder sie einmal berührt hat, erinnert mich an ihn oder an sie.

Die Düsternis, die sich manchmal im Leben ausbreitet, hat viele Namen.

Schicksalsschläge, Enttäuschungen, das sind Erfahrungen, die weh tun, und ich verstehe gut, wenn manch einer sagt: Jetzt fühle ich von Gott und der Welt verlassen. Ich nenne es meine Wüstenzeiten, wenn ich mich so fühle.

Manchmal kommt Gott einem so unverständlich vor. So fern. So abgehoben von der Realität. Und für viel zu viele ist Gott sowieso schon längst unbekannt verzogen. Keine Ahnung, wo er wohnt, sagen sie. Wie er heißt. Was er tut. Was er will.

 

Aber auch das andere gibt es. Wo ist und wer ist Gott? fragen Menschen. Sie suchen. Manchmal wissen sie gar nicht genau, was. Sie suchen. Wir suchen. Etwas, das einem den Sinn erklärt.

Da ist eine Sehnsucht tief in uns Menschen, ich bin sicher. Eine Sehnsucht, die Bruchstücke unseres Lebens wieder zusammenzufügen zu einem guten Ganzen.

Der Prophet Jeremia kennt diese Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Sinn. Die Sehnsucht nach dem nächsten Schritt. Die Sehnsucht nach etwas Neuem. Von einem neuen Bund spricht Jeremia. Und er meint keine Buchstaben, keine Vorschriften, nichts Eingetrichtertes. Er meint etwas, das im Herzen passiert.

 

Ich will mein Gesetz in euer Herz geben und in euren Sinn schreiben, und ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

 

Gott will, dass du lebst!

Gott will bei dir wohnen, ganz nah, in deinem Herzen, bei dir.

Das Gesetz im Herzen! Geboren aus der Liebe zwischen Gott und Mensch. Und diese Liebe umfasst alles: das Unglückliche, das Kaputte, genauso wie das Glückliche, Schöne.

 

Gott will, dass du lebst!

Er bindet dich ein in seine Liebe und lässt dich deshalb los. Zärtlich liebt sich Gott in dein Herz hinein, damit du in die Welt hinaus gehen kannst. Stark. Damit du Bündnisse für das Leben schließt. Für das Leben und gegen den ganzen Irrsinn der tobenden Welt. Für das Leben, für die Schöpfung, für eine Welt, die niemandem gehört, für die aber jeder verantwortlich ist!

 

Gott will, dass du lebst!

Er macht dich achtsam dafür, wie du mitten im Durcheinander neue Anfänge finden kannst.

Gott liebt sich in dein Herz, damit du in die Welt gehst und Bündnisse für das Leben kreierst. Bündnisse mit Perspektive und Horizont. Damit kein Mensch mehr sagen muss: Gott fehlt. Mir. In dieser Stadt. In diesem Land. In dieser Welt.

 

Sondern, im Gegenteil, wo das Herz erkennt: Gott wohnt hier. Mitten unter uns.

 

Gott will, dass du lebst!

Er liebt sich in dein Herz. Das bringt dich in Bewegung.

 

Wo finde ich, wo findest du Bündnispartner für das Leben? Wo kann ich, wo kannst du heute anfangen, für die Schöpfung und für den Frieden zu arbeiten?

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

PSALM


Halte uns fest, Herr. Denn wir halten fest an dir.

 

Du hast dich zu uns geneigt, und wir kennen nichts Besseres als dich.

 

Einige hören auf dich. Auf sie wollen wir achten.

 

Andere nennen deinen Namen, aber sie meinen sich selbst.

 

Das verschließt uns den Mund: Wir können von ihnen nichts lernen.

 

Der Herr ist unser bestes Teil. Er gibt uns, was wir brauchen.

 

Vor ihm wollen wir fröhlich sein.

 

Er sprach uns frei. Tagsüber lobt ihn unser Lied und des Nachts der Schlag unserer Herzen.

 

Wir haben ihn stets vor Augen. Er steht uns bei. Wir kommen nicht zu Fall.

 

Unsere Straße führt in offenes Land, in welchem die Freude lacht.

 

Du zeigst uns den Weg zum Leben.

 

(Psalm 16)


Alte Andachten


"SIE ALLE HIELTEN EINMÜTIG FEST AM GEBET"

(Apostelgeschichte 1, 14a)

 

Vor 156 Tagen feierten wir die Geburt von Jesus Christus. Ein wichtiger Tag in unserem Leben. Einer der wichtigsten. Ein Tag der Familie und der Geschenke, denn Gott schenkte uns seinen Sohn. Aber dieser Tag ist nur der Anfang. Der Anfang unserer Erlösung.

 

Vor 42 Tagen erlebten wir den Kreuzweg Jesu mit, bis hin zur Kreuzigung und dem Tod von Jesus Christus. Ein Tag der Trauer, vor allem für seine Freunde, die dabei waren. Alles schien verloren. Ihr Retter, der Messias, war tot und mit ihm gingen unsere Sünden.

 

Vor 40 Tagen dann das Wunder. Ostern. Der Herr, Jesus Christus, ist auferstanden. Mit der Auferstehung schenkte uns Gott unsere Erlösung. Wir brauchen keine Angst zu haben vor dem Tod. Die Jünger konnten es kaum glauben.

 

Seit dieser Zeit begegnete Jesus seinen Freunden immer wieder. Dann wussten sie: Jesus lebt. Er ist bei uns. Sie erlebten eine intensive österliche Zeit der Freude, weil sie Zeugen waren, von dem Wunder der Auferstehung Jesu.

 

Und heute feiern wir Jesu Himmelfahrt. Ein fröhlicher Tag, weil Jesus zu seinem Vater in den Himmel zurückkehren kann. Ein trauriger Tag für die Jünger, denn sie verlieren Jesus schon wieder, obwohl sie gerade so guter Stimmung waren, weil er den Tod besiegt hatte und bei ihnen war.

 

Abschied nehmen … das fällt vielen Menschen schwer.

 

Oft geben wir uns das Versprechen, dass wir uns wiedersehen, um den Schmerz zu lindern. Und auch Jesus gab den Jüngern ein Versprechen: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen!

 

Wir küssen und umarmen uns zum Abschied, um uns unsere Zuneigung und Liebe zu zeigen, um den Abschied leichter zu machen. Auch Jesus verabschiedet sich mit dem Zeichen seiner Liebe. Er segnet die Jünger, bevor er auffährt in den Himmel.

 

Und wir versichern uns, dass wir aneinander denken wollen, während wir uns nicht sehen, wir wollen uns oft schreiben oder telefonieren und von unseren Erlebnissen erzählen. Und auch Jesus gibt den Jüngern den Auftrag zu erzählen von dem, was sie mit ihm erlebt haben.

 

Und so sehen sie zu, wie Jesus vor ihren Augen auffährt in den Himmel. Und wieder beginnt für sie eine unsichere Zeit des Wartens. Jesus hat ihnen versprochen den Heiligen Geist zu schicken. Nun warten sie darauf. Sie blieben in dieser unsicheren Zeit zusammen und sie alle hielten einmütig fest am Gebet.

 

Jesu Himmelfahrt ist der Anfang der Apostelgeschichte und sie ist der Anfang der christlichen Gemeinschaft. Der Anfang beginnt mit einem Abschied und Warten. Wir wissen, dass wir in 10 Tagen Pfingsten feiern werden, dass das Warten an diesem Tag für die Jünger Jesu endet. Deshalb können wir heute feiern!

 

Und wir alle halten einmütig fest am Gebet. Amen.

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Gemeindepädagogin Sarah von Biela

Segen


Gottes Himmel geht über uns auf.

 

Gottes Himmel geht auf uns über.

 

Gottes Himmel ist immer und überall da.

 

Er ist in mir.

 

Er ist um mich herum.

 

Er ist unter mir.

 

Er ist über mir.

 

Gottes Himmel ist immer und überall da.

 

Amen.


"DER HERR IST MEIN LICHT UND MEIN HEIL, VOR WEM SOLLTE ICH MICH FÜRCHTEN?"

(Psalm 27)

 

Da denke ich sofort an Gottes erstes Schöpfungswort: „Es werde Licht!“ Gott hat das Licht geschaffen. Ohne Licht wäre ein Leben auf unserem Planeten nicht möglich. Dieser Tatsache sind wir uns nur selten bewusst.

 

Ich denke an meine so geliebte Ostermorgenandacht um 6 Uhr. Wenn ich in der Kirche ankomme ist es dunkel, duster, grau, verhangen. Wenn wir das Osterlicht hereinholen und einander das Licht weitergeben, wird es immer heller, immer klarer um uns herum. Aus Schatten werden Menschen in deren freundliche, strahlende Gesichter ich schauen kann.

 

Eine meiner tiefsten Erfahrungen machte ich in einem Museum in den Niederlanden, das Blinde für Sehende eingerichtet haben. Sie nahmen uns an der Hand und führten uns ins Dunkel. Wir sahen nicht einmal mehr die sprichwörtliche Hand vor Augen. Nichts. Alles Schwarz. Mich überfiel totale Unsicherheit. Ich tappte und tastete. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich Vertrauen fasste. Ich hörte die Stimme meiner Begleiterin neben mir. Sie machte mich aufmerksam auf Geräusche. Sie wies mich auf unterschiedliche Bodenbeläge hin. Eine ganz neue Welt der Wahrnehmung tat sich mir auf. Und doch war ich unendlich froh, als ich wieder im Licht war. Es ist so selbstverständlich geworden, dass wir jeder Zeit und überall Licht haben. Der Griff zum Lichtschalter reicht, damit es hell wird und auf den Straßen leuchten so viele Lichter, dass die Sterne am Himmel kaum noch eine Chance haben, gesehen und bewundert zu werden. Ich werde die Erfahrung in dem Museum nie vergessen, wie hilflos ich ohne Licht im Dunkeln war.

 

Der Herr ist mein Licht und mein Heil.

 

Mir fällt ein, was Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ An Jesus können wir in der Welt Gottes Licht erkennen. In Jesu Reden und Handeln, scheint das Licht Gottes in die Welt hinein. Er erzählt von Gottes Liebe, die auch denen gilt, die Schuld auf sich geladen haben. Er heilt Kranke und eröffnet ihnen damit eine neue Zukunft. Er kann sich sogar dem Tod in den Weg stellen. Wer sein Leben an ihm orientiert, der tappt nicht mehr im Dunkeln, sondern hat das Licht des Lebens und das ist zum Weitergeben. Göttliches Licht überträgt sich. Wer sich von Gottes Licht erleuchtet weiß, strahlt selber. Und solche Lichtgestalten, die machen es in meinem Leben hell. Ich bin dankbar dafür, wenn ich das erlebe, wenn so etwas Helles aufblitzt: ein Lächeln, ein paar freundliche Worte von den Nachbarn gegenüber, ein Scherz der Kassiererin im Supermarkt. Da nimmt mich einer Wahr. Da hat ein Mensch Verständnis für mich. Da ist einer freundlich zu mir. Da strahlt eine einfach gute Laune aus. Und es berührt mich. Es lässt ein warmes Gefühl in meiner Seele zurück. Das Leben wird für einen Moment heller.

 

Ihr seid das Licht der Welt.

 

Das traut Jesus uns zu. Wo kann ich, wo kannst du heute mutig sein? Hoffnung ausstrahlen, jemanden stärken. Wo kann ich, wo kannst du der kleine Funke Hoffnung sein?

 

Ein Funke, kaum zu seh´n, entfacht doch helle Flammen. Und die im Dunkeln steh´n, die ruft der Schein zusammen. Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt, da wird die Welt von Licht erhellt. Da bleibt nichts, was uns trennt.

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Antje Böhme

LIED


PSALM


Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

 

Der Herr ist meines Lebens Kraft;

vor wem sollte mir grauen?

 

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu betrachten.

 

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.

 

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und erhöre mich!

 

Mein Herz hält dir vor dein Wort:

»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

 

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf.

 

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde

die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

 

Harre des Herrn!

 

Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

 

(aus Psalm 27)


"SINGET DEM HERRN EIN NEUES LIED, DENN ER TUT WUNDER." (PSALM 98,1) 

 

Singet dem Herrn ein neues Lied. 

 

Heute feiern wir den Sonntag Kantate. „Singet“ so fordert diese Überschrift. Aber wir dürfen nicht. Zumindest nicht gemeinsam in unseren Gottesdiensten. Natürlich aus gutem Grund und doch ist es komisch. Dort, wo ab heute wieder Gottesdienst gefeiert wird, da passiert das unter strikten Auflagen. So haben wir noch nie gefeiert. Dieser Sonntag steht für die Freude an Gottes guter Schöpfung. Für den Dank für seine wunderbare Welt. Normalerweise wird das groß gefeiert – viel besungen. Alle Chöre sind auf den Beinen. Einer der fröhlichsten Gottesdienste im Kirchenjahr. Und dieses Jahr?

 

Singet dem Herrn ein neues Lied.

 

Die Welt war schon immer eine gebrochene, aber auch immer eine gerettete Welt, voller Wunder und Liebe, voller Freude und Hoffnung. Vielleicht heißt Danken und Loben gerade nicht nur Danken und Loben, wenn alles gut ist. Dieses Jahr mischt sich in das Lob Sorge, Ohnmacht und Ungewissheit. Da wird auch Klage sein im Gottesdienst, im Gebet zu Hause. Da werden Fragen stehen bleiben und der Mund sich nicht zum Gesang öffnen.

 

Und doch glaube ich, dass wir singen können. Neue Lieder, auf eine neue Art und Weise. Singen und loben, in all dem Lärm der Zeit mit ganz sanften Tönen, lautlos und doch voller Kraft. Anders, jeder auf seine eigene Art und Weise. Aber ja, lasst uns singen – in uns drin – in die Welt – heute singt das Herz, voll Vertrauen auf Gottes Wunder. Voller Dank dafür, was wir schon geschafft haben mit seiner Hilfe. Und wir haben viel geschafft. Lasst uns weiter machen, weiter glauben, weiter hoffen, weiter beten, weiter singen! 

 

Singet dem Herrn ein neues Lied.

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf

Lied


Psalm


Neue Lieder sollen wir singen, feiern das Fest der Befreiung. Gute Worte sollen wir finden, feiern das Fest der Erlösung.  Gelöste Tänze sollen wir tanzen, feiern das Fest der Errettung.

 

Der Herr unser Gott, hat an seinen Kindern Gefallen gefunden; denn sie stehen auf der Seite der Unterdrückten. Der Herr, unser Gott, hat an euch Gefallen gefunden, denn ihr sorgt für eine menschliche Zukunft.

 

Lobt den Herrn von den Enden der Erde;

lobt ihn aus eurer Einsamkeit,

lobt ihn aus eurer Ohnmacht,

lobt ihn aus eurer Freude.

 

Lobt ihn au eurer überschwänglichen Liebe, lobt Gott, den Herrn, von der Erde bis zum Himmel; denn er ist Mensch geworden und zu uns hinabgestiegen, herunter gekommen zu uns, damit die Finsternis hell werde.

 

Lobt Gott in der Dunkelheit mit euren kleinen und großen Lichtern in der Welt. Lobt ihn mit alten Klängen und neuen Tönen, lobt ihn, mit allem, was ihr seid.

 

(Psalm 33 - nach Uwe Seidel)


„DEN FRIEDEN LASSE ICH EUCH, MEINEN FRIEDEN GEBE ICH EUCH. NICHT GEBE ICH EUCH, WIE DIE WELT GIBT.

EUER HERZ ERSCHRECKE NICHT UND FÜRCHTE SICH NICHT.“

(JOHANNES 14,27)

 

Ich bin 34 Jahre alt und als ich 1985 geboren wurde, lebte ich im damaligen „Westdeutschland“. Ich wuchs behütet auf, von den damaligen Konflikten bekam ich nicht viel mit, dafür war ich zu jung. In meiner Kindheit und Jugend fühlte ich mich sicher. Um mich war Frieden. Im Privaten und auch im größeren Kontext um mich herum. Ich durfte also die typischen Kindheits- und Jugenderfahrungen machen. Die Welt erforschen und verstehen. Spielen, lernen, lieben, geliebt werden. Erwachsen werden, Fehler machen, zu mir selbst finden. Wie schön, dass ich dafür Zeit hatte, weil Friede war.

 

Frieden. Ganz klassisch meint dieser Begriff, die Abwesenheit von Krieg. Der Friedensbegriff kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutete ursprünglich Schutz, Sicherheit. Frieden entlässt Gewalt und Waffen und schafft Heimat. 

 

Dieser Frieden ist aber nur die äußerliche Hülle von dem Frieden, den wir in der Bibel finden. Es ist nur die äußere Hülle von dem, was in mir Frieden schafft. „Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.“ So sagt es Jesus. Sein Frieden, den er verspricht, der ist ein anderer. Der ist mehr.  

 

So ist auch der Frieden, auf den ich als Christin warte, mehr als die Abwesenheit von Krieg. Im Moment erlebe ich Angst um den Frieden. Den äußeren Frieden, aber auch den Frieden in mir drin. Wir sind jetzt in einer komischen Übergangszeit angekommen. Nach Wochen der Isolation und des Rückzugs geht es nun weiter. Langsam, etwas ungeordnet und unterschiedlich an verschiedenen Orten in unserem Land. Wir können uns wieder bewegen, aber der Virus ist noch nicht besiegt. Wir müssen weiterhin vorsichtig sein. Rücksicht aufeinander nehmen. Und das wird nun mehr als vorher in der eigenen Verantwortung liegen. Da gibt es Streit und unterschiedliche Meinungen. Da wird es härter im Ton. Der Zusammenhalt wackelt.

 

Auch in den Kirchen. Wir dürfen wieder Gottesdienste feiern, aber mit strikten Auflagen. Aus gutem Grund. Manche verzichten dann lieber auf die Formate vor Ort, bleiben digital, im Gebet, in Gedanken verbunden. Andere wollen unbedingt wieder zusammenkommen, planen und versuchen, allen Vorsichtsmaßnahmen gerecht zu werden. Wieder anderen ist das alles zu viel und unnötig. Unterschiedlicher Umgang mit der Öffnung, mit der Verantwortung. Wer hat Recht, wer hat Unrecht? 

 

Ich glaube, gerade gibt es darauf keine Antwort. Um Frieden zu wahren, müssen wir uns in all der Unterschiedlichkeit annehmen und zusammenbleiben. Darauf hören, was entschieden wird, im Vertrauen darauf, dass es aus den richtigen Gründen entschieden wurde.  Nicht aufeinander wütend werden und uns beschweren. Sondern Zusammenhalt üben und Vertrauen. 

 

In den nächsten Wochen werden die Bundesländer unterschiedliche Regelungen haben, Kirchgemeinden unterschiedliche Angebote machen. Menschen unterschiedlich auf die wiedergewonnenen Freiheiten reagieren. Solange wir dabei mit Rücksicht aufeinander agieren, ist die Unterschiedlichkeit einfach ein Ausdruck davon, wie kompliziert es im Moment ist. Und es ist kompliziert. 

 

Ich glaube, den äußeren Frieden finden wir nur durch Wohlwollen und Akzeptanz in der Unterschiedlichkeit. Unterschiedlichkeit, die wohlgemerkt dem Leben und den Menschen, der Solidarität untereinander folgt. 

 

Den inneren Frieden finden wir aber nicht in Zeitungen, in Nachrichten, nicht in Verordnungen, nicht in Worten, nicht in Kirchen. Wir finden ihn in uns. Dort, wo Gott lebt. In unserem Herzen. Dort zu allererst. Und diese Begegnung ist auch in Corona Zeiten immer möglich gewesen. Nie abgebrochen, nie verboten gewesen. Dieser Ort ist immer zugänglich, ganz ohne Hygienemaßnahmen und Schutzvorschriften. 

 

So hoffe ich, dass wir diesen Ort aufsuchen in der nächsten Zeit. Um dort Frieden zu finden und diesen dann weiter geben zu können. Denn das Frieden wird, liegt auch an uns. Und wir brauchen ihn so dringend.

 

Daher bitte ich dich Gott: Verleih uns Frieden gnädiglich. Amen

 

Ihre Pfrn. Jennifer Scherf

Psalm


Ich stehe unter Gottes Schutz.

Er lässt mich nicht ins Leere laufen und macht aus mir keinen Kriegsknecht. Sondern so wie ich bin, bin ich sein Mensch. Ich suchen den Frieden und will mich nicht ausruhen. Die Erde ist nicht hohl, sondern Gottes Herz.

 

Ich stehe unter Gottes Schutz.

Ich bin sein Fleisch und Blut und meine Tage sind von ihm gezählt. Er lehrt mich, den zu umarmen, dessen Tage ebenfalls gezählt sind und alle in die Arme zu nehmen. Weil wir die Trauer und die Freude teilen wollen, dass beide wie Leib und Seele zusammen sind

 

Ich stehe unter Gottes Schutz.

Ich weiß das seit geraumer Zeit. Er nahm den Gram und das Bittere aus meinem Wesen und machte mich fröhlich. Ich will hingehen alle anzustecken mit Freude und Freundlichkeit, auf dass die Erde Heimat wird für alle Welt. Durch seinen Frieden. Durch unseren Glauben.

 

Schalom (Frieden) in Dorf und Stadt!

 

(Nach Psalm 18 - Uwe Seidel)


26. April 2020

"DER HERR IST MEIN HIRTE, MIR WIRD NICHTS MANGELN."

(PSALM 23,1)

 

Dieser Vers ist wohl der bekannteste innerhalb der biblischen Psalmen. Psalm 23. Gerade die älteren Menschen können den Psalm fast alle auswendig, war er doch schließlich mal Auswendiglern-Repertoire in ihrer Konfirmandenzeit. Doch auch die Jüngeren wählen ihn immer gern mal wieder für Taufen aus, oder zu ihrer Konfirmation. Das tröstende Hirtenbild ist so vertraut. Jesus mit Lamm auf der Schulter oder mit Hirtenstab in der Hand. Auch das Wort „Pastor“ bedeutet „Hirte“ und ist damit mit einem bestimmten Leit- und Erwartungsbild verknüpft. Einem freundlichen, hilfsbereiten. Doch was ist es eigentlich, was diesen Begriff so positiv besetzt?

 

In der Bibel wird der gute Hirte als jemand beschrieben, der sich ganz mit seiner Aufgabe identifiziert. Das Wohl der Schafe, der Schutzbefohlenen bedeutet ihm alles. Gott selbst wird in Psalm 23 als guter Hirte beschrieben. Auch Jesus bezeichnet sich selbst als guter Hirte. Im Alten Testament erscheint der Begriff des Hirten bei vielen bekannte Personen. Jakob, Mose und viele Andere. Zunächst sind sie Schafhirten im eigentlichen Sinne, letztlich aber alle Hirten von Menschen - und sie alle erfüllen ihr Amt mit Liebe und Fürsorge. 

 

Mir ist aufgefallen, dass ich beim guten Hirten auch nicht an einen Berufsstand denke. Hirten kenne ich nämlich nicht einen, zumindest nicht im klassischen Sinn. Ich denke an Gott und ich denke dabei an viele Menschen. Menschen, die ich als „gute Hirten“, „gute Hirtin“ bezeichnen würde.  Menschen, die ich mit Bewunderung betrachte, die das, was sie tun, mit Begeisterung tun, mit aller nötigen Konsequenz, mit Herzblut. Menschen, die Fürsorge und Verantwortung tragen für das, was sie tun und mit wem sie es tun. Die nicht danach fragen, was das Leichteste ist, sondern was das Richtige ist.

 

Der Hirtenbegriff wird von Gott und Jesus selbst verwendet. Es ist also eine Zusage darin. Eine, die Vertrauen schaffen kann, Hoffnung und Kraft, wenn wir sie denn glauben können. Doch der Hirtenbegriff ist noch mehr. Eine Zusage und eine Aufgabe. Guter Hirte, gute Hirtin zu sein, liegt nämlich auch in meiner Hand. Schutzbefohlene, gerade heute gibt es so viele davon, überall. In unterschiedlichen Ländern, an unterschiedlichen Orten, mit unterschiedlichen Problemen und Anforderungen. Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen: Hunger, Schutz, Heilung, Heimat, aber auch einfach Einsame, Ängstliche und Kranke.

 

Das Hirtenamt ist nicht Fernes. Das ist nicht nur die Pfarrerin von nebenan. Das Hirtenamt führt meines Erachtens nach jeder und jede einzelne von uns aus. So wie jede/r einzelne von uns manchmal auch Schutzbefohlene/r ist. Jede/r trägt Fürsorge für andere, jede/r geht einer Tätigkeit nach, sei es als Mutter oder Vater, als Bruder oder Schwester, als Ärztin oder Pfleger, als Verkäufer oder Lehrerin, Musikerin oder Künstler, als Freund oder Freundin. 

 

Vielleicht ist heute ein Tag, an dem ich einen Hirten oder eine Hirtin in meinem Leben brauche. Vielleicht bin ich heute sogar schon einem solchen Menschen begegnet. Vielleicht ist heute aber auch ein Tag, an dem ich ein Hirte oder eine Hirtin für andere sein kann. Möglichkeiten haben wir ja im Moment viele. Ich kann mich also auf den Weg machen voller Zuversicht. Denn ich weiß ja,  „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf

Psalm


Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit

werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben

im Hause des HERRN immerdar.

 

(Psalm 23)


20. April 2020

„ALLES HAT SEINE ZEIT“

(KOHELET 3,1)

 

Die Tage werden wieder länger, die Blumen beginnen zu blühen. Die ersten weißen Schneeglöckchen, Tulpen und Narzissen – und die Bäume sind wieder grün. Es wird bunt, ich sehe und rieche es. Ein Wechsel findet statt: die Sonne kommt heraus und das ganze Gemüt freut sich und wird leichter. Zeit für den Frühling mit Blick Richtung Sommer. Eine schöne Zeit: hell, bunt, fröhlich. 

 

Und das während dieser so verrückten Zeit in unserem Leben. Alles stagniert, alles ist anders als gewohnt. Die Geschäfte sind geschlossen, die Kindergärten und Schulen zu. Die meisten arbeiten von zu Hause aus, oder zumindest anders als bisher. Manch einer kann gar nicht mehr arbeiten. In den Kirchen gibt es keine Veranstaltungen mehr, nicht mal Gottesdienste. 

 

Stagnation in unserem Alltag. Und um uns herum wächst und blüht das Leben. Was für ein Widerspruch. Das scheint so unpassend.

 

Und doch ich spüre, wie es mich mitreißt, dieses Wachsen und Blühen. Die Ängste und Sorgen sind nur halb so groß, wenn die Sonne scheint, mich Wärme umgibt und soviel Farbe zu sehen ist. 

 

So ist das manchmal mit unserem Leben und den Zeiten darin. Zeiten liegen oft nicht nur nebeneinander, nein, sie liegen aufeinander, übereinander. Freude und Leid ganz nah zusammen, Neues und Altes nicht steril getrennt, sondern gemischt. Angst und Hoffnung, Trauer und Frohsinn, Sorge und Leichtigkeit. Manchmal fühlen wir alles auf einmal. Und das ist erschreckend und doch auch gut so. 

 

„Alles hat seine Zeit." Meistens hören wir diese Worte ja zu Unzeiten in unserem Leben. Wenn irgendetwas Schlimmes versucht wird, zu verstehen, oder wenn wir in Trauer sind. Dann sagt uns jemand diese Worte oder wir denken sie selbst. Ich spreche diese Worte oft bei Beerdigungen aber nie bei einer Taufe oder einer Trauung. Warum eigentlich? „Alles hat seine Zeit“ ist ja gar nichts Negatives. Es ist vielmehr eine Tatsache, an der wir nicht rütteln können. Aber das bedeutet eben auch, dass es die schönen Seiten des Lebens gibt, Zeiten voller Liebe, Zuwendung und Leben. Und das heißt manchmal auch, dass es verrückte Zeiten gibt, in denen plötzlich alle Gefühle auf einmal da sind. So wie jetzt.

 

Vieles stirbt täglich in unserem Leben - und vieles wird täglich neu in unserem Leben. Und gerade geschehen dieser Tod und diese Auferstehung zeitgleich. 

 

„Alles hat seine Zeit.“ Ich fülle diesen Satz heute mit Hoffnung. Und ich weiß, dass der Frühling, der mich umgibt, das Leben mit sich bringt. Ich spüre weiterhin diese sorgenvollen Gefühle in mir, doch ich spüre auch etwas anderes. Ich sehe mich um und sehe Gemeinschaft trotz Distanz, Vertrauen trotz Veränderung, Hoffnung trotz der Ängste, Zusammenhalt trotz der Streitigkeiten. Gott sei Dank. „Alles hat seine Zeit“. 

 

Gott segne uns alle. Amen

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf

Lied


Psalm


Du, Herr, kommst uns entgegen aus dem Tod zum Leben.

 

Du ist bei uns alle Tage und hilfst und in allen Zeiten. Ein Mensch den Menschen, ein König den Herrschenden. Ein Leidender den Kranken, ein Träumender den Hoffenden.

 

Du, Herr, kommst uns entgegen aus dem Tod zum Leben.

 

Die Unmündigen berührst du und sie tun ihren Mund auf gegen den Tod. Wir rufen, und du hilfst uns Tag und Nacht, wir schreien und du lässt uns nicht im Stich. Ein Mensch den Menschen, ein König den Herrschenden. Ein Leidender den Kranken, ein Träumender den Hoffenden.

 

Du, Herr, kommst uns entgegen aus dem Tod zum Leben.

 

(Psalm 21 - nach Uwe Seidel)


OSTERSONNTAG 12.04.2020

Küss mir den Tau vom müden Auge

Der Ostermorgen ist da

Die Tränen von Zorn und Wut 

und Ohnmacht und Schmerz,

sie sind dem Schlaf gewichen.

Dem kalte Hauch des Todes gleich

Angehalten - ausgehalten eine Nacht -

birgt nun hoffnungsvoll den Tau des Lebens.

Und nun küss ihn mir ab, den Tau voller Lichter,

dann kann mein Auge sehen.

Zeit und Stunde zu erleben,

in der Christus von den Toten erstanden ist.

Gott, küss uns die müden Augen wach!

 

Auferstehung das findet bis heute statt, jeden Tag. Ostern setzt uns auf den Weg. Erinnert uns, dass nach Tod Leben möglich ist. Im übertragenen Sinne und im wörtlichen, das glaube ich als Christ/In. Ostern, das heißt aufbrechen, aufstehen, auferstehen, weggehen, loslassen, aber auch einkehren, heimkehren, finden und hoffen.

 

Tod findet statt nach dem Leben und manchmal auch mitten im Leben. Lebendig, aber als sei ein Leichentuch über das Leben gelegt. Begraben unter Sorgen, Trauer, Krankheit. Tod nach dem Leben und manchmal auch mitten im Leben.

 

Und dann: Auferstehung findet statt, nach dem Tod und manchmal mitten im Leben. Neue Sicht, neue Freude, neue Menschen, neue Hände die mir gereicht werden. Ein Lied. Eine Hoffnung. Eine Gewissheit. Auferstehung findet statt, nach dem Tod und manchmal mitten im Leben.

 

Mit der Osterbotschaft verlassen wir den statischen und sicheren Standpunkt des Glaubens und begeben uns in einen dynamischen Prozess des Glaubens hinein. Ein Unterwegssein, ein suchen, ein Glauben auf Hoffnung hin. In dieses stete Suchen mischt sich Freude und Furcht. Wie bei den Frauen, die zu Jesu Grab kamen und ihn nicht fanden. Angst und Furcht: Denn es ist unerhört/unglaublich was da geschieht und wundervoll. 

 

Wir müssen keine Totenwächter eines leeren Grabes bleiben, wir können Zeugen der Auferstehung und der österlichen Sonne werden. 

 

Küss mir den Tau vom müden Auge

Der Ostermorgen ist da. Halleluja  

 

Musik

eingespielt von Barbara Eimann


Lieder


Gebet


Gott, Vater, ich bitte dich heute für uns.

 

Komm und bleibe bei uns.

 

Wir brauchen dich.

Wir haben Sorgen und Ängste,

es ist so ruhig, 

so anders als sonst.

 

Komm und bleibe bei uns.

 

Zeige uns, dass Auferstehung möglich ist, nach dem Tod und mitten im Leben.

 

Komm und bleibe bei uns.

 

Gib uns Hoffnung und Vertrauen,

schenke uns Geduld und Kraft.

Dir sei Ehre in Ewigkeit.

Amen


KARFREITAG 10.04.2020

Palmsonntag - 05.04.2020

 

„HOSIANNA, GELOBT SEI, DER DA KOMMT,

DER KÖNIG, Im NAMEN DES HERRN!“

(LUKAS 19, 38)

 

Das Ende beginnt mit einem Aufbruch. Der Weg in die große, heilige Stadt Jerusalem. Vor den erschütternden Ereignissen der nächsten Tage flimmert ein Bild herauf. Glorreich, laut, froh, voller Erwartungen. Einzug in Jerusalem: Eine Stadt voll Leben, Menschentrauben, Rufen, staubiger Hitze. Eine Gruppe hebt sich heraus, eine begeisterte Menge, die schreit und ruft, singt und lacht. Wer schon mal bei einer Demo dabei war oder im Zug mit ein paar Fußballfans saß, der hat vielleicht eine Vorstellung davon, wie laut es werden kann, wenn eine Ansammlung von Menschen wirklich von etwas begeistert ist. 

 

»Hosianna, gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn!« 

 

Das singt das jüdische Volk zwischen römischen Soldaten, unter römischer Herrschaft, vor den geistlichen Führern der damaligen Zeit und unter den Augen des jüdischen Königs Herodes. Was für eine Provokation. Es scheint als würden sie rufen: Da zieht eine neue Zeit ein. Und wir sind dabei. Wer wollte da nicht singen? 

 

Jesus, der war anders als das bisher Gewesene. Sie haben von ihm gehört, von seinen Wundern, Taten und Worten. Er bricht die gesellschaftlichen und religiösen Konventionen auf. Nicht mehr „Wir“ und die „Anderen“, sondern ein inkludierendes Wir. Alle Menschen, Sünder und Heilige, Juden und Nichtjuden, arm und reich, krank und gesund. Da kommt etwas Neues, das ist deutlich zu spüren. Und viele im jüdischen Volk sehnen sich nach Neuem.

 

Aber da sind auch jene, die unbedingt das Alte bewahren wollen und ihre Deutungshoheit über das gesellschaftliche und religiöse Leben bedroht sehen. Das allumfassende „Wir“ ist eine Bedrohung. Es muss sie noch geben, die „Anderen“, sonst bricht das Machtgefälle zusammen. Allumfassender Frieden wird hier nicht als Ziel und Heil verstanden, sondern als Bedrohung des „Alten“ und „Bekannten“.

  

Und so nimmt die Geschichte der Karwoche an diesem Palmsonntag seinen Anfang. Voller Jubel, voller Freude, mit Palmenblättern wird Jesus in Empfang genommen in der heiligen Stadt. Und innerhalb weniger Tage werden die Jubelrufe zu Hetzgeschrei. „Kreuzige ihn, kreuzige ihn“, werden wir am Ende der Woche hören. Von den gleichen Menschen, die Jesus hier jubelnd empfangen. Was ist nur geschehen? 

 

In erster Linie wurden Erwartungen enttäuscht. Jesus hat Erwartungen enttäuscht. Heilen, speisen, friedlich und sanftmütig sein, das alles war nicht genug. Erwartet wurde mehr, oder vielleicht auch weniger, aber auf jeden Fall irgendwie etwas anderes von einem Messias. Befreiung von den herrschenden Römern, Bestrafung und Niederschlagung. Ein Kriegsheld vielleicht, blutige Rache. Zumindest wenigstens einer, der die Guten lobt und die Schlechten verwirft. Einer, der die Seinen kennt und bevorzugt. Nicht dieser Einheitsbrei. Ja, Erwartungen wurden enttäuscht und einer der engsten Vertrauten für den Verrat gewonnen. So nehmen die letzten Tage im Leben Jesu ihren Lauf. 

 

Die Geschichte vom Palmsonntag ist so aktuell wie nie. Menschen, die Erwartungen haben, die sich etwas Bestimmtes für die aktuelle Situation wünschen und Umbruchszeiten, die besonders anfällig sind für menschliches Scheitern.

 

Bewahrte Worte. Bewahrte Geschichte. Die Menschenwelt ist noch ganz dieselbe. Weiterentwickelt, aber die Menschen und ihre Leiden, ihre Hoffnungen, ihre Konflikte sind uns nicht fremd. Die Einzugsszene macht uns mit all dem vertraut. Mit einem Konflikt des Neuen gegen das Bewahrende, mit Umbrüchen, mit Uneindeutigkeit und Erwartungen, die nicht immer erfüllt werden.

 

Immer wieder stehen wir an Schwellen unseres Lebens, unserer Geschichte und immer wieder ruft Jesu seine Worte und Taten in unsere Herzen. Und ich glaube wir stehen auch heute wieder an solch einer Schwelle. Noch stehen wir am Anfang der aktuellen Epidemie und schon beginnen uns die Maßnahmen zu nerven, zu ärgern, die ja eigentlich Leben bewahren sollen. Aber ist es wirklich mein Leben, das hier in Gefahr ist? Für wen nehme ich diese Einschränkungen eigentlich in Kauf? Und will ich das noch länger hinnehmen? Das anfängliche Vertrauen in die Regierung bekommt Risse. In Gesprächen begegnen mir nun viel häufiger Frustration und Wut. Existenzen stehen auf dem Spiel, da ist es ja irgendwie auch verständlich. Die Situation ist schwer, für uns alle. Auch ich vermisse meine Familie, meine Freunde, den geregelten Alltag und die Arbeit, so wie ich sie kenne. 

 

Und dennoch, ich merke wie der Boden geebnet wird für Verschwörungstheorien, für das „Wir“ gegen die „Anderen“: „Übertrieben“, „Unnötig“, „Unverständlich“. Mit diesen Worten kommen die enttäuschten Erwartungen zur Sprache. „Ich hätte das anderes gemacht“. Und es gibt immer Menschen, die genau auf so instabile Situationen in der Gesellschaft warten und sie zu nutzen wissen.

 

Lassen wir sie diesmal nicht!

 

Spaltung, Angst, Wut werden uns heute nicht weiterhelfen, so wie damals auch nicht. Versuchen wir beieinander zu bleiben, geduldig und hoffnungsvoll, solidarisch und friedlich. Damit wir nicht am Ende unversehens mit einstimmen in das „Kreuzige Ihn“-Geschrei.

 

Die Karwoche beginnt. Wir nehmen das Leiden und Sterben Jesu verstärkt in den Blick, werden ihn ein Stück begleiten. Sanftmütig, friedlich, liebevoll, so hoffe ich. Jesus als Mittelpunkt unseres Lebens. Gerade in dieser Woche bitte ich besonders darum. Amen

Lied


Psalm


Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Mit Palmen bereiten wir dir den Weg, unsere Kleider liegen dir zu Füßen, damit die Güte einziehen kann in unser Leben.

 

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Du bist meine Hoffnung und stärkst mich mit deiner Liebe. Deine Güte überdauert die Zeit und lässt mich leben. Deine Gnade umspannt das Weltall und führt mich aus der Enge.

 

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Wenn wir stillstehen und auf der Stelle treten und nicht einen Schritt weiter kommen; nimmst du uns mit auf den Weg nach Jerusalem, wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen in Traum und Wirklichkeit.

 

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Denn jeder Tag, den Gott macht, ist gut: Wir wollen uns freuen, dass er noch immer die sucht, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten; dass er sich noch immer auf den Weg macht zu denen, die den Hunger nach Frieden noch nicht gestillt haben.

 

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

 

Herr, du bist der Eckstein der Welt, die Hoffnung für verkrustete Seelen; deine Güte überdauert den Tag und deine Liebe überstrahlt die Schattenseiten unseres Lebens. Amen

 

(Psalm 118 - nach Uwe Seidel)


29. März 2020

 

„NUN ABER BLEIBEN GLAUBE, HOFFNUNG, LIEBE, DIESE DREI; ABER DIE LIEBE IST DIE GRÖSSTE UNTER IHNEN.“

(1. KORINTHER 13,13)

 

Das Hohelied der Liebe findet seinen Höhepunkt in diesem Satz. Glaube, Liebe und Hoffnung. Diese drei bleiben als Kern dessen, was uns als Christen ausmacht. Mögen die Zeiten auch noch so stürmisch sein, die Herausforderungen noch so groß und die Anfechtungen schier überwältigend, diese drei bilden unsere Grundlage, unser Sein, unsere Richtschnur für alles moralische Handeln. Wenn wir es denn wagen, uns auf sie zu besinnen, und nicht, was uns natürlich freisteht, sie über Bord zu werfen, wenn es schwierig wird. Denn allen dreien ist es, wenn es drauf ankommt, gar nicht so leicht, zu folgen.

 

Da ist die Hoffnung. Sie birgt so viel Kraft in sich. Sie kann Menschenmassen bewegen, die Geschichte verändern und durch die schwierigsten Zeiten tragen. So viel und noch mehr vermag die Hoffnung in uns zu tun. Deshalb baut unser Glaube so sehr auf ihr auf – wir glauben auf Hoffnung hin. Doch manchmal verlieren wir mit ihr das Ziel aus den Augen. Hoffnung ist so ein Energieträger, dass sie sich manchmal verrennt, verirrt, den falschen Weg einschlägt oder sich selbst genügt. Hoffnung ist und bleibt eine große Kraft, aber sie ist manchmal schwer aufrecht zu erhalten, wenn die Dunkelheit zu groß ist. 

 

Dann der Glaube. Er kann Berge versetzen. Die Bibel ist voll von Geschichten des Glaubens, der Unglaubliches geschafft hat. So viele Wunder und große Taten, von denen wir hören. Und  doch, die Jahreslosung für dieses Jahr macht es deutlich: „Ich glaube hilf meinem Unglauben.“ Manchmal machen sich Zweifel mit auf den Weg. Die Welt, wie sie ist, die Erfahrungen, die wir Menschen machen oder die wir bei anderen sehen, die lassen uns auch straucheln. Manchmal können Menschen nicht mehr glauben, nach großen Verlusten oder Umbrüchen und Verletzungen. Zu glauben, ist ein Geschenk und eine  große Kraft, doch immer auch Anfechtung in dieser Welt.

 

Und letztlich bleibt dann die Liebe. Sie ist die Größte unter ihnen. Nicht Hoffnung und auch nicht der Glaube, wie ja eigentlich im religiösen Kontext zu erwarten wären. Nein, die Liebe ist die Größte unter ihnen. Wenn wir lieben, dann hoffen wir immer auf das Beste und wir glauben an die Menschen und daran, dass mit ihnen alles gut werden wird. Weil Liebe nun mal immer an das Gute glaubt und nach ihrer Erfüllung strebt. Und damit zeigt sich die große Kunst der Liebe: Sie ist nie allein. Liebe braucht immer ein Gegenüber, einen Geber und einen Empfänger. Und wir Menschen sind immer beides in unserem Leben. Die Liebe bleibt und trägt letztlich alles moralische und ethische Handeln. Wo Hoffnung und Glaube fehl laufen können, missbraucht werden können, da steht die Liebe als Konstante da und hält beide anderen großen Grundlagen für uns zusammen.  An ihr orientiert, können wir alles tragen. Weil wir nicht allein sind. Im Idealfall haben wir Menschen um uns, die uns lieben und die sich um uns sorgen. Aber unter allen Umständen haben wir Gottes Liebe in unserem Leben. Diese Bindung reißt niemals ab. 

 

So bleibt uns für diese Zeit die Besinnung auf die drei Grundlagen. In der Hoffnung, dass sie uns tragen und erinnern an das, was uns ausmacht.

 

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;

aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ 

Lied


Psalm


Ich suche Gott auf den Bergen, wird er mir dort entgegen kommen? Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt von ihm, der nicht nur auf den Bergen wohnt, mein Gott hat Himmel und Welten geschaffen, und wenn ich ihn bitte, so ist er anwesend und hilft.

 

Ich suche Gott in der Natur, wird er mir dort begegnen? Woher kommt mir Hilfe?

Mein Hilfe kommt von ihm, der sich nicht nur um den Himmel sorgt, mein Gott sieht auch meine Schritte hier auf Erden, und wenn ich falle, so richtet er mich wieder auf.

 

Ich suche Gott im Himmel und auf Erden, wo werde ich ihn finden? Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt von ihm, der nicht schläft oder müde wird. Er kann mir meinen Weg zeigen. Mein Gott behütet mich Tag und Nacht, und wenn ich zum Leben keine Kraft mehr habe, spricht er mir neuen Mut zu.

 

Meine Hilfe kommt von Gott, den ich bitte, der mich tröstet, der mein Leben behütet, heute und in aller Zukunft. Amen

 

(Psalm 121 - nach Uwe Seidel)


22. März 2020

 

"ALLE EURE SORGE WERFT AUF IHN; 

DENN ER SORGT FÜR EUCH."

(1. PETRUS 5,7)

 

„Wie schwer ist ein Glas Wasser?“ Mit dieser Frage beginnen manchmal Stressbewältigungsseminare.  Den Teilnehmern wird ein gefülltes Glas mit Wasser gezeigt und dann können sie wild drauf los raten. 200-500 Gramm sind die meist genannten Antworten.

 

Dann kommt natürlich die Auflösung dieser Fangfrage. Das absolute Gewicht des Glases spielt gar keine Rolle für das Empfinden der Schwere. Wie schwer das Glas ist, hängt davon ab, wie lange man es halten muss. Hält man es eine Minute, ist es kein Problem. Hält man es für eine Stunde, wird man Schmerzen im Arm verspüren. Hält man es den ganzen Tag, wäre der Arm taub und bewegungsunfähig. Das Gewicht des Glases ändert sich nicht, aber umso länger man es hält, desto schwerer wird es.

 

Stress und Sorgen in unserem Leben sind wie dieses Glas mit Wasser. Denken wir eine kurze Zeit darüber nach, hinterlassen sie keine Spuren. Denken wir länger über sie nach, beginnen sie uns zu verletzten. Und wenn wir über unsere Sorgen den ganzen Tag nachdenken, dann werden wir uns irgendwann taub fühlen, Schmerzen haben und nicht mehr in der Lage sein, uns zu bewegen und irgendetwas zu tun.

 

Das absolute Gewicht, die Größe, die Schwere unserer Sorgen ist erstmal nicht relevant. Sicher, je nachdem wie groß sie sind, haben sie Auswirkungen auf unser Leben, aber selbst kleine Sorgen können uns lebensunfähig, bewegungsunfähig machen, wenn wir sie nicht loslassen. In Zeiten wie diesen ist das Glas natürlich randvoll gefüllt. Wir alle verfolgen die Nachrichten, lesen die Zahlen der Verstorbenen mit großer Sorge. Wir haben Angst um uns, unsere Kinder, unsere Eltern. Wir haben Angst, was das alles mit der Gesellschaft machen wird. Wird es so wie vorher? Was wird passieren? Ich stelle mir diese Fragen auch. Aber gerade wenn das Glas so voll mit Sorgen ist, wie momentan, müssen wir es manchmal abstellen, sonst brechen wir zusammen. 

 

Wenn wir alle unsere Sorgen auf Gott werfen sollen, dann damit genau das nicht passiert, damit wir nicht zusammenbrechen. Die Sorgen auf Gott werfen, heißt, lebensfähig bleiben, in der Lage bleiben, froh zu sein, hoffnungsvoll die Situation anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Ein kleiner „Grübelstopp“, der uns hier verhängt wird. Raus aus unserem Kopf. Raus mit all den Sorgen. Ablenken. Reden wir mit der Familie, die bei uns ist oder nehmen wir das Telefon und rufen Freunde an. Wir können auch rausgehen, frische Luft einatmen. Die Sonne kommt endlich raus und ich stelle mich mitten hinein in ihre Strahlen und lasse sie mich durchfluten. Mit dem nötigen Abstand, der Umsicht, die die Situation gerade erfordert, aber auch mit vollem Vertrauen im Herzen, dass alles gut werden wird. Ich werfe meine Sorgen auf den Herrn und lasse los.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen Gottes Segen!

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf

Lied


Psalm


Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst

Niemand ist da, der mir hilft in meiner Not.

 

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst

Niemand ist da, der mich erfüllt mit seinem Trost.

 

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst

Niemand ist da, der mich hält an seiner Hand.

 

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst

Niemand ist da, der mich leitet und begleitet

auf allen meinen Wegen – Tag und Nacht.

 

Sei gut behütet und beschützt.

 

(Psalm 21 - nach Uwe Seidel)

 


 15. März 2020

 

"GOTT HAT UNS NICHT GEGEBEN DEN GEIST DER FURCHT, SONDERN DER KRAFT, DER LIEBE UND DER BESONNENHEIT."

(2. TIMOTHEUS 1,7)

 

Liebe Gemeinden, Furcht ist in der Regel nichts Verkehrtes. Man stelle sich einmal vor, wir hätten von Menschengedenken her keine Angst gehabt. Dann wären wir nicht vor Säbelzahntigern geflohen, hätten uns von Mammuts zertreten lassen und gefährliche Situationen nicht erkannt. Es gäbe uns vermutlich gar nicht mehr. Also, es gibt Momente wo Angst Sinn macht, da sie uns zur Vorsicht mahnt. Aber in vielen anderen Situationen ist Angst kein guter Ratgeber. Warum? Diese „falsche“ Angst, wie ich sie gerne nenne, führt nicht zur Vorsicht, sondern zu Panik. Sie breitet sich uferlos in unserem Kopf aus und malt die schlimmsten Szenarien. Sie macht uns resistent gegen die Vernunft, weil dieses Gefühl so viel stärker ist, als alle Argumente oder Zahlen.

 

Und wenn wir panisch sind, dann werden wir gefährlich. Für uns selbst, für andere und für die Gesellschaft. Wir verfallen in Depressionen, können nicht mehr schlafen, malen uns die furchtbarsten Dinge aus. Oder werden aggressiv gegen jeden, der unsere Angst nicht versteht. Und auch gesellschaftlich kann Angst so wunderbar instrumentalisiert und damit unser größter Feind werden. Wenn die Angst nur groß genug ist, das Drama in meinem Kopf allen Raum einnimmt, dann bin ich anfällig für alles, was angeblich gegen diese Angst helfen kann. Dabei wird das rationale und soziale Denken gänzlich ausgeschaltet. 

 

Und so stellt Paulus in seinem Brief an Timotheus dem Geist der Furcht sehr bewusst den Geist der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit entgegen. Diese drei haben die Möglichkeit, die Angst zu kontrollieren, so dass sie nicht uns kontrolliert. Auch in der aktuellen Situation brauchen wir viel von all diesen drei Geistern. Die Besonnenheit, dass wir als Gesellschaft nicht panisch, aber auch nicht leichtsinnig sind. Die Liebe, um Solidarität mit all jenen zu zeigen, die den Virus nicht so leicht besiegen können, weil ihr Körper geschwächt ist, oder anfällig. Und wir brauchen Kraft, weil unser aller Alltag so sehr eingeschränkt ist. Unsere Sozialkontakte so sehr eingeschränkt sind. Selbst unser kirchliches Leben so sehr eingeschränkt ist. 

So kann ich heute Gott nur darum bitten, uns den Geist der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit zu schicken, damit wir beieinander bleiben, zuversichtlich, vertrauensvoll und gestärkt im Glauben und im Gebet. 

 

Gotte segne und behüte Sie.

 

Ihre Pfarrerin Jennifer Scherf 

Lied


Psalm


Ganz nahe spüre ich dich, Gott, 

so als gingen wir beide Hand in Hand.

Ich spüre die Wärme, mit der deine Hand die meine umschließt, ich merke die Kraft, die mir Sicherheit gibt. Niemand kann mir den Boden unter den Füßen wegziehen. Falle ich, falle ich in deine Hand,

Ganz nahe spüre ich dich, Gott,

so als gingen wir beide Hand in Hand.

Ganz nahe spüre ich dich, Gott, auch wenn es dunkel wird um mich. Ist kein Mensch nahe, bietest du mir deine Hand.

Du zeigst mir den Weg, wenn ich nicht mehr weiter weiß, mich nicht traue, weiterzugehen.

Ganz nahe spüre ich dich, Gott,

so als gingen wir beide Hand in Hand.

Du hältst deine Hand über mir wie ein schützendes Dach; verfolgt mich die Angst, kann ich mich darunter verkriechen, sind meine Kräfte erschöpft, bin ich geborgen.

Ganz nahe spüre ich dich, Gott,

so als gingen wir beide Hand in Hand.

Wunderbar sind deine Werke, das weiß ich wohl. Aber was denkst du, Gott? Ich kann deine Gedanken nicht verstehen oder zählen. Du aber kennst alle meine Fragen, du liest meine Gedanken.

Ganz nahe spüre ich dich, Gott,

so als gingen wir beide Hand in Hand.

 

(nach Psalm 139)